Neue Ausstellung in Seitenstetten: Poesie in Bildern

Erstellt am 29. März 2022 | 05:36
Lesezeit: 3 Min
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Der Stiftskustos und Ausstellungsleiter Pater Martin Mayrhofer mit Doris Neidl und einem ihrer „Menschenbilder“.
Foto: Penz
In der Neuen Galerie präsentiert Doris Neidl ihre „Menschenbilder“ mit Holzschnitten, Collagen und Zeichnungen.
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Sie sitzt in der U-Bahn oder im Kaffeehaus, hat ihren Papierblock und Bleistift mit und hält skizzenhaft Eindrücke von Menschen fest; diese „Notizen“ werden erst im Atelier zu Bildern, indem das Wesen eines Menschen tiefer ergründet und zudem versucht wird, die Komplexität und Widersprüchlichkeit des emotionalen Lebens und die schwer fassbare Dynamik der menschlichen Interaktion herauszufinden und darzustellen.

Zumeist geht es der gebürtigen Hörschingerin Doris Neidl dabei um Beziehungen zwischen Menschen, sie möchte Geschichten erzählen, wobei ihr minimales „Alphabet“ oft nur in Frauen- und Männerfiguren besteht, die sich nahe oder fern, oder auch beides gleichzeitig sind. Für Neidl sind stets Kontraste erforderlich, um Realität schaffen zu können: Sehnsucht-Distanz, Liebe-Hass, Hell-Dunkel, Bewegung-Stille oder Leben-Tod sind nur einige davon. Diese Gegensätzlichkeit zeigt sie auch in geometrischen oder abstrakten Konstrukten, so zum Beispiel in der Serie „Diener einer Liebe“. „Ich versuche auf diese Art immer wieder Ordnung in das Chaos des Lebens zu bringen; die Figuren oder Formen berühren einander und finden zueinander, wobei die Schwierigkeit darin liegt, jedem ‚Gefühl‘ den adäquaten Platz einzuräumen“, erläutert die in Wien lebende Künstlerin.

Doris Neidl hat schon 2014 im Stift unter dem Titel „Erdichtungen“ ausgestellt, was auch auf ihr literarisches Schaffen verweist. Sie arbeitet oft in Serien und Zyklen, die sich meistens über längere Zeiträume erstrecken. Sie überarbeitet diese, kommt auf sie zurück oder verbindet sie. Von der Zeichnung ausgehend übersetzt sie ihre Idee in die jeweilige Technik.

„Große Liebe gehört der Druckgrafik“

„Meine große Liebe gehört der Druckgrafik, denn ich mag das Handwerkliche. Das Zurückkommen auf ein Thema gibt mir die Chance des künstlerischen Wachstums, des grafischen ‚Sich-Selbst-Übertreffens‘; das Intellektuelle soll körperlich werden können“, umschreibt die Künstlerin ihr Tun. Sie versucht „Dinge“ zu formulieren und in der Umsetzung zu reduzieren. Alle Lösungen aber sieht sie eigentlich als „Trugbild“; man versuche zu verstehen, erreiche aber selten wahre Befriedigung, was zur Weiterarbeit animiere. Bei ihren Holzschnitten arbeitet sie vorrangig mit vier Farben und zumeist in der „Technik mit der verlorenen Form“; die Auflagen sind stets ganz gering.

Doris Neidl studierte Malerei und Druckgrafik an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz. Sie lebte und arbeitete auch in Paris und New York. Ihre Arbeiten werden im In- und Ausland in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt,

Die Ausstellung wurde am 20. März eröffnet und bleibt bis 12. Juni (jeweils 9 bis 17 Uhr) frei zugängig.

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