Neuhofner Gesprächsrunde: Streuobstwiese ist Kulturgut. Der 30. April ist der „Tag der Streuobstwiese“. Gesprächsrunde diskutierte über deren Erhalt.

Von Heribert Hudler. Erstellt am 01. Mai 2021 (15:07)
Die Gesprächsrunde mit (kniend) Bezirksbauernbundobmann Stellvertreter Andreas Pum, Leopold und Michaela Reikersdorfer, Bauernbundpräsident Georg Strasser und Kammerrat Harald Hochedlinger. Stehend: Engelbert Wieser (LADER Region Moststraße), Bauernbudobmann Anton Kasser, Franz Lumesberger (NÖ Agrarbezirksbehörde, Fachabteilung Landentwicklung), Leopold Reikersdorfer (Vizepräsident der ARGE Streuobstwiese Österreich) und seitens der LEADER Region Moststraße, Projektbetreuer Haus Redl. Foto: Heribert Hudler
Heribert Hudler

„In Mitteleuropa gehören Streuobstwiesen zu den artenreichsten Landschaften. Das hat vielfältige Gründe. Streuobstwiesen bilden ein kleinflächiges Mosaik aus Lebensräumen“, sagte Bauernbundpräsident Georg Strasser im Rahmen einer Gesprächsrunde anlässlich des „Tag der Streuobstwiese“, der seit Jahren am 30. April die Artenvielfalt der Pflanzen und Tierwelt im Ökosystem aufzeigen soll.

Die Gesprächspartner beim Mostheurigen Reikersdorfer in Neuhofen/Greinöd waren neben Strasser Bezirksbauernbundobmann Anton Kasser, sein Stellvertreter Andreas Pum, Franz Lumesberger (NÖ Agrarbezirksbehörde, Fachabteilung Landentwicklung), Leopold Reikersdorfer (Vizepräsident der ARGE Streuobstwiese Österreich), Engelbert Wieser und Hans Redl (beide von der LEADER Region Moststraße).

2017 wurde im Rahmen einer bundesweiten Streuobststrategie ein bedeutender Grundstein für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Streuobstbaus gelegt. Über das Agrarumweltprogramm (ÖPUL) und über Projektfördermaßnahmen wird seither finanzielle Unterstützung geboten. Im künftigen Programm wird die Prämie erhöht und damit eine Weiterentwicklung des Streuobstbaus ermöglicht.

„Der Leitsatz für unsere eigene Landwirtschaft lautet: ,Landwirtschaft Hand in Hand mit Naturschutz'. Es vergeht kein Tag, an dem in den Nachrichten keine neue Meldungen über Insekten- und Artensterben, Bodenverbauung oder Gewässerprobleme erscheinen. Wir sehen die Streuobstwiese als Gegenmodel, um nachhaltig die Biodiversität zu erhalten und aktiv Klimaschutz zu betreiben“, betonte Strasser und Kasser fügte hinzu: „Die Streuobstwiese gilt als Hotspot für Biodiversität und als einer der letzten Rückzugsorte für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tierarten und Obstsorten. Sie beherbergt bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten.“ 

Engelbert Wieser von der LEADER Region Moststraße betonte, dass Landwirte ihre Streuobstwiesen nur nachhaltig erhalten könnten, wenn es ihnen ermöglicht werde, damit auch eine Wertschöpfung zu generieren. 

Zum Erhalt der Streuobstwiesen gehört auch die richtige Pflege der Obstbäume. Die LEADER Regionen bieten daher jedes Jahr im Winter und Sommer geförderte Obstbaum-Schnitt- und Veredelungskurse an. Hans Redl, Projektbetreuer in der LEADER Region Moststraße berichter, dass die Sommer-Schnittkurse heuer Pandemiebedingt von Ende Juni bis September im gesamten Mostviertel stattfinden“ 

Streuobstwiesen sind der Beobachtung nach im Rückgang. Bei vielen Obstbäumen wird nicht mehr geerntet und die Früchte verfaulen ungenützt. Jedes Jahr werden zudem viele Bäume abgeholzt.

Wie man dem entgegensteuern kann, weiß Bezirksbauernbund-Obmannstellvertreter Andreas Pum: „Konsumenten, die aktiv einen Beitrag zur regionalen Kulturlandschaft, Streuobstwiese bzw. der Biodiversität leisten wollen, können ganz einfach im eigenen Garten damit anfangen ihre Wiese wertzuschätzen. Es macht Sinn wieder Obstbäume zu setzen und auch bewusst auf Rasenmäher-Roboter zu verzichten. Weiters entscheidet jeder Konsument aktiv beim Einkauf der Lebensmittel.“ 

Der Tenor aller Diskutanten: „Wir müssen die Leute dazu motivieren, nicht nur die Bestände zu erhalten, sondern diese auch zu vergrößern in dem sie auf den Wiesen und im eigenen Garten Bäume pflanzen. Denn wir wissen ohne Streuobstbestände geht sehr viel für die Mostkultur und die  Umwelt verloren.“