Drastischer Rückgang bei Neubauten im Bezirk Amstetten

Erstellt am 16. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Geschäftsführer Wolfgang Jungwirth mit seinem Mitarbeiter, Josef Haag, der ebenfalls schon 20 Jahre im Unternehmen ist.
Foto: Margit Brückner
Aufgrund der ungewissen Preisentwicklung und der dramatischen Teuerungen in den letzten Monaten verzeichnet auch die Baubranche einen Rückgang in den Anfragen.
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Wolfgang Jungwirth ist seit 43 Jahren im Geschäft und sein Unternehmen baut hauptsächlich Eigenheime für Privatpersonen. Auch er teilt die Meinung vieler Amstettner, dass bei einem Paar, das auf Fremdfinanzierung angewiesen ist, beide gut verdienen müssen, um sich ein neues Eigenheim leisten zu können. Vor der Inflation war die Auftragslage aber so gut, wie schon lange nicht mehr. „Die Menschen wollten mit einem Neubau Werte schaffen und viele hatten Angst vor dem Wertverlust des Euros“, sagt der Geschäftsführer.

Derzeit kein Mangel an Baustoffen

Der Bedarf an Baustoffen war in den letzten Jahren, vor der Inflation, so hoch, dass Lieferanten teilweilweise gar nicht mehr liefern konnten. „Zurzeit gäbe es keine Probleme mit der Verfügbarkeit von Baustoffen. Das Versorgungsproblem von Baumaterial ist passé und die Ware ist wieder verfügbar“, betont Jungwirth.

Doch jetzt ist die Situation eine andere, denn die Preise für beispielsweise Stahl und Wärmedämmung steigen stetig. Wie sich die Preissteigerung im Energiesektor auch auf die Baubranche auswirkt, zeigt sich beispielsweise an den Kosten von gebrannten Ziegeln, wo 40 Prozent des Preises auf Energiekosten zurückzuführen sind.

„Momentan wirken drastische Veränderungen auf die Preislage – der Ukrainekrieg, die Inflation, Preissteigerungen in allen Lebenslagen. Kunden haben derzeit keine Gewissheit, wie sich die Lage entwickelt, und somit sind auch die Anfragen in der Baubranche dramatisch zurückgegangen“, sieht der Geschäftsführer die Zukunft der Baubranche derzeit eher pessimistisch.

Zudem wurden die Regeln für die Kreditvergabe mit 1. August deutlich verschärft: Sie sehen vor, dass Käufer künftig 20 Prozent des Kaufpreises in Form von Eigenkapital nachweisen müssen. Die monatliche Kreditrate darf höchstens 40 Prozent des monatlich verfügbaren Nettohaushaltseinkommens ausmachen. Die Laufzeit der Finanzierung darf 35 Jahre nicht übersteigen. Ausgenommen sind Kredite bis zu 50.000 Euro – das soll Renovierungen oder Sanierungen und den Umstieg auf erneuerbare Energieträger erleichtern (siehe auch Seiten 2-3).

„Man wird vielleicht etwas kleiner bauen“

Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen sieht auch der Geschäftsführer der Firma Stöckler/Weistrach, Martin Brunmayr. Er betont, dass die Bauwerber wohl ein wenig vorsichtiger geworden sind, sie warten eher noch zu. Stornierungen gab es bislang aber noch keine. „In den letzten Jahren wurde alles binnen eines Jahres fertiggestellt, dieser Trend wird sich nun wohl ändern“, ist Brunmayr überzeugt und ergänzt: „Man wird vielleicht auch etwas kleiner bauen und sich fragen: Was kann ich weglassen, die Qualität sollte darunter aber nicht leiden.“

Mit den Planungen – 80 Prozent der Aufträge werden von der Firma auch selbst geplant – ist die Baufirma derzeit noch bestens ausgelastet, die Preisentwicklung bleibe jedoch der Unsicherheitsfaktor für das nächste Jahr.

Jedenfalls, erklärt Wolfgang Jungwirth, wären „die Grundstückspreise in Niederösterreich so günstig wie nirgends sonst in ganz Österreich. Aufgeschlossene Grundstücke wurden – bis jetzt – innerhalb kürzester Zeit verkauft. In Tirol oder Vorarlberg sind die Grundstückspreise im Vergleich zu Niederösterreich um ein Vielfaches teurer. Nur wird es bald gar keine Baugründe für Privatpersonen mehr geben“, meint der Bauunternehmer.

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