Mauer: Mehr Alkoholkonsum und Depressionen. Karlheinz Christian Korbel, Ärztlicher Leiter und Primar des Landesklinikums Mauer, berichtet über die Auswirkungen der Krise.

Von Peter Führer. Erstellt am 18. August 2021 (05:43)
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Ärztlicher Leiter Karlheinz Christian Korbel berichtete über steigenden Alkoholkonsum, Rückgang bei den Drogen und mehr Angst-Erkrankungen.
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„Wir haben eine schwere Zeit hinter uns und jetzt merken wir: Die psychischen Reaktionen auf die Krise folgen nach“, betont Karlheinz Christian Korbel, Ärztlicher Leiter des Landesklinikums Mauer. Unter dem Titel „Angst, Depression, Sucht – sind mehr Menschen davon betroffen?“ berichtete er vergangenen Freitag über die Folgen der Krise.

Alkohol. Der Alkoholkonsum stieg in den vergangenen Monaten deutlich an. „Das bedeutet aber nicht, dass das ewig so bleibt. Der Konsum hat sich vom öffentlichen Raum, etwa in den Wirtshäusern, in den Privatbereich verlagert. Vier mal so viele Männer wie Frauen sind abhängig und es ist auch zu einigen Fällen gekommen, wo es zuhause mit Gewalt eskaliert ist und wir dann auch Kinder und betroffene Angehörige aufnehmen mussten“, schildert Korbel.

Prinzipiell bräuchten Alkoholkranke viel häufiger therapeutische Hilfe als angenommen wird. „Auch, weil man in Österreich lange Zeit mit Alkoholabhängigkeit nicht auffällt“, weiß Korbel. Um auf den höheren Andrang auf die Alkoholstation zu reagieren, wird in Mauer übrigens eine ambulante Tagesbetreuung geschaffen. Das bedeutet, dass Patienten von 8 bis 16 Uhr im Landesklinikum verweilen, danach aber wieder nach Hause kommen. Ziel ist es, einen geregelten Tagesablauf zu simulieren.

Drogen. Auf der anderen Seite ist es zu einem Rückgang des Drogenkonsums, insbesondere von Kokain und Ecstasy gekommen. Das lasse sich darauf zurückführen, dass jener Bereich, wo diese Drogen zumeist konsumiert werden, wie die Party- und Clubszene über weite Strecken geschlossen war. „Viele Patienten haben dann statt Drogen sich auf Partys zuhause zurückgezogen und Alkohol konsumiert“, erläutert Korbel. Ein Spezialfall ist Cannabis. Hier haben jene, die zuvor viel konsumierten, ihren Konsum noch erhöht. Jene, die selten zugegriffen haben, haben oft ganz aufgehört.

Mehr beruhigende Medikamente

Einen Anstieg gab es auch bei verschriebenen Medikamenten, insbesondere Benzodiazepinen, die angstlösend und beruhigend wirken. Ein Engpass beim Heroin führte zudem zu mehr Nachfrage nach Opioidsubstitutionstherapie. Der Konsum von Crystal Meth steige auch an, aber in Österreich auf einem sehr geringen Niveau. Klar sei, dass Suchterkrankungen immer auch die ganze Familie betreffen. In Österreich gibt es etwa eine Million Menschen mit problematischen Konsum, 350.000 mit Alkoholabhängigkeit.

Depressionen und Angst. Bei den Depressionen und Angst-Erkrankungen gibt es einen Anstieg. „Das heißt nicht, dass alle krank bleiben. Aber es werden doch mehr. Und noch stärker trifft es die Gruppe, die vorher schon krank war. Diese leiden noch mehr unter der Pandemie“, erklärt Korbel. Dabei hätten viele den ersten Lockdown noch nicht als so belastend empfunden.

Im Laufe der Zeit stellten sich dann jedoch wieder die selben Probleme ein. Die schwierige Zeit würden alle spüren und bei jenen, die bereits vorher Ängste hatten, verstärken sich diese noch. „Es gibt vermehrt Angst um den Arbeitsplatz oder Angst davor, keine Ausbildungsmöglichkeit zu erhalten. Stark betroffen sind sozial Schwache und alleinerziehende Frauen, die unter Überlastung leiden.“ Der Andrang bei der Akkutpsychiatrie sei enorm. Man sei voll ausgelastet. Auf die Station kommen Menschen aus den Bezirken Melk, Scheibbs, Amstetten und der Statutarstadt Waidhofen.

Abschließend verweist Korbel auch auf die großen Herausforderungen für die Mitarbeiter des Landesklinikums. Es sei schwierig gewesen, den Betrieb aufrecht zu erhalten, da auch einige Beschäftigte an Corona erkrankten. Im Festsaal implementierte man eine Impfstraße und Teststationen für die Mitarbeiter.

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