Nach Coronatest: Monteur fristlos entlassen. Arbeiterkammer Amstetten ficht Entlassung an und will Ansprüche von 4.800 Euro einklagen.

Von Peter Führer. Erstellt am 11. Februar 2021 (12:20)
Insgesamt sicherte die AK-Bezirksstelle Amstetten im Vorjahr rund 2,77 Millionen Euro für die Arbeitnehmer, wie Bezirksstellenleiter Robert Schuster (links) und Kammerrat Hermann Gleich berichten.
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„Jetzt bin ich 21 Jahre in der Kammer aktiv, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt AK-Bezirksstellenleiter Robert Schuster. Er berichtet über einen Vorfall aus dem November 2020. Ein Arbeiter aus dem Bezirk Amstetten machte, nachdem er Symptome verspürte, einen Coronatest. Zuvor informierte er einen Kollegen per WhatsApp mit den Worten „Muss heute Coronatest machen!“. Rund eine Stunde später kontaktierte dann der Arbeitgeber aus dem Ybbstal den Monteur. Wie die Arbeiterkammer berichtet mit den Worten: „Das ist existenzbedrohend Du bist fristlos entlassen!“.

Einen Tag später, am Freitag, erhielt der Arbeiter dann sein Testergebnis: negativ. „Der Monteur kündigte sonntags seinem Chef das Erscheinen am nächsten Tag im Betrieb an. Obwohl er zeigte, dass er arbeitsfähig, arbeitswillig und arbeitsbereit ist, wurde ihm die Arbeitsaufnahme verweigert“, schildert Schuster den weiteren Verlauf.

Der Monteur nahm also mit der AK Kontakt auf, diese intervenierte per eingeschriebenem Brief. Da diese Intervention nicht erfolgreich war, wurde der Fall an den AK-Rechtsschutz übergeben. „Das Rechtsschutzbüro wird die Entlassung als ungerechtfertigt anfechten und die Ansprüche des Mostviertlers in Höhe von rund 4.800 Euro beim Arbeits- und Sozialgericht einklagen“, erklärt Schuster.

Mehr Anfragen bei der Arbeiterkammer

Fälle wie dieser würden zeigen, dass es bei Unternehmen, wenn auch wenige, Schwarze Schafe gibt. Im Großen und Ganzen funktioniere nämlich die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, wie Schuster gemeinsam mit Kammerrat Hermann Gleich bei einem Rückblick über das Jahr 2020 unterstrich. Dieses brachte auch für die Arbeiterkammer viele Herausforderungen mit sich.

„Nach dem Lockdown im März stiegen die telefonischen Anfragen rapide an. Wir mussten das Personal dafür zeitweise von 8 auf 40 aufstocken. Themen waren dabei vor allem Unklarheiten über die Kurzarbeit oder die Familienbetreuung“, blickt Schuster zurück. Täglich führte man an der Bezirksstelle an die 100 Telefonate. Große Hilfe sei für die Arbeitnehmer auch die Homepage jobundcorona.at – die übrigens nach wie vor online ist – gewesen.

Mehr als 23.000 Menschen nahmen 2020 Kontakt mit der Bezirksstelle auf. Allein in der Telefonberatung stieg die Zahl der Anfragen um mehr als 40 Prozent. Für die Mitglieder sicherte die Arbeiterkammer insgesamt 2,77 Millionen Euro. Weniger als im Jahr davor. „Der Grund dafür ist, dass es in den vergangenen Monaten kaum Insolvenzen gab. Wir rechnen aber damit, dass in den kommenden Monaten die Zahl der Insolvenzen leider stark ansteigen wird“, erläutert Schuster. So stehen viele Firmen vor der Herausforderung, dass jetzt die Stundungen ausgelaufen sind und daher hohe Zahlungen fällig werden. Es gäbe auch viele Privatinsolvenzen.  

Institutionen sind ein wichtiger Anker

Wie Kammerrat Hermann Gleich unterstrich, würden gerade Krisenzeiten zeigen, wie wichtig etablierte Institutionen für Arbeitnehmer und für Unternehmer sind. „Diese sind ein wichtiger Anker und haben auch für mehr Sicherheit gesorgt“, ist er überzeugt. Er hob die große Bedeutung klarer Regeln hervor. Nur wenn es solche gibt, werden sie auch von der Bevölkerung mitgetragen. Für Verunsicherung hätten nämlich teils widersprüchliche Aussagen der Politik und Fragen zu Risikogruppen, Massentestungen und Maskenpflicht gesorgt. Bezüglich Impfungen spricht sich Gleich gegen eine Impfpflicht aus.

Um auf den oftmals vorhandenen Kaufkraftverlust durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit zu reagieren, schlagen Arbeiterkammer und Gleich vor, an jeden Haushalt 1.000 Euro-Gutscheine zu verteilen. Aufgesplittet in 100 Gutscheine zu je 10 Euro. „Das käme 1:1 der heimischen Wirtschaft zugute. Allein in Niederösterreich würden 730.000 Haushalte profitieren“, sagt der Kammerrat.

Übrigens: Niederösterreichweit nahmen 190.000 Beschäftigte 2020 die Hilfe der Arbeiterkammer in Anspruch. Um 40.000 mehr als i Jahr davor. Die AKNÖ erkämpfte 46 Millionen Euro.