"Niemand muss Schuldgefühle haben". Ardaggers Bürgermeister Hannes Pressl hält tagtäglich die Bevölkerung mit Einträgen auf seinem Blog über die aktuelle Entwicklung am Laufenden. In Ardagger sind mit Stand Donnerstagabend 25 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl steigt also weiter, aber die Kurve wurde in den letzten Tagen „flacher“. Die Liste der gesunden und nicht infizierten Personen, die sich vorsorglich in häuslicher Absonderung befinden, ist auf mehr als 210 gestiegen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 20. März 2020 (07:16)
Hannes Pressl führt Tagebuch.
Gemeinde Ardagger

Die Erkrankten machen sich weniger Sorgen um ihre eigene Gesundheit, sondern darüber, dass sie andere Menschen angesteckt haben könnten. Dieser Gedanke nagt sehr an ihnen. "Aber es muss niemand Schuldgefühle haben. Es ist letztlich wie bei einem normalen Grippevirus. Auch da kann keiner wissen, ob er andere angesteckt hat und auch da kann keiner was dafür. Und das passiert jährlich tausende Male im ganzen Land. Nur weil es um Corona geht und Infektionswege halt behördlich verfolgt werden müssen, ist das hier nicht anders! Keiner der Infizierten konnte wissen, dass er das Virus in sich getragen hat", betont der Ortschef.

Pressl hat auf seinem Blog auch ein Tagebuch eines Erkrankten online gestellt, in der dieser den Verlauf der Krankheit und das Leben einer siebenköpfigen Familie in Quarantäne schildert. "Es ist ein ehrlicher und offener Tatsachenbericht, den der Betroffene hier ganz bewusst weitergibt. Vielleicht kann sich dann auch so mancher besser einfühlen und es fällt so manches Urteil über Erkrankte und die Erkrankung anders aus", sagt der Bürgermeister.

Corona-Tagebuch eines Betroffenen.pdf (pdf)

Es gibt in Ardagger aber auch viel Positives zu berichten. So öffnet der Empfinger Bäck heute, Freitag, von 8 bis 12 Uhr wieder und wird seine Einzugsgebiet wieder mit Brot und Gebäck versorgen. Gute Nachrichten gibt es auch für Leseratten: Die Bücherei aus Stephanshart liefert zu den Öffnungszeiten Bücher an Leute in Quarantäne. Außerdem wurde in der Gemeinde die  Initiative „Miteinander REDEN“ gestartet. Da bieten Menschen mit verschiedenen Ausbildungen und Berufen telefonischen Rat an. Es soll aber auch in den nächsten Wochen ein Telefondienst aufgebaut werden. Isolierten Personen soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich per Telefon, Skype oder auch per Whatsapp mit anderen zu "tratschen" und sich auszutauschen.