Erstochene 40-Jährige: Ehemann verweigert Kommunikation. Da der beschuldigte Ehemann (37) im Fall der getöteten 40-Jährigen in Greinsfurth (Gemeinde Amstetten) jegliche Kommunikation mit den ermittelnden Beamten des Landeskriminalamtes verweigert, wird bei der gestrigen Bluttat auf Grund des Tatablaufs aktuell von einer reinen Beziehungstat ausgegangen. Das gab die Polizei am Mittwoch bekannt.

Von Hermann Knapp und Redaktion noen.at. Erstellt am 09. Januar 2019 (10:54)
APA/Paul Plutsch

Gegen den 37-Jährigen wurden in den letzten Monaten aufgrund seiner „Bekehrungsversuche“ bei der Behörde über 30 Anzeigen wegen Ordnungsstörung erlassen. Derartige Verstöße werden mit einer Geldstrafe geahndet, strafrechtlich sind sie nicht relevant.

Verfassungsschutz schon im Juli von Anrainer informiert

Ein Anrainer hat auch schon im Juli des Vorjahres den Verfassungsschutz auf den Mann aufmerksam gemacht.

Dazu Polizeisprecher Johann Baumschlager: „Der 37-Jährige wurde vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ordnungsgemäß im Rahmen der rechtlichen Vorgaben überprüft.“

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Der Beschuldigte habe seinen Glauben "sehr fundamentalistisch" ausgeübt, teilte die Polizei mit. Er habe versucht, andere Personen von seinem Bekenntnis zu überzeugen und ihnen die Konvertierung zum Islam nahegelegt. "Dies erfolgte jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei nicht in aggressiver Form und stets ohne Anwendung von Gewalt", wurde betont. Die Exekutive sei jedoch "konsequent gegen sein Verhalten eingeschritten, dies zeigt auch, dass der Beschuldigte mehrfach wegen Ordnungsstörungen angezeigt wurde".

Über frühere Gewalttaten an seiner Ehefrau oder an seinen Kindern lagen der Polizei keine Informationen vor. Der 37-Jährige wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert.

Das Verbrechen an der vierfachen Mutter war in bzw. vor einem Mehrparteienhaus in Greinsfurth verübt worden (wir hatten berichtet, siehe hier und unten). Nach der Alarmierung der Einsatzkräfte am frühen Dienstagnachmittag rückten auch das Einsatzkommando Cobra und die Verhandlungsgruppe der Polizei aus. Der 37-Jährige hatte sich in seine Wohnung zurückgezogen. Dort wurde er etwa zwei Stunden nach der Bluttat festgenommen.

Die Frau erlag im Landesklinikum Amstetten den schweren Stichverletzungen, die ihr zugefügt worden waren. "Aufgrund des Tatablaufes" ging die Polizei am Mittwoch "von einer reinen Beziehungstat" aus, hieß es in einer Presseaussendung ohne nähere Angaben dazu zu machen.

Drei Kinder wurden Zeugen der Tat

Nach Polizeiangaben wurden drei Kinder des Paares - neun und fünf Jahre sowie 15 Monate alt - Zeugen der Bluttat. Ein 18-Jähriger wohnte nicht mehr bei den Eltern. Der Beschuldigte soll in der Küche der Erdgeschoßwohnung ebenso wie vor dem Haus auf seine Frau (40) eingestochen haben. Das Messer wurde von der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Niederösterreich sichergestellt.

Polizeisprecher Johann Baumschlager betonte am Mittwoch auf Anfrage, dass der Verfassungsschutz den 37-Jährigen "im Fokus" und "durchleuchtet" gehabt hätte. Der Mann sei als "islamistischer Fundamentalist" anzusehen. Es sei jedoch "kein strafrechtlich relevanter Tatbestand festgestellt" worden.

Gegen den 37-Jährigen seien seit Sommer 2018 freilich mehr als 30 Anzeigen an die Bezirkshauptmannschaft wegen Ordnungsstörung erstattet worden, sagte Baumschlager. Der Mann habe in Geschäften und Lokalen ebenso wie zuletzt auf dem Weihnachtsmarkt andere Menschen "bekehren" wollen. Er sei dabei aber weder aggressiv gewesen, noch habe er Gewalt ausgeübt.

Baumschlager unterstrich, dass der Beschuldigte bei der Polizei "kein Wort gesprochen" habe. Der Sprecher teilte zudem mit, dass eine Obduktion des Opfers angeordnet wurde.