Noch mehr Vertrauen in heimische Landwirte gefordert. Im Rahmen der Initiative „Landwirtschaft geht uns alle an!“ diskutierte man in Amstetten über die Herkunft der Nahrung.

Von Peter Führer. Erstellt am 20. November 2019 (14:28)

Ist es wurscht woher unser Essen kommt?, diese Frage stand im Mittelpunkt der Diskussionsrunde, zu der die NÖN und die Landwirtschaftskammer am Dienstag in die Bezirksbauernkammer lud. Die Veranstaltung war Teil der Gesprächsreihe „Landwirtschaft geht uns alle an!“ Zahlreiche Landwirte, Konsumenten und Ehrengäste verfolgten die Debatte. Darunter auch Nationalratsabgeordneter Georg Strasser und Landtagsabgeordneter Anton Kasser.

„Schaffen es nicht mehr über den Preis“

Dass es der heimischen Landwirtschaft gelingen muss, noch mehr Vertrauen aufzubauen, davon ist Hannes Royer vom Verein „Land schafft Leben“ überzeugt. „Das gelingt aber nur, wenn man herzeigt, wie man produziert. Über den Preis werden wir es nie mehr schaffen, weil wir ganz andere Produktionsstandards haben“, argumentiert er.

Bezirksbäuerin Renate Haimberger berichtete, dass die Bäuerinnen viel Aufklärungsarbeit über die Arbeit in der Landwirtschaft leisten würden. Etwa durch Schulaktionstage oder den Wanderungen von Hof zu Hof. „Uns ist auch wichtig, dass das Thema Ernährung an den Schulen wieder verstärkt behandelt wird.“

In die Höhle des Löwen – wie er selbst sagte – begab sich Andreas Gebhart von vegini. Sein Betrieb erzeugt vegane Produkte auf Erbsenproteinbasis. „Ich halte aber nichts davon, zu missionieren. Fleisch ist ein gutes Produkt, unsere Produkte sind gesund und sollen Fleisch nicht ersetzen, sondern ergänzen“, führte er aus. Er sehe vor allem die Massentierhaltung kritisch.

„Der Handel ist Mitschuld daran, dass der Konsument zum Kauf von billigem Fleisch angeregt wird.“Franz Rauscher

Franz Rauscher von der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf argumentierte, dass man oft mit Preisdruck konfrontiert sei. „Der Handel ist Mitschuld daran, dass der Konsument zum Kauf von billigem Fleisch angeregt wird“, erklärte er.

Dass es wichtig ist, bei der Bewusstseinsbildung für Regionalität anzusetzen, dessen ist sich NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger sicher. „Man müsste noch viel mehr in die Schulen gehen. Auch ich kaufe gerne regional. Nicht nur, weil das Produkt aus der Region ist, sondern weil es auch besser schmeckt.“

Herkunftsbezeichnung als zentraler Wunsch

Großes Thema war eine stärkere Herkunftsbezeichnung, eine langjährige Forderung der Landwirtschaft. Royer forderte diese auch für die Gastronomie ein. „Nur neun Prozent von dem, was auf dem Teller ist, kommt aus Österreich. In Zeiten der Transparenz ein Wahnsinn!“ Es sei wichtig, immer wieder bei Wirten nachzufragen, woher das Fleisch kommt.

Dass das Thema Herkunftsbezeichnung und Zukunft der Landwirtschaft vielen unter den Nägeln brennt, zeigten auch die vielen Wortmeldungen aus dem Publikum. So sprach man sich für eine Herkunftsbezeichnung aus, kritisierte den Preisverfall diverser Produkte und übte Kritik an fehlender Unterstützung durch die Politik.

Zitiert: „Gütesiegel ist Sockel“

„Immer weniger Menschen haben noch Bezug zur Landwirtschaft. Daher ist Öffentlichkeitsarbeit wichtig. 2,5 Millionen Mahlzeiten werden täglich außer Haus gegessen, ohne zu wissen, woher das kommt. Wir unterstützen eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung.“

Josef Aigner, Obmann der Bezirksbauernkammer Amstetten bei seiner Begrüßung

„85 Prozent der Österreicher sagen, sie wollen wissen, woher die Nahrung kommt. 84 Prozent wissen, dass Nahrung mit der Gesundheit im Zusammenhang steht. In Österreich wird pro Kopf 65 Kilogramm Fleisch pro Jahr gegessen. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Frage, woher das Essen kommt, wichtig ist.“

Moderator Christian Eplinger

„Das AMA-Gütesiegel ist der Sockel, auf dem man Mehrwerte draufsetzen kann. Aber wenn die Kosten für mehr Tierwohl und Tierschutz beim Erzeuger hängen bleiben, geht sich das bei offenen Grenzen nicht mehr aus. Da hören viele Betriebe auf.“

Franz Rauscher (Obmann der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf)

„Wir essen eine Tonne Lebensmittel pro Jahr. Das macht mit unserem Körper etwas. Daher sollte man schon wissen, wie die Tiere gelebt haben, wie die Pflanzen gewachsen sind. Wenn wir als Landwirtschaft ein Problem haben zu zeigen, wie wir produzieren, dann müssen wir was ändern.“

Hannes Royer (Verein „Land schafft Leben“)

„Wir müssen an der Wertschätzung arbeiten. Denn Wertschätzung führt zu Wertschöpfung. Ich möchte wissen, was ich esse, weil ich als Bäuerin die vielen strengen Auflagen, die es für österreichische Produzenten gibt, kenne.“

Bezirksbäuerin Renate Haimberger

„Die intensive Diskussion hat gezeigt, wie wichtig diese Veranstaltung war. Wir werden als NÖN das Thema auch in Zukunft objektiv begleiten.“

NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger