Mehrwegflaschen sind zurück bei Berglandmilch. Rund 20 Jahre lang gab es Milch nur in Verbundverpackungen, seit dieser Woche steht sie nun aber aber wieder in Mehrwegflaschen im Supermarkt-Regal. Österreichs größte Molkerei Berglandmilch in Aschbach hat diese Woche eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Vorerst sollen jährlich rund 17 Millionen Liter Milch in Mehrwegflaschen abgefüllt werden, das Ziel sind aber 34 bis 40 Millionen. Das hängt vom Konsumenten ab.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. Februar 2020 (13:11)
Präsentierten die neue Mehrweg-Milchflasche und ihre Vorteile für die Umwelt (von links): Berglandmilchgeschäftsführer Josef Braunshofer, Greenpeace-Österreich-Geschäftsführer Alexander Egit, Greenpeace-Konsum-Expertin Lisa Panhuber und Christian Pladerer, Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts.
Hermann Knapp

"Wir haben 2018 in Wörgl begonnen Milch in Einwegflaschen abzufüllen und waren von der Nachfrage positiv überrascht. Gemeinsam mit Greenpeace haben wir dann entschieden, den nächsten Schritt zu gehen", berichtet Bergland-Geschäftsführer Josef Braunshofer. Dieser Tage feiert daher die Mehrwegmilchflasche ihr Comeback in Österreich.

Weniger als ein Jahr hat es gedauert in Aschbach um rund acht Millionen Euro eine Abfüll- und Waschanlage zu errichten. Neben der eigenen Schärdinger Berghof Milch und der Tirol Milch füllt die Molkerei dort künftig auch Biomilch für ihre Handelspartner REWE und Spar in Mehrwegflaschen ab. Und das soll nur der Anfang sein: Weitere Mehrwegprodukte sind in Planung, eine Halbliterflasche, eine Leichtmilchmehrwegflasche und auch Joghurt in Mehrweggläsern. 

Die neue Abfüll- und Waschanlage für Mehrwegflaschen läuft seit dieser Woche in Aschbach bereits auf vollen Touren.
Hermann Knapp

Die Mehrwegflasche kann bis zu 15 Mal wieder befüllt werden und soll damit von der Ökobilanz her jedes Einweggebinde deutlich in den Schatten stellen. Die Handhabung für den Konsumenten ist einfach. "Nachdem die Flasche leer ist, kurz ausspülen und Deckel drauf um beim Rücktransport zur Molkerei das Gewinde zu schützen. Im Supermarkt können die Flaschen beim Automaten retourniert werden", erklärt Braunshofer. Pro Milchflasche wird im Supermarkt ein Pfand von 22 Cent erhoben. 

Um die Transportwege der Flaschen kurz zu halten, will die Berglandmilch auch in Wörgl eine Abfüllanlage installieren. Keine Frage ist, dass jene in Aschbach "auf dem letzten Stand der Technik ist und der Wasser- und Laugenverbrauch optimiert sind", sagt Braunshofer. "Wir wollen mit diesem System dazu beitragen, dass unsere Umwelt erhalten bleibt und reduzieren damit das Verpackungsmaterial enorm." 

Lob bekommt Berglandmilch von Greenpeace-Österreich-Geschäftsführer Alexander Egit. "Wir freuen uns, dass ein Unternehmen wie Berglandmilch nicht auf gesetzliche Regelungen wartet, sondern selbst seine Verantwortung für die Umwelt ernst nimmt und wir hoffen, dass andere Firmen, diesem Beispiel folgen werden. "Durch die Mehrwegverpackungen schrumpfen die Müllberge und vor allem die Belastung unserer Umwelt durch Plastik."

Rein auf den guten Willen der Betriebe will man sich bei Greenpeace allerdings nicht verlassen, sondern man fordert auch von der Politik Maßnahmen. Die Bundesregierung hat sich im Arbeitsprogramm auch tatsächlich das Ziel gesetzt, Mehrwegsysteme auszubauen und Plastikverpackungen bis 2026 um 20 Prozent zu reduzieren. Christian Pladerer, Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts glaubt allerdings, "dass es dafür der Einführung eines Pfandsystems für Einweggebinde in Verbindung mit einer gesetzlichen Regelung für Mehrwegsysteme brauchen wird."

Detail am Rande: In Aschbach hat man sogar eine eigene Besuchergalerie errichtet, von der aus die neue Abfüllanlage bewundert werden kann. Vor allem Schulklassen will man künftig dazu einladen.