Coronafall in Ardagger: Infizierte schildert Lage. Auch eine am Coronavirus erkrankte Frau (in der Folge als F bezeichnet) aus Ardagger ist über Vermittlung von Bürgermeister Hannes Pressl der Einladung der NÖN zu einem Interview (natürlich per E-Mail) gefolgt. Es zeichnet ein realistisches Bild der Situation der Betroffenen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 15. März 2020 (07:41)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Coronavirus
shutterstock.com

NÖN: Die erste und wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen körperlich?
F:
Außer, dass ich Gliederschmerzen, Kopfweh, zuerst Schüttelfrost und danach ein wenig erhöhte Temperatur habe, geht es mir gut. 

Wie verkraften Sie ihre Ansteckung psychisch, worüber macht man sich als Betroffener besonders Gedanken?
Ich glaubte zunächst eigentlich an etwas Harmloses, aber als ich hörte, es gibt positive Tests von Bekannten mit denen ich Kontakt hatte, war die Angst groß, da ich eine chronische Vorerkrankung habe. Ich rief 1450 an und wurde bald getestet. Die Stunden waren fast unerträglich bis der Anruf abends kam und die Amtsärztin sagte: "Tut mir leid sie sind positiv". Mein erster Gedanke war, hoffentlich wird´s nicht so schlimm wie man es von den Medien oft hörte, da ich ja zu der Risikogruppe gehöre.  

Ich glaubte zunächst eigentlich an etwas Harmloses

Wollen Sie uns mitteilen, wie und wo Sie sich angesteckt haben?
Wo ich mich angesteckt habe ist jetzt auch egal. Ich hab es und wir müssen schnell versuchen, den Virus einzudämmen. Das gelingt eigentlich nur, wenn jeder wenn möglich zu Hause bleibt und keinen Kontakt zu anderen hat. 

Wäre aus Ihrer Sicht und mit Ihrem jetzigen Wissen über den Coronavirus die Ansteckung vermeidbar gewesen?
Die Ansteckung von meiner Seite wäre nicht vermeidbar gewesen, wenn man Bekannte hat, die selber nicht wissen, dass sie positiv sind. Da vergeht so viel Zeit bis man draufkommt und Freunde hat ja jeder. 

Würden Sie rückblickend gesehen anders handeln?
Rückblickend könnte ich nicht anders handeln, denn wenn Du in der Arbeit bist oder Freunde hast und keiner mit dem Virus rechnet, weil es noch keinen Fall in dieser Gegend gab. 

Wie reagiert ihr Umfeld (Verwandte, Nachbarn, Gemeinde) auf Ihre Erkrankung?
Meine Familie und ich haben jetzt zwei Wochen keinen Kontakt zu anderen. Aber Verwandte haben uns schon angerufen, wenn wir etwas brauchen, sie bringen´s und stellen es vor die Tür.

Gibt es etwas, was sie den Menschen in Ardagger mitteilen möchten?
Bitte behandelt´s die Betroffenen nicht wie Aussätzige wenn sie wieder gesund sind. Man wird nach zwei Wochen zweimal getestet und nach zwei negativen Tests ist man gesund und die Quarantäne wird aufgehoben. Bitte bleibt´s zu Hause, geht´s nur fort wenn es nötig ist.  Zwei Wochen nur Familie ist auch mal ganz schön und das ganz ohne Stress und Hektik. Mit Freunden bitte nur telefonieren, denn infiziert ist man ganz schnell! 

Bitte behandelt´s die Betroffenen nicht wie Aussätzige wenn sie wieder gesund sind

Fühlen Sie sich medizinisch gut betreut?
Medizinisch brauche ich momentan nichts. Sonst kann ich ja den Hausarzt anrufen. Und jemanden hinschicken der sicher gesund ist, der mir Medikamente vor die Tür stellt. 

Wie werden Sie mit Nahrung und sonstigen Waren des täglichen Bedarfs versorgt? Funktioniert das?
Mit Nahrung werde ich gut versorgt. Da meine Familie auch isoliert ist und die keine Symptome haben, kümmern sie sich sehr um mich. Ich halte zwei Meter Abstand von ihnen, aber das ist zum Aushalten. Ich habe ein WC für mich und natürlich auch das Ehebett. 

Zum Abschluss: Was werden Sie als erstes tun, wenn die Ärzte ihnen bestätigen, dass Sie Coronafrei sind?
Als erstes wenn ich wieder gesund bin, werde ich meine Familienmitglieder informieren und sagen: "Hurra, ich bin wieder gesund". Und ich werde die anderen Menschen, die das alles noch vor sich haben in ein Gebet einschließen.