„Management ist alles!“

Erstellt am 16. Oktober 2012 | 00:00
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 42243
Foto: NOEN
MEHRFACHPFARRER /  Pfarrer Gerhard Gruber betreut in der Gemeinde Ardagger gleich vier Pfarren auf einmal und sieht darin einen Trend, der immer mehr im Kommen ist.
Werbung
Von Doris Schleifer-Höderl

STEPHANSHART / Wenn man gleich in vier Pfarren tätig ist, dann braucht man ein gutes Zeitmanagement! Das hat Pfarrer Gerhard Gruber allemal, betreut er doch seit nun mehr zwei Jahrzehnten gleichzeitig die Pfarren Stephanshart, Ardagger Stift und Kollmitzberg. Seit dem vergangenen Jahr kam auch noch die Pfarre Ardagger Markt hinzu. „Ohne meine Mitarbeiter würde ich es aber nicht so gut hinbekommen“, meint der Geistliche schmunzelnd.

Pfarrer flitzt von einer Messe zur anderen 

Letztlich bedeuten vier Pfarren jede Menge Messen, liturgische Handlungen, aber auch viele Gespräche, vier Buchhaltungen, jede Menge administrative Arbeit sowie das in Schuss halten von vier Pfarrhöfen, Friedhöfen und Kirchen. „Ob Sie es glauben oder nicht, dennoch habe ich noch nie einen Termin verwechselt. Auf mich musste noch kein Brautpaar oder kein Täufling warten. Ich trage immer alles sofort in meinen Terminplaner ein. Dennoch gebe ich zu, ohne ihn wäre ich aufgeschmissen!“ Pfarrer Gruber stehen fünf Mesner, eine Pastoralassistentin sowie eine Pfarrsekretärin und die Pfarrgemeinderäte zur Seite. Zudem kann er an Sonntagen sowie an hohen Festtagen wie etwa Ostern oder Weihnachten auf befreundete Priester wie Karl Datzberger oder Raimund Breiteneder zählen, die dann gerne einspringen. „Alleine könnte ich es unmöglich schaffen, so viele Hochämter zu halten.“ Aber nicht selten kommt es vor, dass der Pfarrer von einer Messe zur anderen flitzt. „Auf mein Auto ist absolut Verlass. Und auch wenn es manchmal eng wird, mit quietschenden Reifen bin ich noch nie vor den einzelnen Kirchen eingetroffen“, berichtet der Geistliche lachend.

Der gebürtige St. Martiner war als Kaplan in Euratsfeld, Purgstall, St. Pölten, Ybbs und in Krems tätig, bevor er schließlich als Pfarrer nach Stephanshart kam. „Eigentlich habe ich mich damals auf eine Einzelpfarre eingestellt, aber ich stellte mich letztlich doch sehr gerne der gleich dreifachen Herausforderung in Ardagger!“ Heute betreut der 56-Jährige mehr als 3.000 Pfarrangehörige. „Da tut sich eben immer etwas. So etwas wie Langeweile kenne ich nicht“, meint Pfarrer Gruber. So hält er unter der Woche jeden Montag eine Frühmesse in Kollmitzberg, am Dienstagabend eine in Stephanshart, am Donnerstag eine Messe in Ardagger Markt, am Freitag eine in Ardagger Stift sowie am Samstag in der Früh wieder in Kollmitzberg. Am Sonntag finden in allen vier Pfarren Messen statt.

Und gibt es für einen Pfarrer auch so etwas wie Freizeit? „Eigentlich hätte ich am Mittwoch immer meinen freien Tag. Da bin ich dann gerne mit dem Rad unterwegs, wenn es das Wetter zulässt. Vorzugsweise hinein nach Waidhofen/Ybbs, nach St. Valentin, nach Mauthausen oder auch in die Wachau.“

Auch das Reisen hat es dem Geistlichen angetan, der mittlerweile seit zehn Jahren mit den Pfarrmitgliedern Jahr für Jahr eine große Fahrt unternimmt. „Heuer waren wir in Malta, im Vorjahr in Israel und vor zwei Jahren in Rumänien. 2013 steht Portugal mit dem Wallfahrtsort Fatima sowie einem Abstecher nach Spanien und Santiago de Compostela auf dem Plan. Da habe dann sogar ich einmal an einem Sonntag dienstfrei“, berichtet Pfarrer Gruber lachend. Vor 20 Jahren war er einer von vier Priestern der Diözese, die mit der Leitung von mehreren Pfarren betraut wurde. „Heute kommt dies immer mehr in Mode. Priester mit nur einer Pfarre gehören heute schon zu einer seltenen Spezies!“

Pfarrer Gerhard Gruber an einem seiner vier Arbeitsplätze, der Kirche in Ardagger Stift.

Doris Schleifer-Höderl

Werbung