Denkmal für NS-Opfer enthüllt. Rund 2.380 Patienten der damaligen "Heil- und Pflegeanstalt" Mauer-Öhling wurden in der Nazizeit ermordet. Rund 1.300 wurden nach Hartheim deportiert, 320 nach Gugging und anderswo. 760 Personen wurden direkt in Mauer ermordet.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 09. Mai 2019 (12:20)

Im Rahmen eines Festaktes wurde am 8. Mai im Landesklinikum Mauer ein Mahnmal enthüllt, das an die Opfer der NS-„Euthanasie“ in der damaligen "Heil- und Pflegeanstalt" erinnern soll.

Mindestens 30.000 Menschen wurden während der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich als „unwertes Leben“ qualifiziert und im Rahmen der NS-„Euthanasie“ ermordet. Opfer wurden sowohl Erwachsene als auch Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung, psychisch Kranke, nicht mehr arbeitsfähige KZ-Häftlinge bzw. Zwangsarbeiter. 

Allein im Friedhofsbereich des Landesklinikums wurden mehrere hunderte Patienten begraben, die in der NS-Zeit von Anstaltsärzten und Pflegepersonal getötet wurden. Nachforschungen des Instituts für jüdische Geschichte haben ergeben, das rund 1.300 Menschen nach Hartheim deportiert und dort getötet wurden, 320 nach Gugging und anderswo. 760 Personen wurden direkt in Mauer ermordet ,durch Injektionen, Überdosierung von Medikamenten oder Vernachlässigung.

Namen ins Totenbuch eingetragen

Das Friedhofsareal musste vergrößert werden, bis zu neun Tote wurden jeweils gemeinsam in einem Grab beerdigt. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die bestehenden Grabnummern entfernt. Der erweiterte Teil des Anstaltsfriedhofs wurde aufgelassen und mit Bäumen bepflanzt, um Gras über die Vergangenheit wachsen zu lassen.  

Im Landesarchiv St. Pölten lagern die Krankenakten der Anstalt, die in den letzten Jahren inventarisiert und aufgearbeitet wurde. So konnten die Namen vieler Opfer dem Vergessen entrissen werden. Ihre Existenzen wurden ausgelöscht, ihre Krankenakten jedoch archiviert und ihre Namen ins Totenbuch eingetragen. 

„Mit der Errichtung dieses Mahnmals wird den Opfern gedacht. Ein Gedenken, das nie abstumpfen oder über das nie mehr Gras wachsen darf. Ein Gedenken, das immer wach und hell bleiben“, sagte der zweite Präsident des NÖ Landtages, Gerhard Karner, bei der Denkmalenthüllung.

"Ort, um aus der Geschichte zu lernen"

Das Kunstwerk, von Florian Nährer geschaffen, ist etwa vier Meter hoch und besteht aus in sich fest verbundenen alten und entsorgten Grabsteinen. Es soll an die Jakobsleiter (Altes Testament – Genesis 28.10) erinnern.  

„Die heutige Generation hat keine Schuld an den Geschehnissen während der NS-Zeit, trägt aber die Verantwortung eine Wiederholung zu verhindern. Durch das Mahnmal entsteht im Landesklinikum Mauer ein Ort, an dem man den Opfern der NS-„Euthanasie“ gedenken kann, aber auch ein Lernort um aus der Geschichte zu lernen. Hier wird jeder Einzelne an die Verpflichtung erinnert, sich entschieden gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus zu stellen. Das verstehe ich unter Pflichterfüllung“, betont der Ärztliche Direktor Prim. Dr. Christian Korbel.

Mehr über die Denkmal-Enthüllung und über die Geschehnisse in der Anstalt Mauer in der Nazi-Zeit lest ihr in eurer nächsten NÖN-Ausgabe.