Alkoholfreier Jänner? Deshalb ist der "Dry January" einen Versuch wert

Einen Monat lang weniger Alkohol trinken: Wie dieser Neujahrsvorsatz gelingt, weiß Caritas-Suchtberaterin Ingrid Riegler.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:00
Lesezeit: 2 Min
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Die Caritas-Suchtberatung Amstetten, Melk und Scheibbs bietet ab 18. Februar eine Gruppe zur Trinkreduktion an. Mehr Infos zum Kurs: caritas-stpoelten.at; telefonische Anmeldungen bis 8. Februar unter 0676/83844 8858 oder der Nummer 0676/83844371.
Foto: shutterstock/View Apart

Weniger Alkohol zu trinken, ist ein beliebter Neujahrsvorsatz. Wie schafft man es, das auch durchzuhalten, Frau Riegler?
Ingrid Riegler:
Dafür gibt es kein Patentrezept, jeder hat seine individuellen Herausforderungen. Ein erster Schritt kann sein, fürsich realistische Ziele zu planen und sich auch über die Umsetzung bereits bei der Planung Gedanken zu machen. Auch das Motiv trägt wesentlich dazu bei. Vielleicht kommt man auch zu der Erkenntnis, dass man ohne Alkohol seinen Alltag nicht mehr schafft, in dem Fall stehen die Mitarbeiter der Caritas-Suchtberatung zur Verfügung.

Seit wann bietet die Caritas-Suchtberatung im Raum Amstetten, Melk und Scheibbs das Programm „Weniger Alkohol“ an – und was ist das Ziel?
Riegler:
Seit 10 Jahren bieten wir das Programm in Gruppen an - zwei Mal jährlich mit maximal zwölf Teilnehmern, es ist aber auch im Einzelsetting möglich. Das Ziel ist schlicht und ergreifend, die Trinkmenge zu reduzieren.

Da ein Bier, hier ein G’Spritzter, nach dem Essen ein Schnapserl: Wie viel ist denn zu viel? 
Riegler:
Bei Männern sprechen wir in etwa von 0,6 Liter Bier oder 0,3 Liter Wein am Tag, bei Frauen von etwa 0,4 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein. Die Weltgesundheitsorganisation rät zudem zu mindestens zwei alkoholfreien Tagen in der Woche. Sucht schleicht sich ins Leben: Manchmal dauert es Jahre, bis aus einem unproblematischen Konsum eine Erkrankung wird.

Hartnäckig hält sich das eine Achterl Rotwein am Tag, das gesund sein soll. Ist es das?
Riegler:
Ich würde Alkohol weder glorifizieren noch dämonisieren. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine Nulltoleranz herrscht, wie etwa in der Schwangerschaft.

Wer nimmt an eigentlich an Ihrem Programm teil? Männer, Frauen, Jugendliche oder älltere Personen?
Riegler:
Vermehrt Männer. Für die Erkenntnis, dass der für einen „normale Konsum“ doch problematisch ist, braucht es in der Regel einige Jahre. Aus diesem Grund ist der Anteil an jungen Menschen eher geringer.

Hat Corona hier Einfluss?
Riegler:
Die Zahl der Angehörigen, die sich an unsere Beratungsstellen wenden, hat sich erhöht. Je länger die Krise und die Anspannungen der Lebenssituationen Betroffener andauern, desto belasteter ist die Person. Rückfälle häufen sich, der Alkoholkonsum steigt.

Beim „Dry January“ wollen Menschen mit einem alkoholfreien Monat ins neue Jahr starten. Ist das aus Ihrer Sicht schlau – quasi einen Monat lang „Entzug“ und dann wieder zurück zu „alten Mustern“?
Riegler:
Jede Alkoholpause wirkt sich für die Regeneration des Körpers positiv aus. Pausen einzulegen ist oft ein kurzfristig und machbares Ziel. Und: Auch die Reduktion von Alkohol hat einen positiven Effekt.

Man sitzt mit Freunden in einer lauschigen Bar, die Gläser leeren sich. Gerade wenn man schon „etwas intus“ hat, fällt es schwer, „Nein“ zur nächsten Runde zu sagen. Stichwort „Ans hauma immer nu trunk’n“ – wie kontern Sie?
Riegler:
(lacht) Ich habe morgen etwas vor und brauche einen klaren Kopf dazu. Oder einfach hartnäckig beim „Nein“ bleiben, irgendwann wird es dem Gegenüber zu langweilig.

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