Neue Aussiedlungen

Erstellt am 11. November 2013 | 08:46
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Foto: NOEN
Initiative / Hochwasser-Betroffene in Felleismühle erhalten Angebot. Rasch abgesiedelt wird aus zwei Objekten in Stephanshart.
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Von Hannes Hirtenlehner

Alle drei Jahrhunderthochwasser seit 1954 haben das Haus der 85-jährigen Josefa Brunhauser in Felleismühle überflutet. Auch heuer im Juni stand das Wasser 25 Zentimeter hoch in den Wohnräumen. Mittlerweile wurden allein aus einem Raum 300 Liter entwässert. Trotz allem möchte Josefa Brunhauser ihr Haus, das sie 1953 mit ihrem Mann gebaut hat, eigentlich nicht verlassen: „Drei meiner Kinder sind im Haus geboren. Ich lebe gerne darin.“

Dennoch gehört Josefa Brunhauser zu rund zehn Betroffenen, die sich eine Aussiedlung vorstellen könnten, berichtet Bürgermeister Hannes Pressl: „Wir haben eine langfristige Perspektive vereinbart. Vor 2020 bis 2025 wird es keine Aussiedlungswelle geben.“ Ein Generationenwechsel oder anstehende Umbaumaßnahmen könnten bis dahin zumindest teilweise die Entscheidung erleichtern. Schneller wird es bei zwei Objekten in Stephanshart gehen. „In einem Fall haben wir bereits die Zusage des Landes NÖ, für den zweiten gibt es auch bereits positive Signale“, berichtet Pressl. Für die Pensionistinnen, die schon lange in ihren Häusern gewohnt haben, sei eine große Welle der Hilfsbereitschaft angelaufen. „Aussiedler erhalten 80 Prozent des Schätzwertes des bestehenden Gebäudes  – das reichte für die Damen nicht, um neu zu bauen. Dank zahlreicher Unterstützer geht sich die Aussiedlung aber jetzt auch finanziell aus.“

„Neue Schutzbauten wären mir lieber“

Der 57-jährige Josef Artner hat schon 2002 ein Angebot zur Aussiedlung aus Felleismühle bekommen – neu bauen könnte mit dem Aussiedlungsgeld aber auch er nicht: „Lieber wäre es mir, wenn die Gemeinde und das Land NÖ – wie in Oberösterreich – neue Schutzbauten errichten würden.“ Besonders ärgert Artner, dass die Gemeinde 1981 überhaupt grünes Licht für den Hausbau gegeben hatte: „Die Fläche wurde aus der roten Zone herausgenommen, weil sie durch den Kraftwerksbau in Wallsee von Hochwässern verschont bleiben sollte. Und dann hat es uns zwei Mal erwischt.“

Langfristig sei eine Absiedlung ganz klar die bessere Variante, meint Ortschef Pressl, Dämme seien technisch immer anfällig und die Kosten enorm hoch: „Bund und Land machen mit der Absiedlungsunterstützung ein Angebot - es besteht kein Zwang dazu. Die Absiedlung kristallisiert sich aber dann doch immer wieder als sinnvollste Möglichkeit heraus.“

Pressl betont: „Jetzt geht es darum, für die betroffenen Bereiche überhaupt noch Absiedlungsgelder zu erlangen.“ Dafür müsse nun vor allem beim Bund Druck gemacht werden.

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