Planungsprozess für Kliniken angelaufen

Betriebstrat stemmt sich gegen Absiedlung der Neurologie. LGA will neues Konzept für Gesundheitsregion.

Hermann Knapp
Hermann Knapp Erstellt am 26. August 2020 | 05:10
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Die Betriebsräte Wolfgang Schoder, Bibiana Suda und David Kalteis haben schon 22.000 Unterschriften gegen die Absiedlung der Neurologie gesammelt.
Foto: privat

Noch immer läuft die Unterschriftenaktion des Betriebsrates des Landesklinikums Mauer gegen die geplante Absiedlung der Neurologie nach Amstetten und Melk.

22.000 Menschen aus der Region haben sich mit der Petition inzwischen gegen diese Pläne ausgesprochen. Für den Betriebsrat wird es daher nun Zeit, sie den politisch Verantwortlichen zu überreichen. „Wir haben bereits beim Büro von VP-Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf angefragt. Noch gibt es aber keinen Termin“, sagt Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder (FCG). Während sich SP-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig diese Woche mit einer Stellungnahme zu Wort meldet (anbei), hält sich Pernkopf, zu dessen Ressort die Landeskliniken ja gehören, nach wie vor bedeckt. Um eine Reaktion zu erreichen, hat der Betriebsrat ihm nun neun Fragen zum Landesklinikum Mauer geschickt.

Wissen will man natürlich, warum eigentlich die Neurologie, im Besonderen die C-Rehabilitation, nicht im Landesklinikum Mauer verbleiben könne. Außerdem fragt der Betriebsrat, ob noch weitere Bereiche aus Mauer abgesiedelt werden sollen und welche alternative Möglichkeiten für den Standort künftig angedacht sind.

Planungsprozess für das ganze Mostviertel

Eine Antwort auf diese Fragen, kann wohl nur die Landesgesundheitsagentur geben.

Auf Anfrage der NÖN erklärt man dort, dass ein Planungsprozess für das ganze Mostviertel in Gang gesetzt worden sei. Es gehe nicht allein um das Landesklinikum Mauer, sondern um die gesamte Gesundheitsregion. „Zunächst erfolgt eine detaillierte Erhebung des Ist-Stands. Dabei wird die Ausgangslage so umfassend und exakt wie möglich erarbeitet. Der Startschuss und erste Schritte sind im Rahmen eines Workshops mit Vertretern von LGA, der Gesundheit Mostviertel GmbH und der Gesundheitsbetriebe des Mostviertels schon erfolgt“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Anhand aktueller medizinischer Kennzahlen (Versorgungsgrad, Patientenströme, Leistungsdaten, etc.), etablierter Qualitätsindikatoren, Kostenrechnungen und nicht zuletzt Notwendigkeiten aufgrund des Regionalen Strukturplans Gesundheit (RSG) werde für das Mostviertel ein Soll-Stand entworfen, der dann festlege, wo das Angebot, welcher Leistungen, in welchem Ausmaß sinnvoll sei.

„Danach wird eine Zeitschiene erarbeitet, die vorgibt, in welchem Zeitraum welche Maßnahmen in der Gesundheitsregion Mostviertel und vor allem in einzelnen Kliniken gesetzt werden. Getragen wird der Prozess in erster Linie über die Kollegialen Führungen der Kliniken, die – mit Unterstützung ihrer Belegschaft – damit federführend an den Planungen beteiligt sind“, verlautet die LGA. Bei sämtlichen Schritten stehe die Gesundheisagentur mit ihren Geschäftsführungen den Kollegialen Führungen der Spitäler unterstützend zur Seite. „Zentrales Anliegen bleibt, die beste Gesundheitsversorgung für die Menschen im Mostviertel sicherzustellen“, wird versichert.

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder betont, dass sich in Mauer niemand grundsätzlich gegen eine Veränderung und Verbesserung des Gesundheitswesens stemme. „Allerdings hätte man diesen Prozess durchführen sollen, bevor man mit der Nachricht hinausgeht, dass die Neurologie aus Mauer abgezogen wird. Denn die fachliche Begründung dafür steht nach wie vor aus“, kritisiert er. Auch wenn die LGA versichere, dass niemand seinen Job verlieren werde, sei die Verunsicherung der Belegschaft groß. „Erst kürzlich hat mir eine Mitarbeiterin gesagt, dass sie sich darum sorge, wo sie in zwei Jahren arbeiten und was das für ihre Lebensqualität bedeuten werde. Es macht einen Unterschied, ob man von zu Hause zehn Minuten nach Mauer zum Arbeitsplatz fährt, oder 45 Minuten nach Melk.“