Polit-Debatte zu fehlendem Kinderarzt in Amstetten

Erstellt am 01. Juni 2022 | 03:23
Lesezeit: 3 Min
hochstrasser gieber
Links: Gesundheitsstadträtin Beate Hochstrasser; rechts: Neos-Gemeindesprecher Daniel Gieber.
Foto: SPÖ/Neos
Neos wollen Anreize für unbesetzte Stelle. ÖVP verweist auf Anstrengungen, SPÖ sieht Land und Krankenkasse gefordert.
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Seit 1. 1. 2020 ist die offene Kinderarzt-Stelle, die zuvor von Dr. Albin Mischkounig besetzt war, vakant. Neos-Gemeindesprecher Daniel Gieber fordert nun von der Gemeinde neue Anreize, um die freie Stelle besetzen zu können. Seither werde die „heiße Kartoffel“ nämlich zwischen Gemeinde, Land Niederösterreich und ÖGK herumgeschoben. „Viele Kinder können nicht mehr kassenärztlich und vor allem nicht mehr altersgerecht versorgt werden. Eltern müssen je nach Region oft lange Wege in Kauf nehmen, um einen Termin bei einer kinderkassenärztlichen Praxis zu bekommen“, erklärt Gieber.

Neos-Landtagsabgeordnete Edith Kollermann verweist in einer Aussendung darauf, dass die Verantwortung für den Vertragsärztemangel in der niedergelassenen Kinder- und Jugendheilkunde nicht allein bei ÖGK und Ärztekammer liege und nimmt auch das Land in die Pflicht. „Wer den Gemeinden zur Finanzierung der Spitäler immer mehr Geld abknöpft, darf sich nicht wundern, wenn die Gemeinden immer weniger Spielraum für eigene Anreize haben“, formuliert sie.

„Arbeiten an bestmöglichen Voraussetzungen“

Vizebürgermeister Markus Brandstetter unterstreicht, dass die Stadtgemeinde daran arbeite, „bestmögliche Voraussetzungen für eine Ansiedlung von Ärzten jeglichen Fachbereichs zu schaffen. Das betrifft zum Beispiel die Bereitstellung von Räumlichkeiten oder aktuell die Errichtung eines Primärversorgungszentrums in Mauer. Die Suche nach Ärzten und die Besetzung von Kassenstellen sind für alle Beteiligten herausfordernd, daher arbeiten wir mit allen Beteiligten an Lösungen.“ Er lädt die Neos-Funktionäre ein, ihnen bekannte Ärzte, die sich in Amstetten ansiedeln möchten, zu melden, um „schnellstmöglich Nägel mit Köpfen zu machen.“

SPÖ-Gesundheitsstadträtin Beate Hochstrasser erklärt, dass sie im Ausschuss das Thema aufgegriffen und die Rathausmehrheit dazu aufgefordert habe, „hier Geld in die Hand zu nehmen, um finanzielle Anreize für mögliche Kassenfachärzte in Amstetten zu schaffen.“ Neben dem Kinderkassenarzt sei ja auch eine Hautfacharzt-Kassenstelle derzeit unbesetzt. „Leider ist es im Moment allerdings so, dass die derzeitige Rathausmehrheit andere Prioritäten setzt, Geld für Feierlichkeiten und weitere Inszenierungen ausgibt und daher Geld für wichtige Investitionen fehlt“, kritisiert Hochstrasser.

Sie erklärt aber auch, dass dieses Thema nicht auf kommunaler Ebene zu lösen ist. „Deswegen braucht es hier eine umfassende Lösung. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Landarztgarantie auf Fachärzte ausgeweitet wird, so könnte man von Seiten des Landes und der ÖGK eine bestmögliche Gesundheitsversorgung koordinieren“, führt Hochstrasser aus. Dazu habe sie bereits mit den Verantwortlichen Kontakt aufgenommen, die sich dieser Idee gegenüber durchaus aufgeschlossen gezeigt hätten.

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