Schulterschluss für Landesausstellung 2023 perfekt. Alle 31 Moststraßengemeinden stehen hinter der Bewerbung. Inhaltlich soll es um die Geschichte der Psychiatrie, aber auch um Probleme der Jetztzeit gehen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 28. November 2017 (05:17)
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Landesausstellung 2023 Schulterschluss perfekt
Bürgermeister, Touristiker und Vertreter von ÖBB und Landeskliniken-Holding fanden sich Freitagfrüh in Amstetten zum gemeinsamen Foto ein, mit dem sie ihre Unterstützung für die Bewerbung der Region um die Landesausstellung im Jahr 2023 dokumentieren. Foto: Hermann Knapp
Hermann Knapp

Nun ist es amtlich: Alle 31 Moststraßengemeinden haben den Beschluss gefasst, sich ideell und auch ein wenig finanziell bei der Landesaustellung 2023 einzubringen. „Damit stehen mehr als 100.000 Bürger in der Region hinter unserer Bewerbung und das ist ein Zeichen, das man im Land sicher nicht übersehen kann“, freut sich Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer.

Landesklinikum biete einen besonderen Anreiz

Am 13. Dezember wird eine Delegation aus dem Mostviertel die Bewerbung offiziell in St. Pölten abgeben.

Die Ausstellung soll ja an zwei Standorten in der Gemeinde Amstetten stattfinden: im Klinikum Mauer und in der Remise am Bahnhofsgelände.

Das Landesklinikum bietet natürlich allein schon mit seinem einmaligen Jugendstilensemble einen besonderen Anreiz. Inhaltlich wird es aber um viel mehr gehen. „Wir wollen natürlich auch die Geschichte der Psychiatrie darstellen. Es gab ja eine Zeit, in der man Menschen mit psychischen Erkrankungen weggesperrt hat. Wenn man verstehen will, warum das so war, muss man natürlich auch den sozialen Kontext aufzeigen“, sagt Landeskliniken-Regionalmanager Andreas Krauter.

Stehende Ausstellung über die Nazi-Zeit

Aufgearbeitet werden sollen natürlich auch die Ereignisse in Mauer während der Herrschaft der Nationalsozialisten. Es seien da, so Krauter, schreckliche Dinge passiert und die müssten aufgezeigt und ausgeräumt werden. „Es ist deshalb auch geplant, zu diesem Thema eine bleibende Ausstellung in einem Pavillon einzurichten.“ Man wolle auf Augenhöhe über dieses Thema sprechen und das Klinikum auch von der Last der Geschichte befreien.

Immerhin sollen bis zu 1.800 Patienten aus Mauer in der Nazi-Zeit umgekommen sein. Aber nicht nur die Gräuel der damaligen Zeit sollen aufgezeigt werden: „Es gab neben der Unmenschlichkeit nämlich auch viel Menschlichkeit. Wir werden daher auch die Geschichten von Mitarbeitern erzählen, die mit hohem persönlichen Risiko Patienten geschützt haben“, sagt Krauter.

Die Landesausstellung soll aber nicht in der geschichtlichen Auseinandersetzung verharren, sondern auch über die Herausforderungen der heutigen Zeit berichten. „Eine Studie der WHO besagt, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen rasant zunimmt. Der Leistungsdruck und der Kommunikationsdruck wachsen. Die Erholungs- und Reflexionszeit nimmt ab und das überfordert die Psyche und Seele viele Menschen“, erklärt Krauter.

In der Landesausstellung soll es auch darum gehen, wie die Menschen sich besser auf die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereiten können und was getan werden muss, um die psychischen Erkrankungen nicht überhandnehmen zu lassen. Da wird dann auch die Verbindung zur Remise hergestellt, denn dort sollen genau solche Ansätze für neues, gesundes Wohnen und Arbeiten aufgezeigt werden.

Neue Formen des Arbeitens und Wohnens

„Wie müssen wir die künftige digitale Arbeitswelt gestalten, damit sie den Menschen nicht krank macht? Welche Formen des Wohnens, welches soziale Umfeld braucht es, damit der Mensch heil sein kann? Was sind die Vorteile der städtischen, was die der dörflichen Struktur?“, nennt Krauter Beispiele. Auch die Frage, wie die Gesellschaft auf die Angst der Menschen vor Vereinsamung im Alter reagieren kann, soll in die Auseinandersetzung einfließen.

Für Michaela Hinterholzer würde die Landesausstellung mit diesem Ansatz auch den Anspruch der Nachhaltigkeit erfüllen. „Denn da geht es um Themen, die für die Menschen künftig sehr wichtig sind“.

Die Konkurrenz ist übrigens hart: Auch das Stift Göttweig und die Gemeinden des Dunkelsteinerwaldes wollen die Schau!