„Hier reden Blinde von der Farbe“. ÖVP und Grüne haben in Amstetten mit ihren Plänen viel Staub aufgewirbelt. Die NÖN sprach mit ehemaligen Gemeindemandataren.

Von Otmar Gartler. Erstellt am 05. Mai 2021 (16:43)

1997 hatte sich die Stadt Amstetten zum Neubau eines Naturbades anstelle des alten Hallen- und Freibades aus den 60er-Jahren entschlossen. Da das im Jahr 2000 fertiggestellte Hallenbad bereits nach 20 Jahren baufällig wurde, präsentierte nun die schwarz-grüne Stadtregierung Neubaupläne, vorläufig ohne Außenbecken, was zu heftigen Diskussionen führte. Auch eine Online-Umfrage der NÖN ergab eine breite Zustimmung von rund 79 Prozent für ein Erlebnisbecken mit Rutsche im Freibereich.

Für den damaligen Bürgermeister Herbert Katzengruber sind die Neubaupläne ein Schnellschuss und nicht durchdacht: „Hier reden Blinde von der Farbe. Ich bin im Sommer sehr oft im Freibad, aber von den Gemeinderäten ist dort niemand zu sehen. Der Plan für das derzeitige Hallenbad war architektonisch ansprechend und Naturbadeteiche zu dieser Zeit ein Hype. Wir haben es uns nicht einfach gemacht, aber wir waren natürlich keine Fachleute. Dass etwas getan werden muss, ist keine Frage, aber vielleicht könnte man noch etwas warten und das entsprechende Budget ansparen. Ein Außenbecken mit Rutsche ist in meinen Augen unbedingt notwendig. Für die Jugendlichen ist das auch ein Treffpunkt und sie wollen Action, Fun und Spaß. Eine Sauna außerhalb des Hallenbads zu errichten ist hirnrissig. Die Einbindung der Ybbs zum Schwimmen finde ich eine Schnapsidee. Dort ist die Hygiene ebenso ein Problem wie eventuelle Hochwässer.“

Der ehemalige VP-Gemeinderat Johann Brandstetter unterstützt den Abriss und die Neubaupläne. „Dieses Hallenbad war von Anfang an baufällig und ein Problem. Viele Firmen sind schon während der Bauphase in Konkurs gegangen und nicht greifbar. Jährlich wurde viel Geld hineingebuttert,“ sagt er. Jetzt soll der Architekt einmal planen und dann könne man darüber diskutieren. Er halte nichts davon, die Bevölkerung schon im Vorfeld zu verunsichern.

Der ehemalige Grün-Mandatar Bernhard Kitzler erinnert sich, dass er damals im zuständigen Beirat dabei war. „Das Konzept und die Pläne waren durchaus gut, aber die Bauausführung scheinbar schlecht, was dem Architekten und der Bauaufsicht anzukreiden ist. Uns wurde versichert, dass nur das beste Material verwendet wird und als Mandatar muss man sich darauf verlassen können.“ Für eine Stadt wie Amstetten seien ein Außenbecken mit 50 Metern und ein Sprungturm unbedingt notwendig. Die Einbindung der Ybbs sei prinzipiell zu begrüßen, aber es brauche eine Lärmschutzwand zur Südumfahrung.