Auch anstaltsintern wurde gemordet. Historiker präsentiert neue Erkenntnisse über „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer in der NS-Zeit.

Erstellt am 24. September 2018 (11:41)
Dr. Philipp Mettauer

Im Rahmen des Sparkling-Science-Projekts „Geschlossene Anstalt? Die „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer-Öhling in der NS-Zeit und im kollektiven Gedächtnis“ präsentiert Historiker Philipp Mettauer am Donnerstag, 27. September, um 19 Uhr im Rathaussaal neueste Erkenntnisse zur Anstalt Mauer-Öhling im Dritten Reich, die aus bisher unausgewerteten Archivbeständen am Institut für jüdische Geschichte gewonnen wurden. Die „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer-Öhling war die drittgrößte Klinik der „Ostmark“, die im nationalsozialistischen System an der Ermordung von Psychiatrie-Patientinnen und -Patienten beteiligt war. Nach den „Todestransporten“ der Jahre 1940/41 bzw. 1943 nach Niedernhart, Hartheim und Gugging, bei denen insgesamt 1.600 Personen ums Leben kamen, wurde anstaltsintern weiter gemordet. Aber nicht nur die als „Endzeitverbrechen“ zu wertenden Mordaktionen des Dr. Emil Gelny unter Beihilfe des Anstaltspersonals, denen im November 1944 und April 1945 nochmals rund 200 Menschen zum Opfer fielen, ließ die Sterberate drastisch ansteigen, schon zuvor hatten sich die Todesfälle dermaßen gehäuft, dass der überfüllte Anstaltsfriedhof erweitert werden musste.