Neurologie-Aus: 430 Mitarbeiter bei Betriebsversammlung. "Ich spreche hier als Privatperson aber auch als Interessensvertreterin der Patienten. Und leider muss ich sagen, dass mit der Verlegung der Neurologie nach Amstetten und Melk eine deutliche Verschlechterung der Patientenversorgung zu erwarten ist!" Keinen Zweifel an ihrer skeptischen Haltung gegenüber den Plänen der Landesgesundheitsagentur lies die Primaria der Neurologie in Mauer, Susanne Asenbaum-Nan, bei einer Betriebsversammlung am Gelände des Landesklinikums am frühen Mittwochnachmittag. Der Betriebsrat hatte dazu eingeladen und rund 430 Mitarbeiter nahmen teil.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 08. Juli 2020 (16:35)
Rund 430 Mitarbeiter des Klinikums nahmen am frühen Mittwochnachmittag an der Betriebsversammlung auf der Wiese vor dem Festsaal teil.
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Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder berichtete über die fruchtlosen Gespräche, die Betriebstrat und kollegiale Führung des Landesklinikums Mauer am Dienstag mit der Geschäftsleitung der Landesgesundheitsagentur geführt haben. "Es wurde uns mitgeteilt, dass am Beschluss der Landesregierung nicht zu rütteln ist. Eine fachliche Begründung für die Verlegung der Neurologie bekamen wir nicht. Das einzige Argument war, dass im Landesklinikum Melk eine Station mit 30 Betten leer ist", berichtete Schoder. Er hob hervor, dass von der Abwanderung der Neurologie aus Mauer nicht nur die in diesen Abteilungen Beschäftigten betroffen seien, sondern dass das auch Auswirkungen auf das Küchenpersonal, das Reinigungspersonal aber ebenso auf die Therapeuten, das Pflegepersonal und die Ärzteschaft haben werde. 

Schoder ortet künftig auch eine Unterversorgung des Mostviertels mit neurologischen Betten. "Insgesamt gibt es derzeit in Mauer  (88) und Amstetten (37) zusammen genommen 125 Neurologie-Betten. Wenn, jetzt, wie uns mitgeteilt wurde, 15 Betten aus Mauer nach Amstetten kommen sollen, dann stehen wir dort bei 52 Betten. 30 Betten sollen von Mauer nach Melk kommen. Und wo bleibt der Rest?", fragt der Betriebsatsvorsitzende. Zwar sieht der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) 2025 in der Region ohnehin eine Reduzierung der Neurologie-Betten von 125 auf 100  vor - nach den jetzt vorgelegten Plänen der Gesundheitsagentur bleiben aber nur noch 82 übrig.  

Primaria Susanne Asenbaum-Nan weist darauf hin, dass die Betten für Patienten mit hochgradiger Behinderung, etwa 100 Personen werden jährlich in Mauer betreut, überhaupt nicht mehr vorgesehen sind. Und sie mahnt, auch auf die die Ambulanzen nicht zu vergessen, "wo Patienten von uns seit vielen Jahren betreut werden. Auch für diese ist künftig eine Verschlechterung der Versorgung zu befürchten."

Landeskliniken-Zentralbetriebsrat Peter Marschat, Primaria Susanne Asenbaum-Nan, Leiterin der Neurologie in Mauer und Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schoder mit einer Unterschriftenliste gegen die Absiedlung der Neurologie.
Hermann Knapp

Für den Zentralbetriebsrat der Landeskliniken, Peter Marschat, ist die Argumentation der Landesgesundheitsagentur, dass man in Melk eine leere Station habe, die man ohne viele Investitionen nutzen könne, nicht schlüssig. "Denn auch dort werden bauliche Veränderungen erforderlich sein, um die notwendigen Therapieeinrichtungen zu schaffen." Zudem wisse man nicht, wie lange die Station noch für Covid-19-Patienten benötigt werde.

Und wenn man schon in Melk und Scheibbs - dorthin soll ja die elektive Orthopädie von Amstetten übersiedeln - die Auslastung erhöhen wolle, so Marschat, dann brauche man auch eine Zukunftsperspektive für Mauer. "Das Einzige was wir dazu gehört haben, war aber, dass wir Ideen entwickeln sollen. Was das bringt, wissen wir. Denn wir hatten schon viele Ideen, aber umgesetzt wurde keine. Und Vorgaben müssen eigentlich schon von der Geschäftsleitung kommen."

Beim Gespräch mit der Landesgesundheitsagentur wurde auch über einen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten in Mauer gesprochen. "Es wurde uns zwar gesagt, dass die befristeten Verträge von Mitarbeitern verlängert werden, aber sie werden nicht unbefristet gestellt, wie wir das verlangt haben", bedauert Marschat. Zudem werde es keine Neuaufnahmen von Absolventen der Pflegeschulen geben. "Somit verlieren wir da also Jahrgang."

Trotz aller deprimierenden Nachrichten sind die Beschäftigten und der Betriebsrat des Landesklinikums Mauer weit davon entfernt, die Flinte ins Korn zu werfen. Schoder ließ sich von der Betriebsversammlung ein Verhandlungsmandat geben. Eine Unterschriftenliste gegen die Verlegung der Neurologie wurde auch schon gestartet, über 3.500 Personen haben sie schon unterzeichnet. Auch eine online-Petition ist in Vorbereitung. "Die gesammelten Unterschriften werden wir dann natürlich auch offiziell der Landesregierung übergeben", kündigt Schoder an.

Der Betriebsratsvorsitzende schließt auf lange Sicht auch eine Kundgebung vor dem Landhaus in St. Pölten nicht aus. Vorerst will man aber noch auf Gespräche setzen. Um einen Termin bei Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat man schon angefragt.

"Ich kann euch nicht versprechen, dass die Pläne geändert werden und die Neurologie in Mauer bleibt, aber ich kann euch versprechen, dass wir darum kämpfen werden. Wir lassen euch nicht im Stich!", versicherte Schoder den Mitarbeitern zum Abschluss der Betriebsversammlung.