Unangemeldeter Spaziergang in St. Peter in der Au mit Ausschreitungen

Erstellt am 13. Januar 2022 | 15:17
Lesezeit: 4 Min
Am Mittwoch zwischen 18 und 20 Uhr, fand erstmalig ein „Spaziergang“ von Corona-Maßnahmenkritikern in St. Peter in der Au statt. Über die sozialen Medien war zum Treffen vor dem Schloss aufgerufen worden. Pikant dabei – auf dem Plakat prangte zuerst unerlaubt das Gemeindewappen, wurde dann aber später entfernt.
Werbung
Anzeige

Die Versammlung war bei der Behörde nicht angemeldet und wurde von fünf Polizeistreifen sowie einer Gruppe Bereitschaftseinheit überwacht. Um 18 Uhr hatten sich etwa 100 Personen vor dem Schloss bzw. Gemeindeamt St Peter/Au versammelt, wobei für die Polizei kein Organisator oder Verantwortlicher feststellbar war. Die Teilnehmer wurden via Lautsprecherdurchsagen ausdrücklich und mehrmals über die Maskentragepflicht informiert. Als die Beamten damit begannen, diese zu kontrollieren, reagierten die Versammlungsteilnehmer, wie auch auf einem Video zu erkennen ist, lautstark und aggressiv.

Polizeiauto und Beamte eingekesselt

Nach der Festnahme einer Frau ohne FFP2-Maske versuchten, laut Bericht der Polizeidirektion NÖ, andere Versammlungsteilnehmer in aggressiver Weise und mit Gewalt den Streifenwagen an der Abfahrt zur Polizeiinspektion St. Peter zu hindern, indem sie – sogar im Beisein von Kindern - einen Kreis um das Fahrzeug bildeten und die Polizisten einkesselten. Nur durch vollen körperlichen Einsatz der Beamten habe, der Streifenwagen abfahren können, sei dabei aber durch Tritte an mehreren Stellen schwer beschädigt worden.  

In der Folge habe ein aggressiver Versammlungsteilnehmer, der einige Minuten zuvor bereits wegen Missachtung der Maskentragepflicht beamtshandelt worden sei, einen Polizeibeamten mit Gewalt zur Seite gestoßen. Gegen die daraufhin ausgesprochene Verhaftung habe der Mann Widerstand geleistet, indem er versuchte, einem Polizeibeamten den Einsatzstock zu entreißen und - schon im Streifenwagen - die Beamten durch Bisse zu verletzen.

Auch während dieser Amtshandlung hätten andere Teilnehmer - laut Mitteilung der Polizei - lautstark und aggressiv, die Festnahme und den Transport zu verhindern versucht. Dabei sei ein weiterer Streifenwagen beschädigt worden.

Marsch durch Siedlungsgebiete

Die Kundgebungsteilnehmer marschierten im Anschluss noch bis 20 Uhr durch St. Peterer Siedlungsgebiete, dann löste sich die Versammlung auf.

Die verhaftete Frau wurde nach Feststellung ihrer Identität wieder freigelassen. Der verhaftete Mann, ein 51-Jähriger, aus dem Bezirk Steyr-Land wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft St. Pölten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt auf freiem Fuß angezeigt.

Laut Angaben der Polizei dürfte der Großteil der Versammlungsteilnehmer ortsfremd gewesen sein. Viele reisten offenbar aus OÖ an. „Einige dieser ,Spaziergänger‘ sind offensichtlich gewaltbereit, reagieren bei Anhaltungen sehr bestimmend und verhalten sich der Exekutive gegenüber aggressiv und ablehnend. Weitere Eskalationen konnten von den Polizeibeamten nur mit größter Mühe und maßhaltendem Einschreiten verhindert werden“ heißt es in der Aussendung der Landespolizeidirektion.

Sieben Personen wurden angezeigt, weil sie keine Schutzmaske trugen, weitere vier wegen aggressiven Verhaltens. Erhebungen hinsichtlich der schweren Beschädigungen zweier Streifenwägen werden von der Polizeiinspektion St. Peter in der Au geführt.

Besonders befremdlich war für die Polizisten vor Ort ein Schriftzug, der am Ende der Versammlung auf das Schloss St. Peter projiziert wurde und die Beamten in die Nähe von Nazi-Schergen rückte:

‚Wir befolgen Befehle:

1945 KZ Aufseher

1990 Mauerbewachen

2021 Polizisten‘

„Das ist bis dato noch nicht dagewesen. Die Polizei distanziert sich auf das Entschiedenste gegen diese Form von Verunglimpfung. Ermittlung des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung wurden in dieser Causa eingeleitet“, heißt es in der Aussendung der Landespolizeidirektion.

Wenig Verständnis

St. Peters Bürgermeister Johannes Heuras betont, dass die Versammlungsfreiheit für ihn ein hohes und wichtiges Gut sei. „Die St. Peterer Bevölkerung hat aber wenig Verständnis dafür, wenn derartige Versammlungen anstatt vor dem Gesundheitsministerium oder Bundeskanzleramt in Wien, in ihren Siedlungsstraßen stattfinden, besonders wenn es dabei auch noch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt.“

Aus St. Peter selbst dürften nur wenige Bürger am „Spaziergang“ teilgenommen haben. Mit dabei war, wie auch am Video ersichtlich auf jeden Fall St. Peters FPÖ-Fraktionsvorsitzender Johann Egger-Richter.

Werbung