Bezirk Amstetten: Weiterer Anstieg an Hilfesuchenden

Erstellt am 18. Februar 2022 | 06:05
Lesezeit: 3 Min
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„Es ist wichtig, Betroffenen Mut zu machen, sich Hilfe zu suchen“, weiß Michala Egger, Leiterin des Gewaltschutzzentrums NÖ.
Foto: Gewaltschutzzentrum NÖ
Das Gewaltschutzzentrum NÖ verzeichnete im Vorjahr einen Anstieg an Beratungen. Im Bezirk wurden 212 Personen betreut.
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Im zweiten Pandemiejahr hat das Gewaltschutzzentrum NÖ (GSZ) 3.450 Klientinnen und Klienten unterstützt – um 154 mehr als 2020. Im Bezirk waren es 212 Personen. Damit ging zwar die Zahl der zu betreuenden Personen – ein Jahr davor waren es 227 – zurück, dafür gab es mehr Betretungsverbote, nämlich 151 (2020: 137). „Besonders aufgefallen ist uns, dass die Klientinnen und Klienten sehr mit- teilungsbedürftig waren und nach wie vor sind“, berichtet Michaela Egger, Leiterin des Gewaltschutzzentrums NÖ. Auch sei die Intensität und Gewalterfahrung intensiver geworden. „Zusätzlich haben uns weibliche Klienten immer wieder berichtet, dass zum Beispiel der Partner androhte, Fotos im Internet zu veröffentlichen, sollte sie sich trennen wollen“, führt Egger aus. Das Internet sei Teil der realen Welt. Als Opfereinrichtung wäre man sehr gefordert, immer am neusten Stand des Wissens über Cybergewalt zu sein. „Gewalt, die online passiert, ist nicht einfach nachweisbar, muss aber genauso ernst genommen werden“, erklärt Egger.

Die meiste Gewalt passiert im privaten Umwelt

Angesprochen auf die 31 Femizide im Vorjahr ist es der Expertin wichtig, dass gewaltbetroffene Personen den Mut haben, sich Hilfe zu holen. „Die meiste Gewalt gegen Frauen passiert im sogenannten privaten Umfeld. Hier ist es für Betroffene besonders schwer, sich zu öffnen, da ja etwa Familienmitglieder und Freunde auch den Gefährder kennen. Mögliche Reaktionen wie ‚das traue ich deinem Mann nicht zu. Zu so etwas ist er nicht fähig. Er ist doch so ein Netter‘ machen jeden weiteren Versuch, sich Hilfe zu holen, zunichte.“ Es brauche Aufklärung über Gewalt, schon ab dem Kindesalter. Wichtig sei es auch, dass die gesetzlichen Maßnahmen, wie das polizeiliche Betretungs- und Annäherungsverbot, Anwendung findet, dass Anzeigen gut entgegengenommen und dokumentiert werden, sodass die Staatsanwaltschaft daraus eine Anklageschrift formulieren kann. „Und dass man Betroffene ermutigt, sich Hilfe zu suchen und das Erlebte nicht im Vorfeld bewertet und inFrage stellt“, so Egger.

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