Patientenbefragung: Betriebsrat ist empört

Bei einer Umfrage der NÖ Landesgesundheitsagentur haben 22.000 Patienten ihren Aufenthalt in einer der NÖ Kliniken beurteilt. Am Montag wurden die Ergebnisse präsentiert. Im Landesklinikum Mauer sind zwar über 90 Prozent der Patienten mit ihrer Betreuung sehr zufrieden, dennoch ist das Spital in manchen Kategorien Schlusslicht der Bewertung, was bei der Präsentation auch deutlich sichtbar wurde. Mauers Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder ortet darin "schlechten Stil und Demotivation" der Mitarbeiter durch die LGA. Diese spielt den Vorwurf aber an den Betriebsrat zurück.

Erstellt am 18. September 2021 | 11:14
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Der Betriebsratsvorsitzende des Landesklinikums Mauer, Wolfgang Schoder, ist empört über die Präsentation der Patientenbefragung und kritisiert die Landesgesundheitsagentur scharf: „Zuerst nehme ich den Leuten die Motivation und dann haue ich auch noch auf sie hin."
Foto: Knapp

„Zuerst nehme ich den Leuten die Motivation und dann haue ich auch noch auf sie hin“: Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder vom Landesklinikum Mauer ist so richtig sauer über die Führung Landesgesundheitsagentur. Grund dafür ist die in der Vorwoche präsentierte Umfrage zur Patientenzufriedenheit, in der Mauer im NÖ-Vergleich der Krankenanstalten in mancher Kategorie auf dem letzten Platz rangiert. „Was ich sage, ist nur das Stimmungsbild der Mitarbeiter im Klinikum. Sie geben das Beste für die Patienten und Kunden, werden aber immer wieder demotiviert“, ärgert sich Schoder.

Ihn stört an der Patientenumfrage mehreres. Vor allem sei es einfach unfair, das Landesklinikum Mauer, das man durch die Absiedelung der Neurologie auf eine reine Psychiatrie reduziere, mit einem normalen Krankenhaus zu vergleichen. „Denn natürlich haben wir Patienten, die nicht freiwillig hier sind und die Betreuung und Kommunikation ist da oft sehr schwierig. Dass es da dann auch eine andere Bewertung der Ärzte und des Personals gibt, ist klar.“

Schoder kritisiert aber auch, dass in früheren Jahren bei der Präsentation der Umfrage nur jene Landeskliniken genannt wurden, die bei der Patientenzufriedenheit besonders gut abgeschnitten hätten – auch Mauer war da übrigens oft dabei. „Doch diesmal stellen sich Geschäftsführung und Politiker hin und präsentieren auch die letzten auf der Liste. Das ist in meinen Augen ein sehr schlechter Stil“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Das Landesklinikum Mauer rangiert im Vergleich der Pflege-, der Ärzteteams und des Infomanagements am letzten Platz der Wertung, was man allerdings relativieren muss: Denn die Zufriedenheit der Patienten liegt in allen Bereichen noch immer deutlich über 90 Prozent. Bei der Servicequalität liegt Mauer übrigens im Mittelfeld der NÖ-Kliniken.

„Für die Mitarbeiter war es im Juli des Vorjahres natürlich ein harter Schlag, als es hieß, dass die Neurologie wegkommt, wofür es, aus meiner Sicht, nach wie vor keinen plausiblen Grund gibt. Dass da der Motivationsfaktor natürlich nicht mehr ganz gestimmt hat, ist wohl klar. Die Beschäftigten haben sich aber trotzdem immer um eine optimale Betreuung der Patienten bemüht“, sagt Schoder. Er weist auch darauf hin, dass die Multimodale Schmerztherapie der Neurologischen Abteilung im Landesklinikum Mauer erst kürzlich wieder ein internationales Zertifikat als Bestätigung für die hohe Qualität der Behandlung erhielt. 

Der Zeitpunkt der Absiedelung der Neurologie steht inzwischen ja fest. Mit 31.3.2022 sollen die noch vorhandenen 61 Betten in die Landeskliniken Melk und Amstetten verlegt sein. 

Vonseiten der Landesgesundheitsagentur weist man in einer Stellungnahme die Kritik Schoders zurück und bekundet große Zufriedenheit mit der Arbeit aller Beschäftigten des Landesklinikums Mauer:

"Es ist schade, dass sich Herr Betriebsrat Schoder offensichtlich nicht mit seinen vielen anderen Kollegen der NÖ Landes- und Universitätskliniken über die erneut großartigen Ergebnisse der aktuellen Patientenbefragung freuen kann. Bewertungen mit rund 90 von 100 möglichen Punkten sind sensationell und bestätigen die Erstklassigkeit und Menschlichkeit, mit der unsere Mitarbeiter tagtäglich ihre Leistungen erbringen. Das verdient Respekt und macht uns alle als Landesgesundheitsagentur unglaublich stolz. Entbehrliche Erbsenzählerei bei Einzelplatzierungen ist hochgradig unfair gegenüber jenen, die zum Wohle der von ihnen versorgten Menschen arbeiten. Denn jedes Klinikum, so auch Mauer, weist individuelle Besonderheiten auf, die es bei der Interpretation der Detailergebnisse zu berücksichtigen gilt. Wir wissen, dass alle Kollegen, egal an welchem Standort, ihr Bestes geben – und das ist es, was zählt."

Die Leitung des Klinikums Mauer gab gegenüber der NÖN keine Stellungnahme ab.

In der nächsten NÖN-Ausgabe:

Was eine - aufgrund des Regionalen Strukturplans Gesundheit - bereits erfolgte Bettenreduktion in der Neurologie in Mauer laut Betriebsrat für Auswirkungen hat und wie die Landesgesundheitsagentur diese Maßnahme begründet, lesen Sie in Ihrer nächsten NÖN-Ausgabe.