Ortsvorsteher Scherscher: „Orts-Belebung hat Vorrang“. Manuel Scherscher (VP) über seine neue Aufgabe als Ortsvorsteher, anstehende Projekte und die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 10. März 2020 (03:56)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
manuel scherscher mauer
Ortsvorsteher Manuel Scherscher: „Will für die Bürger da sein.“
Knapp

Manuel Scherscher: Die Stimmung ist sehr hoffnungsvoll und ich bin gut in dieser Funktion angekommen. Wir setzen auch schon erste Signale. Zum Beispiel wird der Bauhof an den Ortseinfahrten und in den Verkehrsinseln, dort wo Publikumsstrom ist, Frühlingsblumen setzen – ein erstes Zeichen dafür, dass Mauer aufblüht.

Im Vorjahr wurde der Dorferneuerungsprozess gestartet. Wie wird es damit weitergehen?

Scherscher: Ich hatte bereits ein erstes Treffen mit dem Dorferneuerungsverein, denn es ist mir wichtig, die Prozesse, die gestartet wurden, am Laufen zu halten. Mit der Umfrage in Mauer gab es im Herbst ja einen Super-Startschuss und man hat damit auch die Themen eingesammelt, wo die Leute der Schuh drückt. Am 31. März wird es das zweite Dorfgespräch geben. Da wollen wir die Weichen stellen für die kommenden vier Jahre und auch festlegen, wer was macht, denn es gibt Themen, die die Gemeinde, und Themen, die den Dorferneuerungsverein betreffen. Wichtig ist, dass wir uns einen Fahrplan erstellen, wann was geschehen soll.

Welche Projekte sind für Sie besonders wichtig?

Scherscher: Vorrang hat natürlich die Belebung des Ortes, die Lösung der Verkehrsprobleme und die Gestaltung des Hauptplatzes, wobei ich damit das zentrale Gebiet von Mauer meine, also auch die Hauptstraße. Wir hatten hier bereits eine erste Begehung, gemeinsam mit den Mitgliedern des Dorferneuerungsvereines, denn gerade hier ist mir die Bürgerbeteiligung wichtig. Gemeinsam mit Gemeinderat Michael Hülmbauer habe ich an meinem ersten Amtstag auch alle Gewerbetreibenden besucht und da haben schon viele gesagt, dass es ein Nachteil für sie ist, dass die Bank zugemacht hat, weil dadurch weniger Leute ins Zentrum kommen. Was es braucht, sind mehr Frequenzbringer, weshalb wir Mauer auch besser an das Radewegenetz einbinden wollen. Wir wollen beim Thema Hauptplatz auf keinen Fall eine Hauruck-Aktion machen. Wir werden uns Zeit nehmen, festzulegen, was wir wollen, und uns dann von Architekten Vorschläge machen lassen, wie man das am besten umsetzen könnte und was wir uns leisten können.

Früher, als ich Kind war, haben alle Veranstaltungen am Hauptplatz stattgefunden, da war Leben im Ort und da wollen wir wieder hin.

Der Verkehr ist auch ein Thema in Mauer. Es gibt da offenbar verschiedene Brennpunkte.

Scherscher: Auch dieser Probleme will ich mich annehmen. Im Bereich des alten Sportplatzes sind viele neue Wohnungen entstanden und die Bewohner nutzen nun andere Wege zur Arbeit, was dazu führt, dass der Verkehr in der Sportplatz- und der Eichenstraße zugenommen hat. Für die Alteingesessenen dort ist das eine ungewohnte Situation. Da brauchen wir ebenso eine Verkehrsberuhigung wie bei den Ortseinfahrten in der Am stettner und der Hausmeninger Straße.

Ein großes Thema im Ort ist die ärztliche Versorgung. Thema Gesundheit: Wann wird es wieder einen praktischen Arzt geben?

Scherscher: Ich habe kürzlich die neue Ordination besichtigt, die sehr schön und hell geworden ist. Die Stadt hat da rund 200.000 Euro investiert, aber bei der Gesundheit darf man nicht auf jeden Cent schauen. Mit 1. April wird im Rahmen der Landarztgarantie ein Arzt zweimal fünf Stunden in der Woche dort praktizieren. Er will auch da bleiben und sich später federführend in das geplante Gesundheitszentrum einbringen.

Kommen wir zur Nahversorgung. Spar will ja einen neuen Markt errichten und schwankt da zwischen den Standorten Mauer und Öhling. Wie stehen Sie dazu?

Scherscher: In Wirklichkeit ist es kein großes Drama, ob der Markt nun auf der einen oder der anderen Seite der Url steht. Denn auch wenn wir verwaltungstechnisch zu Amstetten gehören, haben Mauer und Öhling doch ein enges soziales Zusammenleben. Ob sie jetzt zum Beispiel in die Amstettner Straße zum Spar fahren, oder über die Url, macht für die Leute sicher keinen großen Unterschied. Wichtig ist, dass der Nahversorger erhalten bleibt. Die Url trennt uns in Wahrheit ja nicht und ich möchte weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit Öhling und Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer pflegen.

Das bringt uns zum Thema Mittelschule. Viele Kinder aus Öhling gehen nach Aschbach, anstatt nach Mauer. Sehen Sie da Handlungsbedarf?

Scherscher: Die Schule ist natürlich ein wichtiger Punkt und wir müssen sie entsprechend attraktiv gestalten, damit möglichst viele Kinder dort ihre Ausbildung absolvieren. Da braucht es Fingerspitzengefühl und Kooperation mit allen Beteiligten. Dass bei einem Bau aus den 80er-Jahren immer wieder etwas zu tun ist, ist klar. Aber die Schule ist baulich nicht so schlecht, wie immer wieder behauptet wird.

In Hausmening soll nun der Stadtsaal saniert werden. In Mauer gibt es keinen Saal und auch kein Gasthaus. Die Befragung zeigte, dass die Bürger das als großes Manko sehen.

Scherscher: Ob es ein Gasthaus gibt oder nicht, bestimmt letztlich die Privatwirtschaft. Wir als Gemeinde können nur das Ortsleben so gestalten, dass es für einen Gastwirt wieder interessant wird, sich hier anzusiedeln. Und da sehe ich schon großes Potenzial. Wir haben uns ja für die Landesausstellung im Jahr 2026 beworben, wir werden ein Gesundheitszentrum errichten, wir planen junges und betreutes Wohnen und es soll auch eine Fachhochschule nach Mauer kommen. Da gibt es künftig also sehr viele potenzielle Gäste für ein Gasthaus oder ein Café.

Wie sehen Sie das Vereinsleben im Ort?

Scherscher: Es gibt viele aktive Vereine und ich habe sie auch schon zu einem ersten Vereinsforum eingeladen. Dabei ging es um die Frage, wie wir gemeinsam das Ortsleben ankurbeln können und vor allem auch um eine Koordination der Termine, damit es da nicht zu Überschneidungen kommt.

Wir haben viel über Mauer gesprochen. Sie wohnen ja selbst in Greinsfurth. Was sind dort drängende Aufgaben oder Probleme? Scherscher: Der große Schwerpunkt dort ist für mich der Verkehr. Vor allem jugendliche Kinobesucher fühlen sich offenbar am Abend versucht, in der Waidhofner Straße auf’s Gas zu steigen. Da müssen wir uns Maßnahmen dagegen einfallen lassen. Ich bin immer dafür, mit den gelindesten Mitteln anzufangen, das heißt Geschwindigkeitsmessungen und dann visuelle oder auch bauliche Maßnahmen, die zur Temporeduktion führen.

Wie zeitintensiv ist die Aufgabe als Ortsvorsteher? Lässt sie sich mit ihrem Job als Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität beim Bundeskriminalamt vereinbaren?

Scherscher: Ich bin da noch in der Findungsphase. Auf jeden Fall werde ich mich aber so aufstellen, dass ich für die Mauringer und Greinsfurther optimal da sein kann. Sprechstunde ist jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr.