Einblicke in die „alte Zeit“ mit neuen Büchern

Neue Bücher sollen die Neustadtler Geschichte beleuchten. Anlass ist das Jubiläumsjahr 2022.

Erstellt am 10. Oktober 2020 | 06:25
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Bürgermeister Franz Kriener freut sich auf die umfangreichen Werke, die unter anderem von Forscher Friedrich Pexa erarbeitet werden.
Foto: Führer

2022 feiert die Gemeinde Neustadtl ihr 875-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass hat man sich entschlossen, die eigene Geschichte noch weiter zu erforschen und neue Bücher zu publizieren. „Die Idee ist schon vor einigen Jahren aufgetaucht. Wir haben ja eine gewisse Tradition mit eigenen Publikationen. 875 Jahre Neustadtl sind ein optimaler Anlass, wieder neue Bücher zu veröffentlichen“, unterstreicht Bürgermeister Franz Kriener. Die Werke dienen nicht nur als Nachschlagewerke, sondern könnten zum Beispiel bei Ehrungen durch die Gemeinde als Geschenke verteilt werden. Angedacht ist einerseits ein Buch über Neustadtl als Großgemeinde. Seit 1971 sind die früher eigenständigen Gemeinden Kleinwolfstein, Nabegg, Neustadtl, Windpassing und Berghof vereint. „Uns interessiert die Geschichte der fünf einzelnen Gemeinden aber auch, wie das Zusammenwachsen ab 1971 über die Bühne ging“, verrät Kriener. Dieses Buch wird von den Gemeindearchivaren Heinrich Muttenthaler und Leopold Mayerhofer erarbeitet.

Chronik für alle 550 Häuser entsteht

Zum anderen soll eine Häuserchronik über alle 550 Häuser der Gemeinde ent-stehen. Friedrich Pexa erforscht zudem intensiv die historischen Entwicklungen bei den Häusern. Das dafür notwendige Wissen und „Handwerkszeug“ erlernte er beim einjährigen Lehrgang „Regional- und Heimatforschung.“ Er ist bereits auf viele interessante Anekdoten gestoßen. „Da gibt es 1683 etwa einen Matrikeneintrag, dass durch das Osmanische Reich zwanzig Personen verschleppt wurden. 1687 hat dann ein Wundergruber beantragt, ob er wieder heiraten darf. Da bezieht er sich darauf, dass seine Frau wohl nicht mehr zurückkommen wird und sie ‚außerdem schon über 50 Jahre alt ist‘“, schmunzelt Pexa. Detail am Rande: Das „Wundergruber“ ist der Hausname des Hauses von Bürgermeister Franz Kriener.

Im fertigen Werk, das Pexa federführend mit Kurt Weinstabl und Anton Grafeneder erstellt, finden sich viele weitere spannende Geschichten. Etwa, als ein Hausbrand schließlich dazu führte, dass auch in der Nachbarschaft zahlreiche weitere Häuser in Flammen aufgingen. „Es sind viele spannende Einblicke in das Leben von damals. Zum Beispiel die Lebensverhältnisse als ‚Untertan’ Die Arbeit ist sehr fortgeschritten, ich hoffe, dass das Buch nächstes Jahr veröffentlicht werden kann“, schildert Pexa, der unzählige Stunden in diversen Archiven verbrachte und sich dort, aber auch online, dem Quellenstudium widmete.

Bürgermeister Kriener bittet für die Häuserchronik die Gemeindebürger um Unterstützung. So wird bei Hausbesuchen eine Zustimmungserklärung eingeholt. Dort sollen Daten und Fotos der aktuellen unb früheren Besitzer, Bewohner und Eigentümer gesammelt werden. „Wir versprechen, dass wir mit den Daten sorgsam umgehen. Der Datenschutz ist uns natürlich sehr wichtig. Wir brauchen aber die Unterstützung aller Neustadtler. Immerhin machen wir uns mit diesen Publikationen ja auch selbst ein Geschenk“, weiß der Ortschef.

Parallel will man übrigens auch eine Topothek – eine virtuelle Sammlung von Bildern und Daten – mitwachsen lassen und Schritt für Schritt befüllen.