„Mir ging es nie besser“

Erstellt am 02. April 2013 | 00:00
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 146361
Foto: NOEN
Fit mit 102 Jahren / Leopold Kriegbaum geht noch jeden Tag ins Kaffeehaus. Zu seinem
täglichen Programm gehören viel Bewegung, Sprechübungen und Radio hören.
Werbung
Von Julia Edermayr

ST. PETER / 102 Lenze zählt das Leben von Leopold Kriegbaum. Er empfängt am Kaffeetisch mit herzlichem Lachen und festem Händedruck. Leopold Kriegbaum ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Alter eben doch nur eine Zahl ist. Anziehen, Waschen, all das macht der 102-Jährige noch selber. Auch beim Essen gibt es keine Probleme. „Ich schaue schon was ich esse, ich habe ja keinen Kräfteverbrauch mehr, wenn ich zu viel esse, wächst nur der Bauch und dann würden meine Füße mich nicht mehr tragen.“ Jeden Tag geht er noch spazieren und ins Kaffeehaus. Mit dabei ist immer seine Pflegerin Erika. „Wenn ich hinfall, komme ich nicht mehr auf.“

Leopold Kriegbaum, Hauptschuldirektor in Ruhe, achtete zeit seines Lebens auf (seine) Disziplin. Auch heute ist alles streng strukturiert. Um sechs steht er auf, um 7.15 Uhr kommt er fertig angezogen zum Frühstück. Danach gibt es einen Spaziergang, Mittagessen und ein Mittagsschläfchen. Dazwischen und danach macht Kriegbaum Bewegungsübungen, Massagen und trainiert seine Sprachfertigkeit. „Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“, sitzt perfekt. Um 18 Uhr geht Leopold Kriegbaum zu Bett, um Mitternacht wacht er auf, um zwei Stunden Radio zu hören. „Ö1 und Radio Maria, Vorträge, das mag ich gern“, sagt Kriegbaum. Danach schläft er bis zum Morgen.

Lesen, Kultur und Theater sind für Kriegbaum stete Begleiter. Er spielte auch Geige im Kirchenchor und bei einem Bruckner-Liebhaberorchester. 1970 gründete er in St. Peter die Musikschule. „Es ist schon angenehm so alt zu werden, wenn man gesund ist“, sagt der 102-Jährige. Vor zehn Jahren hatte er eine Operation an der Prostata aber das war es mit den längeren Krankenhausaufenthalten.

Mit 100 wurde der graue Star operiert. Damals war er der Älteste, den der Arzt je operiert hatte. Bis vor zwei Jahren hat der ehemalige Lehrer auch noch dicke Bücher gelesen, aber heute macht das Halten Schwierigkeiten und die Augen werden zunehmend schlechter. Eine Operation stellen die Ärzte Kriegbaum nicht mehr in Aussicht. „Ich bin eben über der Zeit.“ Die Tageszeitung gehört noch zur täglichen Lektüre.

Geboren und aufgewachsen ist Leopold Kriegbaum im Weinviertel. Nach der Matura war er zuerst Inkassant und wurde später Lehrer. 1942 heiratete Kriegbaum Anna Christon, eine Lehrerin, die er bei einer Fortbildung kennengelernt hatte. Sohn Gerhard wurde 1947 geboren. Seine Lehrtätigkeit begann er 1934 in Rosenau am Sonntagberg, war unter anderem in Strengberg, Amstetten und Aschbach tätig, ehe er 1949 nach St. Peter kam. Im Krieg kam er aufgrund seines schlechten Gehörs zu den Landesschützen. „Sonst wäre ich vermutlich heute nicht mehr da“, sagt Kriegbaum. Später wurde er Direktor, letzte Station war in St. Peter, wo er für sich und seine Familie ein Haus baute, in dem er heute noch lebt. Seine Frau verstarb 1988. Viele Jahre war er auf sich selbst gestellt.

Besonders der Garten war ein Jungbrunnen für ihn, wie er selbst sagt. 25 verschiedene Apfelsorten züchtete er selbst. „Ich war immer sehr fleißig in meinem Leben, aber so gut wie jetzt ist es mir nie gegangen“, sagt Kriegbaum. Er lacht: „Das Einzige, was ich noch tun muss, ist, gut essen, gut trinken und gut schlafen.“

Werbung