Sozialarbeiterin Kessler: Ängste sind noch größer. 2020 war die Frauen-Notwohnung des Frauenhauses stets ausgelastet und bot insgesamt fünf Frauen aus der Region in Krisensituationen Unterkunft auf Zeit.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 07. April 2021 (04:51)
Carmen Kessler betreute im Vorjahr fünf Frauen und vier Kinder in der Frauen-Notwohnung des Frauenhauses Amstetten.
Schleifer-Höderl

Seit vier Jahren bietet das Frauenhaus auch Frauen, die nach Trennung oder Scheidung keine Bleibe haben, eine Notwohnung auf Zeit. Finanziert wird sie durch das Land Niederösterreich sowie durch Subventionen der Stadtgemeinde Amstetten.

Im Corona-Jahr fanden fünf Frauen und deren vier Kinder in der 71 Quadratmeter großen Wohnung Unterkunft. Zwei von ihnen kamen aus dem Bezirk Amstetten sowie je eine aus dem Bezirk Scheibbs, aus Waidhofen an der Ybbs sowie aus dem Bezirk Mistelbach. Obwohl die Frauen bis zu neun Monate in der Wohnung bleiben können, betrug die durchschnittliche Verweildauer nur vier Monate. „Die Frauen konnten nirgendwo anders unterkommen. Durch die Pandemie war ihre Situation nochmals verschärft und so haben sie sich an uns gewandt“, berichtet die diplomierte Sozialarbeiterin Carmen Kessler.

Auffallend sei gewesen, dass die psychische Belastung bei den Frauen durch Corona noch größer war als sonst. „Die Ängste, wie es weitergehen soll, wurden durch die Krise verstärkt. Wir haben die Frauen daher während des Aufenthaltes in der Notwohnung nicht nur begleitend beraten und sie im Kontakt mit Ämtern und Behörden unterstützt, sondern sind ihnen mit vermehrten Gesprächen zur Seite gestanden“, sagt Kessler.

Derzeit steht die Wohnung, die sich in der Nähe des Frauenhauses befindet, leer – seit vier Jahren das erste Mal. „Wir sind selbst überrascht, weil die Notwohnung sonst eigentlich immer belegt ist. Mitte Dezember ist die letzte Frau allerdings ausgezogen.“
Die telefonische Kontaktaufnahme ist jederzeit unter 07472/66 500 möglich.