Tauziehen um Glasfaser in Seitenstetten

nöGIG hat Seitenstetten ins Fördergebiet aufgenommen, aber nur Ortskern.

Erstellt am 25. August 2021 | 05:46

Die Glasfaserinfrastrukturgesellschaft des Landes (nöGIG) hat auch Seitenstetten für den Ausbau des Glasfasernetzes auserkoren. Diese Woche dürfte der Gemeinderat einen entsprechenden Grundsatzbeschluss fassen. Eigentlich hätte der schon im Juli fallen sollen, doch da wurde die geplante Gemeinderatssitzung kurzfristig in eine Informationsveranstaltung umgewandelt.

Der Grund dafür war ein politisches Geplänkel zwischen ÖVP und SPÖ. „Wir haben die Informationen von der nöGIG so kurzfristig erhalten, dass es damals nicht mehr möglich gewesen wäre, vor der Gemeinderatssitzung auch eine Vorstandssitzung abzuhalten“, berichtet Bürgermeister Johann Spreitzer. Die SPÖ habe daraufhin die Möglichkeit einer Aufsichtsbeschwerde in den Raum gestellt. „Aus meiner Sicht war das eine unnötige Aktion. Wir hätten die Gemeinderatsitzung trotzdem machen können, weil im Gesetz steht, dass der Gemeindevorstand angehört werden soll, nicht muss. Aber ein juristischer Streit darüber hätte sich nicht ausgezahlt“, sagt der Ortschef.

„Beschluss wäre angreifbar gewesen“

SPÖ-Chef Alois Schlager betont, dass er nicht die Absicht hatte, eine Aufsichtsbeschwerde einzubringen. „Aber der Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Glasfasernetzes wäre anfechtbar gewesen. Und es sind sicher nicht alle Bürger damit einverstanden, dass die nöGIG in den Ortskernen ausbaut und nicht in den Siedlungen, wo die Verbindung viel schlechter ist. Das ist der Grund, warum wir dem Projekt mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehen, auch wenn wir bei der Sitzung am Mittwoch zustimmen werden“, sagt Schlager. Wichtig sei, dass bald allen Bürgern in Seitenstetten ein Glasfasernetz in öffentlicher Hand zur Verfügung stehe.

Das sieht auch Bürgermeister Spreitzer so, der mit der Auswahl des Ausbaugebietes durch die nöGIG nicht glücklich ist.

Schwierige Aufgabe für die Gemeinde

„A1 hat ja neun ARUs im Gemeindegebiet, die am Glasfasernetz hängen. Von dort gehen dann Kupferleitungen in die Haushalte. Alle, die nicht weiter als etwa 700 bis 800 Meter entfernt sind, und das sind viele im Ortskern, haben Download-Raten von 60 bis 80 Mbits, was für sie ausreichend ist. Richtung Treffling hinein, wo wir mit dem Radweg auch Leerrohre verlegt haben, erreicht man hingegen nur ein bis zwei Mbit, wenn überhaupt. Wir müssen also herinnen, im Ort, die Leute überzeugen, dass sie ans Glasfasernetz der nöGIG anschließen, während die draußen nicht gefragt werden. Das wird eine schwierige Aufgabe.“

Gar nicht verstehen kann der Ortschef, warum zum Beispiel das Siedlungsgebiet Weidersdorf nicht im Ausbaugebiet enthalten ist.

Spreitzer ist dennoch davon überzeugt, dass der Gemeinderat den Ausbauplänen der nöGIG bei der Sitzung am Mittwoch grundsätzlich zustimmen wird. Damit ist aber noch nichts gewonnen. Denn dann gilt es bis Jahresende, rund 300 der betroffenen 750 Haushalte auch noch mit ihrer Unterschrift für einen Anschluss zu gewinnen. Das ist die Bedingung dafür, dass 2022 der Ausbau startet. „Wir werden uns bemühen und ich bin optimistisch, dass wir es auch schaffen werden. Es muss aber halt jeder Gemeinderat offensiv hinausgehen, um die Leute vom Sinn des Projekts zu überzeugen“, sagt Spreitzer. Auch Bürger-Informationsveranstaltungen sollen stattfinden.

In St. Peter in der Au hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zum Ausbau mit der nöGIG schon im Juli gefasst, aber auch da steht man nun vor der Aufgabe, den Bürgern im Ortskern, die aufgrund des dort stationierten Wählamtes schon eine gute Verbindung haben, das Glasfasernetz schmackhaft zu machen, während die anderen Ortsteile mit schlechterer Versorgung nicht zum Zug kommen. „Ich denke, dass wir es schaffen werden, bis Jahresende 42 Prozent der Haushalte im geplanten Ausbaugebiet von einem Anschluss zu überzeugen, aber es ist eine sportliche Herausforderung“, sagt Bürgermeister Johannes Heuras.

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