Noch mehr Qualität und Baum-Pflege. „Birnenverfall“ bedroht Mostviertel – Forschungsprojekt wird gestartet. Tourismusbetriebe wollen Gästen noch mehr bieten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 25. Juni 2014 (07:01)
NOEN, Hermann Knapp
Einen Genuss der besonderen Art präsentieren Mostbaron Toni Distelberber, Irmi Distelberger und Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer: Waldviertler Graumohn-Eis mit Erdbeeren und verfeinert mit Birnenbalsam-Essig, der acht Jahre im Holzfass gereift ist. Foto: Hermann Knapp
„Wir wollen von den Besten lernen“, ist das Motto der Mostraße und ihrer Obfrau Michaela Hinterholzer. Sie legt besonderen Wert darauf, den Mitgliedsbetrieben ein hochwertiges Qualifizierungsprogramm anzubieten.

Tipps in 33 Seminaren mit 465 Teilnehmern

Unter anderem haben Kapazunder wie Weinpionier Leo Hillinger, Barmix-Weltmeister Kenny Klein und Vizegrill-Weltmeister Rupert Wegerbauer in den letzten vier Jahren den Wirten und Mostheurigen-Betreibern bereits Tipps zu geben, wie sie ihre Gäste noch besser verwöhnen können. Insgesamt haben 33 Seminare mit 465 Teilnehmern stattgefunden.

„Wir bieten aber auch einzelbetriebliche Beratungen an – bei denen zuerst ein Stärken- und Schwächenprofil erarbeitet wird und daraus Maßnahmen entwickelt werden, um den Betrieb noch besser zu positionieren“, sagt Hinterholzer.

Zu dem sind in der Region imme wieder „Mystery Guests“ unterwegs: „Wir haben im Jahr 2011 und nochmals 2014 jeweils 90 Testungen durchgeführt. Die Ergebnisse waren oft hervorragend und Kritik hat meist rasch zu Verbesserungsmaßnahmen geführt“, berichtet die Moststraßenobfrau.

Weichen für die neue Leaderperiode gestellt

Derzeit ist die Moststraße dabei, die Weichen für die nächste Leader-Förderperiode von 2014 bis 2020 zu stellen. Unter dem Motto „Ursprungsentfaltung Moststraße – Vorsprung durch Ursprung“, wurden bereits Arbeitsschwerpunkte festgelegt. Einer wird der Bereich „Kulturlandschaft und natürliche Ressourcen“ sein. Aus gutem Grund: Denn die Birnbäume in der Region sind derzeit massiv vom „Birnenverfall“ einer von Phytoplasmen (Bakterien) ausgelösten Krankheit betroffen, die über den Birnblattsauger übertragen wird.

„Es gibt kein direktes Mittel dagegen, wir können langfristig nur versuchen Birnbaumarten zu forcieren, die resistenter sind“, sagt Mostbaron Toni Distelberger. Hinterholzer kündigt an, dass ein Projekt mit der Weinbau-Forschungsanstalt in Klosterneuburg ins Leben gerufen werden soll.

„Wir wollen künftig mehr wissenschaftliche Hintergrundarbeit leisten, zugleich müssen wir aber auch das Bewusstsein in der Region noch mehr stärken, dass die Obstbäume ein wichtiges Kapital sind.“

Touristische Vermarktung als ein Schwerpunkt

Natürlich wird aber auch die touristische Vermarktung der Moststraße und ihrer Produkte in der nächsten Leader-Periode ein Schwerpunkt sein. Entschieden, welche Regionen wieder ins Leaderprogramm aufgenommen werden, wird in Brüssel im Mai 2015.

Derzeit läuft die Einreichsfrist. Hinterholzer ist zuversichtlich, dass die Moststraße die Kriterien erfüllen wird. Bis 2020 würden dann knapp vier Millionen Euro an Fördergeld in die Region fließen.