Abschied von Danner in Mauer: „Bürokratie wird mir nicht fehlen“

Erstellt am 09. März 2022 | 04:43
Lesezeit: 4 Min
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Robert Danner leitete seit dem Jahr 2010 als kaufmännischer Direktor die Geschicke des Landesklinikums Mauer. Sein Abschiedswunsch an LGA und Politik wäre eine gute neue Perspektive für die Anstalt.
Foto: Knapp
Robert Danner ging als kaufmännischer Direktor des Landesklinikums Mauer in Pension und zieht eine kritische Bilanz.
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Im Landesklinikum Mauer endete am 1. März eine Ära. Der langjährige kaufmännische Direktor Robert Danner (62) trat in den Ruhestand – früher als er es ursprünglich eigentlich im Sinne hatte. „Die Absiedelung der Neurologie hat meinen Entschluss, in Pension zu gehen, beschleunigt“, erklärt Danner im NÖN-Gespräch. Er sei im Jahr 2011 mit dem Versprechen angetreten, das Ansehen des Landesklinikums Mauer weiter zu verbessern. „Stattdessen fallen wir jetzt wieder in das Image einer reinen, mit Stigmatisierung behafteten Psychiatrie zurück, wofür aber weder die Mitarbeiter noch die Patienten etwas können“, nimmt sich Danner kein Blatt vor den Mund. Die Absiedlung der Neurologie ist in seinen Augen eine glatte Fehlentscheidung. „Wir sind als Klinikleitung vor vollendete Tatsachen gestellt worden und haben das professionell umgesetzt, aber eigentlich wollten wir etwas anderes für unsere Anstalt.“

Das Neurologiegebäude, das noch vor wenigen Jahren das modernste Haus gewesen sei, werde jetzt zur „Industrie-Ruine, die der Steuerzahler erhalten muss.“

Eigentlich hat sich Danner gewünscht, das Klinikum mit einer guten Zukunftsperspektive zu übergeben. Doch alle diesbezüglichen Vorschläge der Klinikleitung hätten bei der Gesundheitsagentur wenig Gehör gefunden, klagt er. „Möglichkeiten gäbe es einige, wie etwa eine Aufstockung der Forensik, speziell der Frauen-Forensik. Auch der Ausbau der Gerontopsychiatrie wäre wichtig“, hofft der nunmehrige Direktor im Ruhestand aber weiter auf neue Perspektiven für Mauer.

Leid tut Danner die aktuelle Entwicklung vor allem wegen der Bediensteten im Klinikum. „Sie tun ihre Arbeit mit sehr viel Herzblut, aber bei den Umfragen schneiden sie meist schlecht ab, weil natürlich Patienten der Psychiatrie dem Personal nicht so gute Bewertungen geben, wie das auf anderen Stationen der Fall ist. Das wird aber von der Gesundheitsagentur zu wenig kommuniziert.“

Was Danner in der Pension auch nicht fehlen wird, ist „der Wasserkopf an Bürokratie, der immer ärger wird. Da fließt viel Geld hinein, das eigentlich den Patienten gehören sollte. Tatsächlich haben Klinikleitungen heutzutage kaum Spielraum für Kreativität und eigene Ideen. Alles wird von Richtlinien und Vorgaben bestimmt.“

Personal in allen Bereichen sehr engagiert

Voll des Lobes ist Danner für das nichtmedizinischePersonal im Klinikum, das ihm direkt unterstellt war. „Die Leute sind in allen Bereichen, von der Küche bis zu den Werkstätten, sehr engagiert.“

Viele Bauvorhaben wurden seit 2010 unter Danners Ägide im Klinikum Mauer umgesetzt - die Erwachsenenpsychiatrie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die neue Forensik. „Wir haben uns dabei immer bemüht, die Mitarbeiter möglichst gut in die Planungen einzubinden. Das hat Zeit gekostet und wir konnten auch nicht auf alle Wünsche eingehen, aber meistens haben wir einen guten Kompromiss erzielt“, zieht er eine positive Bilanz. Große Freude hat er auch mit dem im Originalzustand renovierten Bildungscampus Mostviertel.

Ein besonderes Anliegen war dem Direktor außer Dienst auch immer die Pflege des Anstaltsgeländes, das einzigartig in Niederösterreich ist. „Aus der Literatur weiß man ja, dass gerade für psychisch Kranke eine gesunde natürliche Umgebung von großer Bedeutung ist, und das habe ich gefördert.“

Was Danner freut, ist, dass das Klinikum und das Pflege- und Betreuungszentrum künftig enger zusammenwachsen werden. „Dass es nur noch eine Direktorin für beide Einrichtungen gibt, ist sinnvoll, das wäre auch im Bereich der Pflegedirektion wünschenswert.“

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Mauer, seinen Vorgesetzten in der Geschäftsführung der LGA, aber auch mit der Politik bezeichnet Danner als grundsätzlich gut. „Wir waren zwar sachlich nicht immer einer Meinung, aber auf der persönlichen Ebene hatten wir doch ein gutes Miteinander.“

Ganz wird der Waidhofner dem Spitalswesen nicht abhandenkommen, denn er bleibt Mitglied des österreichischen Instituts für Krankenhausbetriebsführung (ÖIK), das für bedarfsgerechte praxisbezogene Aus- und Fortbildung für Führungskräfte des Krankenhausmanagements zuständig ist.

Für die Sommermonate hat Danner spezielle Pläne. „Da werde ich sechs bis acht Wochen auf einer einsamen Alm in Kärnten verbringen.“

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