Mann wollte Haus in Luft sprengen: Bedingte Haft

Weil er laut Anklage in suizidaler Absicht versucht haben soll, das eheliche Haus in Amstetten durch Manipulation an der Gasleitung in die Luft zu sprengen, ist ein 51-Jähriger am Montag in St. Pölten vor Gericht gestanden.

Erstellt am 07. Mai 2018 | 12:00
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Foto: Mr Doomits/shutterstock.com

Er soll zudem einschreitenden Polizisten gedroht haben. Der Mostviertler wurde rechtskräftig zu 22 Monaten bedingt verurteilt, er erhielt auch eine Weisung zur Psychotherapie.

Der Angeklagte befand sich laut einem Sachverständigengutachten in einer psychischen Ausnahmesituation. Nach 23 Ehejahren hatte ihm seine damalige Frau am 15. April des Vorjahres - einen Tag vor dem Hochzeitstag - eröffnet, dass sie die Trennung wollte. "Ich habe alles eingekauft gehabt - Blumen, Geschenke", berichtete der 51-Jährige in der Schöffenverhandlung. Die Nachricht sei für ihn überraschend gekommen: "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen."

Eine Woche später, am Abend des 22. April, war die damalige Ehefrau mit Freunden zum Angeklagten ins Haus im gemeinsamen Eigentum des Paares gekommen. Die nunmehrige Ex-Frau des Beschuldigten berichtete im Zeugenstand, die Lage sei "eskaliert". Der 51-Jährige hatte versucht, seinen Pullover und später einen Teppich anzuzünden und sich ein Messer gegen den Bauch gehalten. Er hatte laut Aussage einer 52-jährigen Freundin der Familie die Anwesenden aufgefordert, das Haus zu verlassen, und gemeint: "I jog die Bude in die Luft." Daraufhin habe sie Polizei und Feuerwehr verständigt, schilderte die Zeugin.

"Schleichts euch, es strömt Gas aus"

Der Angeklagte war seinen Angaben zufolge mit einem Küchenmesser in den Keller gelaufen und hatte sich im Heizungsraum verschanzt. Er habe die Leitung mit der Rohrzange beschädigt, so dass Gas austrat, erzählte der mittlerweile geschiedene 51-Jährige. Mit dem Rücken zum Heizkessel sitzend, habe er ein Feuer hinter ihm bemerkt.

Die eingetroffene Polizei habe ihn aufgefordert, rauszukommen, sagte der Niederösterreicher. "Schleichts euch, es strömt Gas aus", habe er erwidert. "Ich habe bitterlich geweint und mit meinem Leben abgeschlossen." Laut den beiden einschreitenden Polizisten hatte der Angeklagte durch die versperrte Kellertür mit den Worten gedroht: "Schleichts euch sofort, sonst sprenge ich euch und das ganze Haus in die Luft." An eine derartige Aussage konnte sich der 51-Jährige nicht erinnern, hielt sie aber für möglich. Auf die Worte des Mannes hin traten die beiden Beamten den Rückzug an.

Als seine Feuerwehrkameraden kamen, habe er die Zuleitung abgedreht und sei nach draußen in die Garage gegangen, so der Angeklagte: "Ich wollte, dass kein anderer zu Schaden kommt." Die Feuerwehr schlug das Kellerfenster ein und löschte den Kleinbrand. An eine Explosion habe er damals nicht gedacht, sagte der Mann, der seit seinem 17. Lebensjahr bis zum Vorjahr Feuerwehrmitglied war.

Feuer wäre beschränkt geblieben

Der in Betrieb befindliche Heizkessel hatte eine Zündflamme, durch die sich das austretende Gas entzündete. Es sei damit "zu keinem Zeitpunkt eine Explosionsgefahr gegeben" gewesen, sagte ein Sachverständiger. Ein Feuer wäre auf diesen neun Quadratmeter großen Heizungsraum, der durch eine Brandschutztür gesichert sei, beschränkt geblieben.

Der Staatsanwalt sah in seinem Schlussvortrag die Voraussetzungen für einen Schuldspruch im Sinne der Anklage erfüllt. Der Verteidiger beschrieb seinen Mandanten als "friedfertig" und meinte zum Vorwurf der versuchten Brandstiftung, es liege ein "absolut untauglicher Versuch" vor. Er forderte einen Freispruch in diesem Punkt und ein mildes Urteil in Bezug auf den angelasteten Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Der Niederösterreicher wurde im Sinne der Anklage schuldig gesprochen. Aus der Sicht eines durchschnittlichen Betrachters habe es sich nicht um einen "absolut untauglichen Versuch" der Brandstiftung gehandelt, führte der Richter in der Urteilsbegründung aus. Wenn Gas ausströmt, wäre in dieser Situation "jeder davongelaufen".

Bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren kam der 51-Jährige - laut Richter aufgrund der Einzelfallsituation und der speziellen Umstände - mit 22 Monaten auf Bewährung davon. Zudem wurde die Weisung zur Fortsetzung der begonnenen psychotherapeutischen Behandlung erteilt. Mildernd wirkten sich die Unbescholtenheit, das Tatsachengeständnis und die eingeschränkte Dispositionsfähigkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt aus sowie, dass es beim Versuch geblieben war. Erschwerend war das Zusammentreffen von zwei Verbrechen.