Amstetten: Hautarzt sorgt sich um seine Patienten. Fritz Gruber geht mit Ende September in Pension. Bewerber für die frei werdende Kassenstelle gibt es bislang nicht.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 14. Juli 2021 (05:43)
Hautarzt Fritz Gruber geht Ende September in Pension und sorgt sich um seine Patienten.
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„Es geht nicht um mich, sondern es geht um meine Patienten. Heute waren hundert Leute da und 50 davon haben mich gefragt, wie es weitergeht, wohin sie sich künftig wenden sollen. Ich konnte ihnen aber keine Antwort darauf geben“, sagt Hautarzt Fritz Gruber.

Wie die NÖN berichtete, wird der Dermatologe, der seit 31 Jahren in der Stadt Amstetten ordiniert, mit Ende September in Pension gehen. Obwohl die Kassenstelle von der Ärztekammer schon vor Monaten ausgeschrieben wurde, gab es bislang keinen Bewerber. Dabei könnte ein Nachfolger einfach die Praxis im Ärztecenter in der Nikolaus-Lenau-Straße übernehmen – samt Patienten.

Gruber sieht bei der Versorgung mit Hautärzten nicht nur auf das Mostviertel, sondern auf weite Teile Niederösterreichs große Probleme zukommen. „Die Kollegin in Scheibbs ist mit 1. Juli in Pension gegangen und in den nächsten Jahren werden auch die Hautärzte in Schwechat, Hollabrunn, Mistelbach und Lilienfeld aufhören. Es ist mir ein Rätsel, warum Gesundheitskasse, Ärztekammer, Land und auch Gemeinden da sehenden Auges in eine Krise laufen, ohne etwas dagegen zu unternehmen“, sagt der Hautarzt.

Verantwortliche müssen sich an Tisch setzen

Die einzige Erklärung sei, dass man das System der Kassenärzte überhaupt abschaffen wolle, was aber aus seiner Sicht völlig verkehrt wäre. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Verantwortlichen alle an einen Tisch setzen und darüber reden, wie man die freien Stellen mit Hautärzten besetzen kann“, fordert Gruber.

Aus seiner Sicht müsste das Land schon bei der Ausbildung die nötigen Weichen stellen. „Wenn ich Spitalserhalter bin und Ausbildungsstellen anbiete, dann sage ich den Bewerbern ganz klar, dass sie nur dann eine bekommen, wenn sie sich nach Studienabschluss auch einige Jahre als Kassenärzte in Niederösterreich niederlassen. Auf diese Weise könnte man die Misere schnell in den Griff bekommen“, ist Gruber überzeugt. Er warnt auch davor, dass die solarinduzierten Hauterkrankungen aufgrund der Klimakrise in den nächsten Jahren zunehmen werden. Hautärzte würden also dringend benötigt.

„Ich bin für einen Ausbau des solidarischen Kassensystems und für eine Verpflichtung von Ärzten, für eine Zeit im Kassensystem arbeiten zu müssen.“ Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig

Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig verweist darauf, dass das Land ja schon mehr Studienplätze für Medizin fordert und auch, dass ein Teil davon für Studierende reserviert wird, die sich verpflichten, nach Ende ihrer Ausbildung mindestens fünf Jahre in einer Bedarfsregion tätig zu sein.

„Ich bin für einen Ausbau des solidarischen Kassensystems und für eine Verpflichtung von Ärzten, für eine Zeit im Kassensystem arbeiten zu müssen. Ich plädiere auch für eine Überarbeitung der Aufnahmekriterien für das Medizinstudium, um eine bessere Durchmischung der Studenten zu erreichen – es braucht mehr soziale Kompetenz und nicht nur Fachwissen“, sagt die SPÖ-Politikerin.

Land ist zuständig für Rahmenbedingungen

Königsberger-Ludwig weist aber auch drauf hin, dass die Besetzung und Zuteilung von Planstellen nicht dem Land obliegt. „Wir können nur die unterstützenden Rahmenbedingungen verändern, die vertraglichen Vereinbarungen müssen zwischen Gesundheitskasse und Ärtzekammer getroffen werden. Und schlussendlich müssen die jungen Ärzte auch bereit sein, solidarische Verantwortung zu übernehmen.“

Bürgermeister Christian Haberhauer betont, dass die Stadt Amstetten alles tue, um gute Rahmenbedingungen für Ärzte zu schaffen. „Aber wir sind nicht für das Gesundheitssystem zuständig, sondern das Land und der Bund. Ich weiß auch, dass das Land bezüglich Hautarzt schon bei Gesundheitsminister Mückstein interveniert hat, aber mehr als Druck auszuüben können wir als Gemeindepolitiker nicht tun.“

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