Rosenkränze aus Monstranzbohnen. Das Öhlinger Ehepaar Josef und Rosa Furtner fertigt für seine Freunde ganz besondere Geschenke an.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 14. Juni 2020 (04:37)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7871209_ams24oed_oehling_bohnen.jpg
Josef und Rosa Furtner mit ihren liebevoll gefertigten Rosenkränzen aus Monstranzbohnen.Schleifer-Höderl
Doris Schleifer-Höderl

„Eine Monstranzbohne ist eine weiß blühende Kletterbohne, die nach der Ernte Anfang September bis Ende Oktober getrocknet wird und als Endprodukt eine Bohne mit der feinen Zeichnung einer Monstranz mit Hostie an der Nahtstelle aufweist. Die Bohnen gibt es zwar auch vereinzelt im freien Verkauf, dennoch werden sie eher an liebe Mitmenschen verschenkt“, steht im Internet zu lesen.

Genau auf diese Bohne, die einen sonnigen Standort mit humushaltigem Boden bevorzugt und zwischen Mai und Juli ausgesät wird, sind Josef und Rosa Furtner per Zufall gestoßen. „Ich bin ein leidenschaftlicher Hobbygärtner“, berichtet Josef Furtner. Vor zwei Jahren habe er einige Bohnen von einer Bekannten in einem Briefchen geschenkt bekommen, habe es ausprobiert, sie eingelegt und im Herbst geerntet. „Zu meinem Erstaunen war tatsächlich auf jeder Bohne ein Bild in Form einer Monstranz vorhanden. Das sieht aus wie aufgemalt, ist es aber nicht. Die Natur hat dieses Bildnis gemacht“, schildert Furtner.

Legenden aus dem 17. Jahrhundert

Fasziniert von diesem „Naturwunder“, begannen die Furtners im „World Wide Web“ nachzuforschen und erfuhren, dass sich um die Monstranzbohne einige Legenden ranken, die bis in die Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) zurückreichen. Sie wurde früher auch in vielen Klöstern, vor allem wegen ihrer Zeichnung, angebaut.

440_0008_7871211_ams24oed_oehling_bohnen.jpg
Durch die Zeichnung, die einer Monstranz ähnlich ist, hat die Bohne ihren Namen.
Schleifer-Höderl

„Bauern sollen sie zudem oft an den Rändern ihrer Felder ausgesät haben, um diese vor Hagel und Unwetter zu schützen“, verrät das Paar. Obwohl die Bohne – man pflanzt in zwei Zentimetern Tiefe etwa acht bis zehn Bohnen rund um eine Rankhilfe – auch gekocht in der Suppe oder im Salat gut schmecken, entschloss sich das Ehepaar Furtner, die Bohnen anderwertig zu verarbeiten und daraus Rosenkränze zu fertigen. „Auch das hat schon lange Tradition. Diese Idee gefiel uns und so machten wir uns ans Werk.“

Eine Stunde Arbeit pro Rosenkranz

Seit Jänner entstehen nun in Öhling die Rosenkranzarmbänder. Josef bohrt die Löcher in die Bohnen und Rosa knüpft die Bohnen, abwechselnd mit verschiedenfarbigen Holzperlen, auf eine Kordel auf.

Rund eine Stunde benötigt Rosa Furtner für das Knüpfen eines Rosenkranzes. „Wir sind gläubig und gerade jetzt in Zeiten von Corona ist das Fertigen der Rosenkränze eine meditative Arbeit, die uns beiden sehr guttut“, berichten die beiden Pensionisten, die im Landesklinikum Mauer arbeiteten. Die Rosenkränze werden nun an Bekannte, Freunde, Nachbarn sowie Familienangehörige verschenkt. „Wir möchten ihnen damit eine Freude bereiten und auch aufzeigen, welche schönen Dinge die Natur so hervorbringt“, bringen es die beiden auf den Punkt.