Kritik von Operations-Assistenten an Pflegebonus: „Wurden vergessen“

Erstellt am 07. Dezember 2022 | 03:34
Lesezeit: 3 Min
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Das Team der OP-Assistenten am Landesklinikum Amstetten kritisiert geschlossen die Nichtberücksichtigung beim Pflegebonus.
Foto: privat
Operationsassistenten gehen beim Pflegebonus leer aus. Das sorgt bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landesklinikum Amstetten für großes Unverständnis.
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Österreichweit hat besonders in den vergangenen drei Jahren die Debatte um bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege Fahrt aufgenommen. Es herrscht akuter Personalmangel, eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wird immer wieder thematisiert. Von Gesundheitsminister Rauch wurde nun ein Pflegebonus festgelegt, den jedoch nicht alle Berufsgruppen erhalten sollen. Er steht für die Bereiche Diplompflege, Pflegefachassistenz, Pflegeassistenz sowie die Sozialbetreuungsberufe (Heimhilfe, Diplom- und Fachsozialbetreuung) zur Verfügung.

Viele Berufsgruppen, unter ihnen auch nicht diplomierte OP-Kräfte, sind davon ausgenommen. In vielen Krankenhäusern sorgt dies für Unmut, die betroffenen Berufsgruppen vernetzen sich. „Wir machen viele Tätigkeiten an und mit den Patienten“, bestätigt einer der 16 im Landesklinikum Amstetten beschäftigten OP-Assistenten.

Einsatz in verschiedenen Bereichen

Es scheint, als würden alle sogenannten Beidienste als selbstverständlich gelten.“

Die verschiedenen Assistenzausbildungen sind für einen reibungslosen Krankenhausbetrieb essenziell. „Die meisten von uns haben zwei oder drei Zusatzausbildungen. Wir werden für den Patiententransport, in den Gipszimmern oder eben im OP eingesetzt – tagsüber oder nachts. Auch während der Lockdowns kamen wir sehr vielfältig zum Einsatz“, wird im Interview untermauert. „Es scheint, als würden alle sogenannten Beidienste als selbstverständlich gelten. Für eine Attraktivierung des Pflegeberufs darf man diese wichtigen Tätigkeiten doch nicht einfach übersehen.“

Assistenten übernehmen im Berufsalltag auch pflegerische Aufgaben des diplomierten Personals. Der Aufwand wird künftig noch steigen, wenn diplomierte oder Bachelor-Stellen nicht entsprechend nachbesetzt werden können. Daher fordern die OP-Assistenten, dass auch ihre Berufsgruppe als unabkömmliches Zahnrad des sensiblen Uhrwerks, als das jedes Krankenhaus zu sehen ist, bei Attraktivierungsmaßnahmen mit einbezogen werden muss.

Ein weiterer am LK Amstetten arbeitender OP-Assistent ist überzeugt, dass man seitens der Politik schlichtweg übersehen wurde. „Wir sind vergessen worden“, bringt er es auf den Punkt. Mit einem offenen Brief habe man versucht, auf dieses Versäumnis hinzuweisen und Druck auf die Entscheidungsträger in der Politik auszuüben. Man hofft, dass noch Bewegung in die Sache kommt. „In unserer Stellenbeschreibung steht auch drinnen, dass der dienstrechtliche Vorgesetzte der Pflegedirektor ist. Anscheinend gehören wir aber trotzdem nicht der Pflege an und bekommen keinen Bonus. Obwohl wir am Patienten oder an der Patientin arbeiten“, argumentiert er.

Auch andere

Berufsgruppen ohne Bonus

Insgesamt verliere man etwa 1.700 Euro netto (2.000 Euro brutto Pflegebonus, 500 Euro zusätzlich vom Land Niederösterreich). Weiters weist der OP-Assistent darauf hin, dass die Pflegebediensteten eine Erhöhung von knapp 100 Euro jährlich zusätzlich erhalten. Für seine Berufsgruppe gebe es auch diese nicht.

Neben den OP-Assistenten schauen übrigens auch noch andere Berufsgruppen, wie Hebammen und Reinigungskräfte, durch die Finger. „Überall steht: ‚Wir sind ein Team‘. Aber da gilt das anscheinend nicht mehr. Ich bin schon gespannt, wenn es bald keine OP-Assistenten und keine Gipser mehr gibt“, sagt der am LK Amstetten Beschäftigte.

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