Fortbestand der Schuldnerberatung gefährdet. Seit 17 Jahren gibt es Anlaufstelle in Amstetten. Weil Umbau nötig wäre, wurde Vertrag gekündigt. Ersatz wird gesucht.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 31. Januar 2017 (05:39)
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Die Schuldnerberatung soll auch in Zukunft im westlichen Mostviertel vertreten sein. Ute Pölzgutter hofft weiterhin auf ein eigenes Büro in Amstetten. „Die Entscheidung, wo wir ab 1. April anzutreffen sind, fällt demnächst.“
Doris Schleifer-Höderl

Obwohl die Zahl der Klienten der Schuldnerberatung, Geschäftsstelle Amstetten, in der Preinsbacher Straße angestiegen ist, wird sie mit 31. März geschlossen.

„Da die gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheit nicht gegeben ist und es zudem Beanstandungen durch das Arbeitsinspektorat gegeben hat, die unweigerlich Umbaumaßnahmen notwendig gemacht hätten, hat sich unsere Geschäftsführung in St. Pölten dazu entschlossen, das Büro zu kündigen“, berichtet Regionalstellenleiterin Ute Pölzgutter den NÖN. „Wir sind nun seit Dezember fieberhaft auf der Suche nach einer Ersatzlokalität.“

Drei bis vier Objekte seien nun in der engeren Auswahl, die Entscheidung darüber liege bei der Zentrale. Man sei aber bemüht, den Standort Amstetten zu erhalten.

791 Beratungsgespräche im vergangenen Jahr

Eine Option wäre natürlich auch, entweder in der Geschäftsstelle des AMS Amstetten oder auf der Bezirkshauptmannschaft zwei Beratungstage pro Woche abzuhalten. „Meine Kollegin Nadja Kutschera und ich würden uns aber freuen, wenn wir wieder ein eigenes Büro bekommen würden. Denn es herrscht bei den Menschen nach wie vor eine gewisse Schwellenangst davor, zu uns zu kommen. Je anonymer und unauffälliger man uns aufsuchen kann, umso eher sind die Leute bereit zu uns zu kommen.“

Im Vorjahr verzeichnete die Schuldnerberatung, Geschäftsstelle Amstetten, 791 Beratungsgespräche. „Insgesamt hatten wir im vergangenen Jahr 437 Personen, 253 Männer und 184 Frauen, betreut. Die meisten von ihnen sind im Alter zwischen 31 und 45 Jahren und weisen eine Durchschnittsverschuldung von 71.680 Euro auf. Die Schuldenregulierungsverfahren sind von 49 im Jahr 2015 auf 57 gestiegen.“

Dennoch gibt es immer mehr Betroffene, die ein so geringes Einkommen haben, dass eine Schuldenregulierung nicht möglich ist. Vor allem Alleinerzieherinnen und Personen, die trotz regelmäßiger Arbeit zu wenig verdienen, um ihr Leben bestreiten zu können, tappen vermehrt in die Schuldenfalle.

Klienten auch aus den umliegenden Bezirken

„Wichtig ist es, nicht zuzuwarten, sondern sich im Fall des Falles so rasch wie möglich mit uns in Verbindung zu setzen. Zudem haben wir im Vorjahr unser Angebot erweitert. Meine Kollegin bietet Hilfe bei der Einrichtung eines betreuten Kontos an und ich Budgetberatung, wenn höhere Ausgaben ins Haus stehen und man sich nicht restlos verschulden möchte.“

Die Klienten der Regionalstelle Amstetten kommen nicht nur aus der Mostviertelmetropole und den umliegenden Gemeinden, sondern auch aus Waidhofen an der Ybbs, dem Ybbstal, St. Valentin, Ennsdorf und den Bezirken Melk und Scheibbs. „Deshalb werden wir alles daran setzen, hier in Amstetten wie auch bisher vertreten zu sein“, so Ute Pölzgutter. „Denn immer mehr Mitmenschen sind in Geldnöten und brauchen unsere Hilfe!“