Amstettner Krankenhauspersonal zu Corona-Situation: „Sehr belastend“

Die Arbeit auf der Covid-Station verlangt dem Pflegepersonal alles ab: ein Bericht aus dem Landesklinikum Amstetten.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:53
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Eine wichtige Aufgabe ist für das Pflegepersonal auf der Station 12 in Amstetten die Lagerung der Patienten. Viele, die künstlich beatmet werden, müssen zur besseren Belüftung der Lunge regelmäßig auf den Bauch gedreht werden.
Foto: Landesklinikum Amstetten

Im August kam wieder der erste Corona-Patient auf die Intensivstation des Landesklinikums und seitdem werden dort durchgehend Menschen mit Covid-Infektionen betreut.

Für das Personal ist das eine große Herausforderung: „Natürlich ist es belastend, ständig der Gefahr ausgesetzt zu sein, sich selbst zu infizieren, zu erkranken oder jemand anderen anzustecken. Alle Pflegepersonen sind sich auch bewusst, dass bei einem Dienstausfall andere Kolleginnen und Kollegen den Dienst übernehmen und einspringen müssen. Diese ständige Bereitschaft ist enorm fordernd und die Corona-Welle zieht sich schon sehr lange hin“, erzählt Stationsleiter und Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger Anton Gsöllpointner und spricht dabei im Namen des gesamten Teams der Station 12.

Zwölf Stunden lang dauert der Dienst auf der Intensivstation. „Im Tagdienst ist man für ein bis zwei und im Nachtdienst dann für zwei bis drei Patienten unmittelbar zuständig“, berichtet Gsöllpointner.

Arbeit in Schutzmontur ist sehr belastend

Die Aufgaben reichen von der Körperpflege, über die Verabreichung von Medikamenten, die Vorbereitung von und die Assistenz bei Untersuchungen und Behandlungen bis hin zur Überwachung der Organ- und Kreislauffunktionen und der gesamten Patientendokumentation. „Sehr wichtig ist auch die Lagerung der Patienten. Sehr viele, die künstlich beatmet werden, müssen zur besseren Belüftung der Lunge am Bauch gelagert werden“, erklärt Gsöllpointner. Das regelmäßige Umlagern ist für das Pflegepersonal körperlich sehr anstrengend und dass es all seine Tätigkeiten in Schutzmontur verrichten muss, macht die Sache nicht leichter. Diese umfasst einen dichten Schutzmantel, eine Haube, eine Schutzbrille oder einen Schutzschild, eine FFP3-Maske und zwei Lagen Schutzhandschuhe. „So ein Dienst ist sowohl physisch als auch psychisch sehr fordernd, weil die Schutzkleidung einerseits bei jedem Betreten der Patientenkojen zeitaufwendig angezogen werden muss und andererseits ein Aufenthalt im Patientenzimmer durchaus mehrere Stunden dauern kann – zum Beispiel bei der Neuaufnahme, aber auch beim Anlegen von Kathetern oder eines Beatmungstubus“, berichtet Gsöllpointner.

Da die Schutzmäntel nicht atmungsaktiv seien, werde die normale Dienstkleidung rasch vom Schweiß durchtränkt. „Zudem fällt es natürlich schwer, bei körperlicher Anstrengung durch die FFP3-Maske ausreichend zu atmen, wodurch manche Kollegen und Kolleginnen auch über Kopfschmerzen klagen. Spontanes Trinken oder ein WC-Besuch sind nicht möglich. Letztlich ist die eigene physische und psychische Fitness jedes Einzelnen sehr entscheidend“, erklärt der Leiter der Station 12 im Landesklinikum.

Sehr schwierig gestaltet sich die Kommunikation mit Covid-Patienten. Wegen der FFP3-Maske können diese ja das Gesicht und die Mimik der Pflegepersonen nicht erkennen und auch die akustische Verständigung ist eingeschränkt. Zudem stellt oft eine Sprachbarriere ein zusätzliches Problem dar. „Wir versuchen, uns mit Hilfsmitteln, wie Buchstabentafeln, Lippenlesen und ausgedruckten Wörtern mit Patienten zu verständigen, die aufgrund einer Beatmungskanüle nicht sprechen können. Wichtig ist es, beruhigend mit ihnen zu reden und ihrer Angst entgegenzuwirken“, sagt Gsöllpointner.

Kontakt zu Angehörigen nur durch Glastür

Ein großes psychisches Problem für die Covid-Patienten und ihre Angehörigen ist, dass diese das Zimmer nicht betreten dürfen, solange der Erkrankte als infektiös gilt. Sie können sich nur durch eine Glastür sehen.

Immer wieder sterben Patienten auf der Covid-Station, was für das Pflegepersonal sehr traurig und oft frustrierend ist: „Vor allem dann, wenn Menschen durch eine Impfung gerettet werden hätten können“, sagt Gsöllpointner.

Nach dem Dienst zur Ruhe zu kommen ist für das Pflegepersonal oft sehr schwierig. „Da muss letztlich jeder und jede eine eigene Strategie entwickeln. Die einen brauchen die Unterstützung von Familienangehörigen, die anderen wollen zuhause nicht über die Arbeit sprechen. Wichtig ist es, eine Methode zu finden, um abzuschalten, sei es durch Sport, Spazierengehen oder andere Hobbies“, sagt Gsöllpointner.