Amstettner Forstheide wird Naturwald. Stadt will Forst nicht mehr wirtschaftlich nutzen. Wege sollen reduziert werden.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 21. Oktober 2020 (04:31)
Vizebürgermeister DominicHörlezeder in der Forstheide. Künftig sollen daraus keine Bäume für wirtschaftlicheZwecke mehrentnommen werden. Über die Jahre soll auf diese Weise eine „grüne Lunge“ fürAmstettenentstehen.
Grüne

„Es gibt eine klare Marschrichtung der schwarzgrünen Stadtregierung, die Forstheide zukünftig nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen“, verkündet Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder. Das mehr als 200 Hektar große Waldgebiet soll als „Grüne Lunge“ der Stadt erhalten bleiben und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung dienen.

In der Vorwoche fand eine Begehung statt, an der auch Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet die Forstheide“ teilnahmen. „Wir sind uns im Wesentlichen einig. Es geht jetzt auch nicht mehr um die Rettung des Waldes, sondern um die Erhaltung“, betont der Grünpolitiker. Das Credo laute, die Forstheide klimafit zu machen und so wenig einzugreifen wie möglich. Das bringt auch mit sich, das derzeitige Wegesystem im Naherholungsgebiet zu reduzieren. „Das wollen wir aber in engem Kontakt mit der Bevölkerung machen und nicht Wege, die sozusagen immer da waren, plötzlich sperren“, verspricht Hörlezeder.

Stadt haftet für die Sicherung der Wege

Natürlich geht es da vor allem um die Frage der Haftung. Bei aktiven Wegen müssen eineinhalb Baumlängen in jeder Richtung gesichert werden. „Und da wir momentan noch sehr viele Wege haben, würde das dann doch immer wieder einen Eingriff in den Wald bedeuten“, betont Hörlezeder.

Grundsätzlich will die Stadt gar kein Holz mehr aus der Forstheide entnehmen. Einzige Ausnahme: Wenn die Forstbehörde vorschreibt, Bäume zu entfernen – etwa wegen Käferbefalls. „Ansonsten wird ein Baum, wenn der Wind ihn umwirft oder er abstirbt, einfach im Wald belassen. Das Totholz dient der Entwicklung der Artenvielfalt“, sagt der Grünpolitiker. Der Fichten- und Kiefernanteil im Naherholungsgebiet nimmt übrigens ohnehin ständig ab.

Um in Sachen „Naturwald“ auch alles richtig zu machen, will sich die schwarzgrüne Regierung professionelle Unterstützung sichern. „Wir möchten ein Waldwirtschaftsprogramm erarbeiten lassen, das die Forstheide zum Beispiel auch in Zonen einteilt. Es ist für die Artenvielfalt ja genauso wichtig, die Wiesenflächen zu erhalten, die es dort gibt. Derzeit bereiten wir eine Ausschreibung vor, die vom Gemeinderat im Jänner beschlossen werden soll. Diese wird sich an Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Ökologie & Naturschutz wenden, die Erfahrung mit derartigen Projekten haben. Dazu zählt etwa das Naturmanagement der Bundesforste“, berichtet Hörlezeder.

Auch die Grüne Landessprecherin Helga Krismer ließ sich in der Vorwoche von ihrem Parteikollegen über die Pläne für die Forstheide informieren. Sie forderte dabei eine „dringende Evaluierung der haftungsrechtlichen Bedingungen in ABGB und Forstgesetz.“ Denn es komme deswegen entlang von Wegen oft zu großflächigen Schlägerungen. „Wenn ich in den Wald gehe, dann gibt es da Bäume mit Ästen und es gibt Steine, über die ich stolpern kann. Da muss die Eigenverantwortung wieder in den Vordergrund gerückt werden“, sagt Krismer.