Trockenperiode im Bezirk Amstetten: „Kein Regen, kein Futter“

Erstellt am 30. März 2022 | 06:14
Lesezeit: 4 Min
anton kasser
Anton Kasser, Bürgermeister von Allhartsberg und Bezirksobmann des Bauernbundes, hofft auf Regen für den nun anstehenden Maisanbau.
Foto: Marktgemeinde Allhartsberg
Geringe Niederschlagsmengen bringen Probleme für die Landwirtschaft.
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Der ausbleibende Regen beschäftigt derzeit die Bevölkerung und tatsächlich könnte dieser März als der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1946 in die Geschichte eingehen. Solche Trockenperioden können Probleme für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und eine erhöhte Waldbrandgefahr mit sich bringen. Die NÖN sprach mit Bauernvertretern über Gründe und Auswirkungen der Trockenheit und wie man mit ihr umgehen kann.

Anton Kasser, Bürgermeister von Allhartsberg und Bezirksobmann des Bauernbundes, schildert die Dringlichkeit der Situation: „Der Frühjahrsanbau steht jetzt an und wo kein Regen, da kein Wachstum.“

Auch wenn die derzeitige Trockenperiode schon ungewöhnlich lange anhält, so ist sie dennoch nicht gänzlich unüblich für die Jahreszeit, wie Josef Aigner, Obmann der Bezirksbauernkammer Amstetten, erklärt: „Man muss nur 20, 30 Jahre zurückblicken und sieht, dass der März meistens eine trockene Zeit war. Der 19. März ist traditionell das Datum für den Haferanbau und dafür muss es trocken sein.“

Dürreperioden betreffen die gesamte Landwirtschaft, wenn auch manche Bereiche unmittelbarer vor Problemen stehen als andere. „Der Mais- und Sojaanbau stünde jetzt gerade großflächig an“, berichtet Kasser, „aber auch im Grünlandbereich ist die Trockenheit ein großes Problem, denn wo kein Regen, da kein Futter.“

Starkregen und Trockenheit tragen zur Erosion bei

Die Landwirte hoffen also auf baldigen Regen und wenn die Meteorologen recht behalten, soll es auch bald soweit sein.

Als eine Form der Absicherung für Landwirte bei witterungsbedingten Ausfällen weist Aigner übrigens auf die Möglichkeit einer Dürreversicherung hin: „Im Rahmen der Hagelversicherung kann man mittlerweile auch eine Dürreausfallversicherung abschließen. Politik und Agrarvertretung haben dafür gesorgt, dass es diese Möglichkeit gibt und sie wird auch von Landwirten genutzt, das muss aber jeder selbst entscheiden.“

Wasserversorgung und Waldbrandgefahr

In manchen Gebieten wird derzeit auch versucht, den immer häufiger vorkommenden und länger anhaltenden Trockenheitsperioden durch Bewässerungssysteme entgegenzuwirken. Eine weitere Möglichkeit kann in der Bepflanzung mit angepassten, resistenteren Pflanzen gesehen werden, hier ist es aber schwierig, kurzfristig zu reagieren. „Die Ackerbauern reagieren teilweise schon auf die Klimaveränderung“, erzählt Wührer, „Die Wissenschaft ist hier aber auch noch am Anfang. Es gibt dazu einige Untersuchungen, wichtig ist ja auch, dass das Futter dann für die Tiere passt. Jedenfalls müsste auch eine komplett neue Einsaat gemacht werden und das ist sehr aufwendig.“

Weitere Probleme, die lange Trockenheitsperioden mit sich bringen können, sind eine erhöhte Waldbrandgefahr und Wasserknappheit. In vielen Teilen Niederösterreichs wurde heuer bereits eine Waldbrandverordnung erlassen, so auch im Bezirk Amstetten. Hier ist in den Waldgebieten sowie in den Gefährdungsbereichen jegliches Feuerentzünden und das Rauchen verboten. Übertretungen dieser Verordnung werden mit einer Geldstrafe bis zu 7.270 Euro oder mit Freiheitsstrafe bis zu vier Wochen bestraft. Die Brandgefahr in den Wäldern ist sehr hoch, weil die Vegetation, auch jahreszeitlich bedingt, so dürr ist. Keinesfalls darf man in der Nähe von Wäldern ein Feuer machen und natürlich bei Waldspaziergängen keine Zigarettenstummel wegwerfen“, unterstreicht Bezirksförster Fritz Hinterleitner.

Für die Bäume und Pflanzen im Wald sieht er in der Dürrephase noch kein großes Problem, da in dieser Jahreszeit das Wachstum noch sehr eingeschränkt sei und es in tieferen Schichten noch genug Wasser gäbe. „Wenn es im April ausreichend regnet, kann sich das alles noch ausgleichen“, hofft Hinterleitner auf einen baldigen Wetterumschwung.

Poolbefüllungen als Herausforderung

Bezüglich der Wasserversorgung versuchen immer mehr Gemeinden, für den Notfall vorzusorgen. Auch in Neustadtl, wo es vor einigen Jahren zu Wasserknappheit gekommen ist, hat man Schritte gesetzt. „Noch haben wir keine Probleme, wir haben aber zwei Tiefenbohrungen gemacht.Eine vor zwei Jahren, diese ist bereits in Betrieb. Die Zweite ist noch nicht angeschlossen.Da warten wir noch auf Genehmigungen und abschließende Grabungsarbeiten. Derzeit gibt es allerdings noch keinen Mangel. Erfahrungsgemäß wird es erst dann knapp, wenn die Poolbefüllungen losgehen“, verrät Bürgermeister Franz Kriener.

Er hofft diesbezüglich auf Kooperation der Gemeindebürger und verweist auch auf die Möglichkeit, für den Pool auf Wassertransporte zu setzen. Diese seien kaum teurer, würden allerdings wertvolles Neustadtler Trinkwasser sparen. „Wenn dann der Wasserverbrauch überstrapaziert wird, dann dauert es noch länger, bis sich das Ganze wieder erholt. Bei normalem Verhalten haben alle reichlich Wasser“, unterstreicht Kriener. „Sonst graben wir uns sprichwörtlich selber das Wasser ab“, bringt es der Ortschef auf den Punkt.

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