Mostviertel Tourismus: Der Sommer & das blaue Auge. 420.000 Nächtigungen weniger als 2019: Die Destination Mostviertel vermeldet im Corona-Jahr ein Minus von 35 Prozent.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:28)
Andreas Purt, Geschäftsführer der Mostviertel Tourismus GmbH analysiert für die NÖN die Zahlen.
Mostviertel Tourismus

Die Nächtigungszahlen 2020 liegen vor. Und sie bescherten der blau-gelben Tourismusbranche das erwartete, saftige Minus. Die Nächtigungszahlen in Niederösterreich fielen von 7,68 Millionen Nächtigungen 2019 auf 4,57 Millionen Nächtigungen im Corona-Jahr 2020. Das ist ein Minus von 40,5 Prozent. Die Tourismusdestination Mostviertel, die sich 2019 noch über 1,20 Millionen Nächtigungen gefreut hatte, verlor 35 Prozent und hält 2020 bei 778.484 Nächtigungen.

Die Gesamtsituation. Mit einem Minus von 35 Prozent liegt die Tourismusdestination Mostviertel etwas besser als das Bundesland. „Allerdings ist das auch nur ein schwacher Trost. Die Tourismusbranche liegt am Boden. Zwar brachten die Sommermonate Juli, August und September einen Hoffnungsschimmer, aber mit dem zweiten Lockdown waren die letzten drei Monate des Jahres wieder ein ordentlicher Dämpfer“, erklärt Andreas Purt, Geschäftsführer der Mostviertel Tourismus GmbH.

Wirtschaftsnächtigungen brachen ein. Verbände mit einem sehr hohen Anteil an Wirtschaftsnächtigungen, wie NÖ-Zentral mit St. Pölten und Herzogenburg beziehungsweise die Moststraße mit Amstetten und St. Valentin mussten einen deutlich höheren Einbruch hinnehmen, als jene Verbände, wo die freizeittouristischen Nächtigungen eine größere Rolle spielen.

Blaues Auge für Appartements, Urlaub am Bauernhof oder Camping. Der Vier-Sternbereich mit einem sehr hohen Anteil an Wirtschaftsnächtigungen war überdurchschnittlich betroffen. Kleinere Einheiten beziehungsweise jene, die ausreichend Abstand boten, wie Appartments, Ferienwohnungen und Privatquartiere oder Urlaub am Bauernhofangebote kamen ebenso wie der Bereich Camping mit einem blauen Auge davon.

Im Pielachtal verloren fast alle Gemeinden an Nächtigungen. Allein Schwarzenbach verzeichnete ein sattes Plus von fast 74 Prozent auf 3.000 Gästenächtigungen. Dazu beigetragen haben auch die neuen Waldurlaub-Angebote von Isbary Bioland.

Berge und Seen, Wander- und Radfahrboom. Im alpinen Bereich lag das Mostviertel bis November bei einem Minus von nur knapp 20 Prozent. „Jene Regionen haben profitiert, die Berge und Seen anbieten können und vor allem auf einheimische Gäste setzen – und das zum Glück nicht nur bei den Tagesgästen.

Einige Gemeinden wie Lunz aber auch Mitterbach oder St. Aegyd haben dank der tollen Sommermonate und dem Wander- und Radfahrboom im Naturpark oder entlang des Ybbstal- oder Traisentalradweges durchaus positiv bilanziert. Lunz konnte das Plus sogar über das Jahr retten und hatte 2020 fast um 1.000 Nächtigungen mehr als das Jahr davor“, schildert Purt die positiven Ausnahmen.

Auch für Göstling und Gaming hätten die Sommermonate relativ gute Zahlen gebracht, aber der zweite Lockdown hat dann jenen Gemeinden, die normal auch starken Wintertourismus haben, noch einmal einen ordentlichen Dämpfer versetzt. „Dort hat uns die Schließung der Hotels im Dezember – im Hinblick auf Schulskikurse und Fortbildungen – und vor allem dann von Weihnachten bis Neujahr stark zugesetzt“, resümiert Andreas Purt.

Wilde Wunder Card. Eines hat das Corona-Jahr noch gezeigt. Das Angebots-Package muss passen, auch oder vielleicht gerade bei heimischen Urlaubern. Denn die Wilde Wunder Card, die es für Gäste bei 70 Partner-Betrieben im südlichen Mostviertel für die Dauer des Aufenthaltes in den Sommermonaten gratis gibt, hat ihren Erfolgslauf 2020 fortgesetzt.

„Im Vorjahr wurden insgesamt 28.779 Karten ausgegeben. Das waren sogar um 285 mehr als 2019 – und das, obwohl wir auf den Monat Mai, wo normal die Wilde Wunder Card-Saison startet, durch den Lockdown eine verkürzte Saison hatten“, schildert Purt.

Ein Plus bei Online-Buchungen. Umsatzmäßig eine deutliche Steigerung gab es bei den Online-Buchungen. Betrug der Gesamtumsatz bei den Online-Buchungen 2019 noch rund 550.000 Euro, so lag er 2020 bereits bei über 700.000 Euro. Fast 75 Prozent der Online-Buchungen kommen dabei über Plattformen wie booking oder expedia.

Der Ausblick. „Wenn ich mir die Nächtigungen beziehungsweise Buchungen für Jänner und Februar anschaue, dann fällt mir als Ausblick für 2021 nur Toni Pfeffer ein: Hoch werma nimma gwinna“, sagt Andreas Purt und rechnet, dass auch das heurige Jahr für die Tourismusbranche ein „sehr, sehr schwieriges wird und nicht vor Ostern beginnen wird.“