Nach Drohung: 100 Stunden Sozialdienst

Erstellt am 14. Jänner 2014 | 23:59
Lesezeit: 3 Min
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Foto: NOEN, Hudler
Prozess / Von der Spezialeinheit Cobra wurde Gnadenhofbetreiber Lars Jäger verhaftet. Verfahren wird nach Diversion eingestellt.
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Von Claudia Stöcklöcker

„Ich war innerlich zerrissen. Ich hatte das Gefühl von Ausgeliefertsein und Machtlosigkeit gegenüber der Behörde“, sagt Lars Jäger. Wegen Nötigung sitzt der Obmann des Vereins „Animal Stars – horse rescue“ vor dem Richter.

„Jetzt gehe ich auf die BH und bringe sie um!“ 

Mit den Worten „Jetzt ist es so weit. Jetzt gehe ich auf die BH und bringe sie um!“ soll der Betreiber eines Gnadenhofes in Euratsfeld Beamtinnen der Veterinärabteilung der Bezirkshauptmannschaft Amstetten in Angst und Schrecken versetzt haben. An bedrohliche Worte erinnern kann Jäger sich nicht. „Sollte ich das aber wirklich gesagt haben, so tut es mir zutiefst leid“, erklärt er im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

„Ich habe beim Land um Vermittlung gebeten“

In Konflikt mit der Behörde kam Jäger wegen seines Schäferhundes. „Der sechsjährige Rüde Jerry ist ein Bilderbuchhund! Ich habe bei einer BH-Kontrolle die Tierärztin gebeten zu warten, weil er sein Revier verteidigt. Das hat sie aber nicht getan. Sie ist gleich ins Zimmer nachgekommen und Jerry ist sie angesprungen. Dann ist die Meldung gekommen, dass der Hund amtsbekannt sei“, so Jäger. Ob des Bescheids fürchtete er um das Leben des Tiers, klemmte sich hinters Telefon. „Ich habe beim Land um Vermittlung gebeten, es war alles sehr emotional“, sagt der 46-Jährige. Ob des Gesprächs rückte dann, am 30. Oktober letzten Jahres, eine Spezialeinheit der Cobra am Hof des Tierschützers in Panhalm an. Beim Stallausmisten sah er sich Beamten mit Waffen im Anschlag gegenüber. Jäger wurde festgenommen und landete in U-Haft.

„Gewalt entspricht nicht seiner Einstellung“ 

Antiaggressionstraining und Betreuung durch Bewährungshilfe hält eine Sozialarbeiterin nicht für notwendig. „Da schießt man mit Kanonen auf Spatzen. Gewalt entspricht überhaupt nicht der Einstellung des Angeklagten und er besitzt keine Waffen“, berichtet sie.

Der Richter bietet Diversion an. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit muss Lars Jäger leisten, dann kann das Verfahren gegen ihn eingestellt werden. Damit ist der Gnadenhofbetreiber einverstanden.

Für Hund Jerry hat sich die Situation übrigens entschärft. Die Gemeinde Euratsfeld war von der BH Amstetten beauftragt worden, ein Ermittlungsverfahren zu führen und kam nun zum Schluss: „Es wurden keine Tatsachen bekannt, aufgrund derer der Schäferhund Jerry als gefährlich eingestuft werden muss“, heißt es in einem Schreiben der Gemeinde.

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