Corona an den Schulen: Sehnsucht nach der Normalität

Erstellt am 26. Januar 2022 | 03:58
Lesezeit: 5 Min
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Der Schultag beginnt auch an der Mittelschule Wolfsbach bei geöffneten Fenstern mit einem Test; am Foto mit den Schülern der 3. Klasse Direktorin Cornelia Wagner-Sturm und die Englischlehrerin Elisabeth Resch (von links).
Foto: Penz
Wie verändert Corona das Schulwesen? Die NÖN hörte sich bei einigen Schulen im Bezirk Amstetten um.
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Besuch in der Schule Wolfsbach – Empfang mit Desinfektionsmittelspender, das Tragen der Maske ist für alle selbstverständlich, man könnte beinahe meinen: alles gut – wie schon immer! Ein wenig trügt der Schein aber trotzdem: Die Schüler der dritten Klasse der Mittelschule vermissen natürlich den Skikurs, der schon im Vorjahr entfallen musste, und hoffen, ihn im März noch nachholen zu können!

Die Klassensprecher Annika Karan und Thomas Üblacker verweisen auf das CO₂-Messgerät, das von der Gemeinde kostenlos beim Land NÖ angefordert werden konnte, und teilen mit: „Es gibt Maskenpausen und wir lüften einmal während der Unterrichtsstunde, wenn die Luftgüte nicht mehr gegeben ist.“ Auch das Singen – nur mit Maske erlaubt – und das unbeschwerte Turnen werden vermisst, manchmal gibt es Spaziergänge als Ersatz. Die Englischlehrerin Elisabeth Resch meint am Beginn der Testphase: „Es hat sich alles eingespielt, wenngleich es herausfordernd ist, aber man gewöhnt sich eben daran!“ Ein „Quarantäne-Schüler“ nimmt an diesem Tag in den Hauptfächern online am Unterrichtsgeschehen teil, alle übrigen sind präsent. „In Aschbach befindet sich derzeit eine Klasse in Quarantäne, dort gibt es dann Distance-Learning“, erzählt die Schul-Cluster-Leiterin für Aschbach und Wolfsbach, Cornelia Wagner-Sturm. „Besonders wichtig ist in diesen Zeiten der Dialog, auch mit den Eltern, wir sind aber sehr dankbar, dass die Schulen überhaupt geöffnet sind!“

Anstatt eines „Tages der offenen Tür“ in der Mittelschule gibt es für die Volksschüler der 4. Klasse eine Rallye; paarweise dürfen sie Stationen anlaufen, ohne direkten Kontakt mit Mittelschülern zu haben.

„Brauchen Blickkontakte, Mimik und Gestik“

„Die Regeln machen Sinn, weil sich alle Schüler auf diese Weise möglichst lang in Präsenzform auch täglich treffen, und das miteinander Lernen möglich ist. Wir alle brauchen diese gemeinsame Zeit mit Blickkontakt, Mimik und Gestik!“, argumentiert Amstettens Gymnasium-Direktor Josef Spreitz.

Das ganze System stehe allerdings seit über einem Jahr unter Druck. Das könne man bei allen Beteiligten in der Schule erkennen. „Alle Lehrer tragen die Maßnahmen gewissenhaft mit, aber das ständige Testen, inklusive Wiederholungen aufgrund von Fehlern oder ausständigen Testergebnissen, ist leider sehr zermürbend. Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen leistet mein Kollegium enorm viel und steht sehr in der Öffentlichkeit“, führt Spreitz weiter aus.

Bei den Schülern bemerke er einerseits Freude, regelmäßig da zu sein, andererseits steigen Frustrationen aufgrund von fehlenden Schulveranstaltungen. „Vieles, was normalerweise als Krönung eines Schülerlebens erlebt wird, ist längere Zeit nicht möglich. Eltern haben natürlich auch diese Doppelbelastung: Zuhause und in der Arbeit die Pandemie zu bewältigen und bei ihren Kindern schulisch auch immer wieder suboptimale Phasen des Distance Learnings zu erleben“, weiß er. Die Maßnahmen würden vom Großteil der Eltern solidarisch mitgetragen werden, wenngleich diesen einzelne auch sehr kritisch gegenüber stehen würden.

Die Maturavorbereitungen gehen indes am Gymnasium reibungslos über die Bühne. „Von Unmut und Streik habe ich an unserer Schule nichts wahrgenommen. Persönlich freue ich mich immer auf die Reifeprüfung, weil hier stärken orientiert die Maturanten zeigen können, was sie wirklich können“, erklärt Spreitz. Er blicke nach der letzten Omikron-Durststrecke optimistisch in die Zukunft. Er könne zwar keinen Zeitpunkt angeben, wann es wieder einen normalen Schulalltag ohne Maske und Einschränkungen gebe, man würde diese Zukunft mit Schulveranstaltungen und anderen Highlights allerdings bereits planen. „Denn wir lassen uns sicher nicht unterkriegen. Und ich gebe Andrea Richter, der obersten Schulpsychologin, recht, wenn sie meint: Wir müssen wieder mehr Leichtigkeit in die Schulen bringen!“

Personalausfälle: Anstieg macht Sorgen

Josef Hörndler, Leiter der Außenstelle Mostviertel der NÖ Bildungsdirektion, spricht angesichts der Corona-Krise von einem Dauer-Ausnahmezustand. „Die Schulen versuchen, ein Maß an Regelmäßigkeit in den Dauer-Ausnahmezustand zu bringen“, sagt er. Er sieht Direktionen, Eltern, Schüler und Lehrer mit den sich laufend ändernden Herausforderungen an die Belastungsgrenze gerückt. Dass das PCR-Test-Regime seit Jahresbeginn nicht funktioniert, sei für viele Betroffene unverständlich. Das äußert sich in täglichen Anfragen.

Sorgen bereitet ihm der Anstieg an Personalausfällen durch Krankheiten und Quarantäne. Ein Lichtblick: Mit Jahresbeginn wurden 22 Lehramtsstudenten als Lehrer in der Region angestellt. „Außerdem steigt die psychische Belastung des Lehrpersonals und der Schüler stetig“, sagt Hörndler. Die Aufarbeitung werde die Schulpsychologen auf Jahre beschäftigen.

Wie sehr die Familien einen geregelten Schulbetrieb schätzen, zeigt andererseits die Tatsache, dass über 90 Prozent der Pflichtschüler trotz Sicherheitsphase, in der man ohne Begründung zu Hause bleiben darf, die Schulen besuchen.

Zusätzlich zur Aufarbeitung von psychischen Problemen der Kinder – Angststörungen, Depressionen steigen – sieht Hörndler auf Schulen die Aufgabe zukommen, der Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken und zwischen geimpften und ungeimpften Kindern auszugleichen. „Das kann Jahre dauern“, sagt er. Ein wichtiger Schritt wäre, ist er überzeugt, die Wiederaufnahme von Schulveranstaltungen: „Schwimmtage, Skikurse, Sportwochen, Wien-Aktion und Ausflüge verbinden.“

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