Latschenberger: „Machen Termine zu dritt“

Erstellt am 19. August 2015 | 05:02
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Foto: NOEN, Rittmannsberger
Ortschef Karl Latschenberger, Nachfolger Fritz Hinterleitner und Vize Max Soxberger über die Fernwärme, den Wechsel 2016 und das Klima in Biberbachs Gemeinderat.
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NÖN: Sie sind 31 Jahre Bürgermeister von Biberbach und somit der längstdienende Ortschef in ganz Niederösterreich. Ende 2016 übergeben Sie das Amt an Ihren Nachfolger, Fritz Hinterleitner. Wie bereiten Sie sich alle auf diesen Wechsel vor?
Friedrich Hinterleitner: Ich setzte mich bereits sehr intensiv mit meinem künftigen Amt auseinander. Zurzeit absolviere ich die Ausbildung zum Kommunalmanager. Wir sind ja sehr gut vernetzt und reden eigentlich laufend untereinander. Ich möchte mich aber ganz bewusst nicht in die operativen Angelegenheiten einmischen, das ist einfach Sache des Bürgermeisters. In einigen Vertretungen, wie zum Beispiel dem Umweltverband, bin ich auch schon in den Ausschüssen vertreten.
Karl Latschenberger: Ich muss auch sagen, dass es sehr gut funktioniert. Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Wir machen zurzeit Termine auch zu dritt – ich, Fritz und Vizebürgermeister Max Soxberger – und das funktioniert sehr gut. Es ist nicht nur wichtig, dass ich die Gemeinde 31, 32 Jahre lang gut führe, sondern auch, dass ich die Nachfolge optimal regle. Ich denke, das ist gut gelungen. Wenn man dieses Amt einmal gute dreißig Jahre ausübt, ist das einfach sein Leben. Ich bin schon neugierig, wie es mir geht, wenn ich das einmal nicht mehr habe.

Gibt es bestimmte Projekte, die Sie in Ihrer Amtszeit unbedingt noch umsetzen möchten?
Latschenberger: Mir ist sehr wichtig und das ist mein Ziel, dass jedes Jahr etwas in der Gemeinde gebaut wird. Wir arbeiten gerade massiv daran, dass wir so bald wie möglich wieder mit dem Bau neuer Wohnungen starten können. Zurzeit stehen da Verhandlungen an.
Hinterleitner: Es ist unser Ziel, dass die Biberbacher vor Ort bleiben. Es ist immer traurig, wenn man junge, gute Leute verliert, die keinen Platz bekommen. Es tut sich etwas, die Vereine boomen – Biberbach wird als Wohngemeinde immer attraktiver.
Maximilian Soxberger: Ich glaube, die Leute die heute einen Standort für ihr Wohnheim suchen, schauen sehr genau, wo die Lebensqualität gegeben ist. Ein besonderes Anliegen ist uns, dass sich die Bewohner aktiv am Dorfleben beteiligen.
Latschenberger: Ein Thema, dass mir noch sehr am Herzen liegt, ist die Suche nach einem Nachfolger für unseren Gemeindearzt Paul Böhm, der in einem guten Jahr in Pension geht. Ich nütze jede Gelegenheit, um mich auf die Suche nach möglichen Nachfolgern zu machen.
Hinterleitner: Wir suchen aber auch nach alternativen Lösungen, ich denke da zum Beispiel an eine Gemeinschaftspraxis.

Nach der Wahl findet sich mit den Grünen nun eine dritte Partei im Gemeinderat. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Hinterleitner: Wir haben eigentlich kein schlechtes Verhältnis. Wir merken aber, dass es einfach auf den Menschen ankommt. Mit manchen kann man konstruktiv arbeiten, mit manchen ist es oft schwieriger. Wenn man zu konfrontativer Rhetorik neigt, ist es ein bisschen schwieriger, sachlich zusammenzuarbeiten. Und zum Thema Aktiv-Sein: Man darf Aktionismus nicht mit Arbeit verwechseln. Themen aufzubringen ist noch keine Arbeit. Wir sind aber guten Mutes, dass uns die Zusammenarbeit gelingt.
Soxberger: Wir sind es nicht gewohnt, uns mit Themen auseinanderzusetzen, die Zeitfresser sind. Wir wollen alle ins Boot holen und haben keine Berührungsängste, wenn von anderen gute Ideen kommen.
Latschenberger: Wir müssen einfach schauen, dass wir an einem Strang ziehen. Das haben wir immer gemacht, das ist nur momentan sehr schwierig. Leider versucht der Fraktionsführer der Grünen immer wieder, vieles schlecht zu reden.
Hinterleitner: Was extrem erfreulich ist, dass unsere neuen, jungen Gemeinderäte sehr engagiert mitarbeiten und sich super integrieren. Das stimmt auch wirklich positiv und ist eine schöne Entwicklung.

In einem NÖN-Artikel kritisierte Grünen-Fraktionsführer Herbert Hörndler, wie schon erwähnt, die Fernwärme vor Ort. Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen?
Hinterleitner: Es gibt eher strukturelle Probleme mit der Fernwärme. Wir haben lange Leitungsnetze und viele kleine Abnehmer. Wenn jemand das heute wirtschaftlich voll betreiben will, lässt er sich auf so etwas gar nicht ein. Alles was technisch geht, werden wir machen und überlegen.
Latschenberger: Die Rede war vor allem von groben Mängeln der Fernwärme und das stimmt so einfach nicht. Ich beschäftige mich schon einige Jahrzehnte mit der Fernwärme und natürlich fragt man sich dann: Habe ich etwas übersehen? Aber wir haben alles überprüfen lassen und ich kann sagen: Es gibt keine groben Mängel, wir sind jedoch stets um mögliche Verbesserungen bemüht.
Soxberger: Für den Abnehmer ist die Fernwärme eine sehr hohe Sicherheit. Es gibt für einen Bürger nicht Besseres, als wenn die öffentliche Hand das betreibt; ein privater Betreiber hat rein wirtschaftliche Interessen. Natürlich gibt es hier und da Abnehmer, wo die Abnahmestation veraltet ist. Aber hier muss man primär darauf achten, ob das leistbar für den Bürger ist.

Die Sanierung des Gemeindehauses wurde auf nächstes Jahr verschoben. Wird generell der Sparstift in der Gemeinde angesetzt?
Hinterleitner: Wir wirtschaften auf alle Fälle sehr vorsichtig. Es wird befürchtet, dass die Steuerzahlungen und Bedarfszuweisungen sinken werden. Abgesehen davon ist ein Gemeindehausumbau etwas, das man gut überlegen muss. Es drängt uns nichts, es ist jetzt nichts sehr dringend sanierungsbedürftig.

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