Mostbarone: Blütezeit wird zur Krisenzeit

Erstellt am 02. April 2020 | 03:45
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7848325_erl14reinsberg_augustin_fruehwald_chris.jpg
Augustin Frühwald: „Genussmittel sind derzeit scheinbar Ladenhüter.“
Foto: Eplinger
Statt der Vorbereitungen auf die Festivitäten rund um die Mostbaumblüte herrscht auch bei den Mostbaronen Krisenstimmung. Die Mostwallfahrt wurde abgesagt.
Werbung
Anzeige

Eigentlich hätte am Dienstag dieser Woche in Neuhofen die Mostwallfahrt stattfinden sollen. Damit verbunden wäre auch die Angelobung des neuen Primus, Johannes Scheiblauer, auf dem Programm gestanden. Die Veranstaltung fiel allerdings den Corona-Maßnahmen zum Opfer. „Natürlich ist das sehr schade. Ob und in welchem Ausmaß die Veranstaltung später nachgeholt werden kann, müssen wir noch abwarten“, erklärt Scheiblauer.

Generell haben auch die Mostbarone mit starken Umsatzeinbußen zu kämpfen. Daher hofft man auch, dass das Online-Angebot inklusive Lieferung nach Hause (Homepage: shop.mostbarone.at) noch stärker in den Fokus rückt. Auch, dass der Tag des Mostes (am letzten Sonntag im April) heuer nicht stattfinden kann, wird immer wahrscheinlicher. „Offiziell ist er aber noch nicht abgesagt. Ein wenig können wir ja noch zuwarten“, sagt Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer.

Michael Oberaigner (Mostbaron vom Mostheurigen „Zur Steinernen Birne“ in St. Peter) berichtet ebenfalls von einer äußerst schwierigen Situation. „Uns sind durch die Schließung des Mostheurigens 80 Prozent unseres Einkommens weggebrochen“, schildert er. Die Einbußen seien enorm. Mit einer baldigen Verbesserung der Lage rechnet er nicht. „Wenn wir im Juni, Juli, wieder den Normalbetrieb haben, können wir, glaube ich, froh sein.“

Als „sehr schwierig“ bezeichnet auch Augustin Frühwald, Mostbaron von Reinsberg, die aktuelle Situation. Der Gastronomie-Absatz fehlt, der Ab-Hof-Verkauf ist fast zur Gänze zum Erliegen gekommen, im Naturkoststüberl in Gresten werden zwar Bauernbrot und Butter gerne gekauft, aber Genussprodukte wie Most, Säfte oder Schnaps sind derzeit eher „Ladenhüter“. Ähnliches Bild bei den Prauchner-Sparmärkten, die Frühwald auch beliefert.

Fokus auf Produktion von Desinfektionsmitteln

„Da mussten wir noch nichts nachbringen, obwohl gerade jetzt ja ein Stamperl Schnaps mitunter gar keine so schlechte Medizin sein könnte“, hat Frühwald seinen Humor noch nicht verloren. Er will sich in den kommenden Tagen verstärkt der Produktion von Desinfektionsmitteln widmen. Die entsprechenden Anlagen hat er. Großes Geschäft sei es aber keines. „Weil, um ein wirklich gutes und sicheres Mittel herzustellen, muss man das reine Ethanol auf 96 Prozent destillieren. Damit muss man ein Hauptprodukt nehmen und keinen Vor- oder Nachlauf“, weiß Frühwald.

Aufatmen kann Frühwald zumindest für die Obsternte. Die Frostnächte der letzten Tage haben den Birn- und Apfelbäumen noch nicht wirklich geschadet. „Unsere Bäume sind durch unsere höhere Lage noch nicht so weit. Einzig die Marillen- oder Kriecherlbäume haben unter dem Frost gelitten, aber die sind bei uns nur eher ein Nischenprodukt“, sagt Frühwald.

Werbung