Abgeordnete Hinterholzer: „Wir haben Alarm geschlagen“. Abgeordnete Michaela Hinterholzer über Wirtschaft, Gemeinde und die schwierige Lage der Pflege.

Von Peter Führer. Erstellt am 18. August 2021 (05:51)
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„Ich hoffe, dass im Herbst endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden“, betont Michaela Hinterholzer mit Blick auf die Pflegereform. Will man den Standard halten, brauche es mehr Ausbildung und – damit ver- bunden – mehr Geld.
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„Wir haben seit 40 Jahren einen Betrieb im Baugewerbe, aber so eine Situation, wie es sie jetzt gibt, habe ich noch nicht erlebt“, holt Hinterholzer aus. Die Auftragslage sei sehr gut, man könnte – bei ausreichendem Personal – allerdings noch deutlich mehr Aufträge abwickeln. „De facto haben wir Vollbeschäftigung und es gibt einen eklatanten Fachkräftemangel, der das Wirtschaftswachstum limitiert. Man geht derzeit von 4 Prozent aus, durch das Personalthema wird das Wachstum auch nicht höher ausfallen“, unterstreicht die ÖVP-Politikerin.

Ein zweites Problem sei der Rohstoffmangel. „Das ist auch ein bisschen hausgemacht, weil viele Firmen zu lange in Kurzarbeit waren“, analysiert Hinterholzer. Sie rechnet damit, dass sich die Lage noch zumindest bis Mitte des nächsten Jahres nicht ändern wird. Der Auftragspolster sei nämlich groß. „Auf der anderen Seite hört man aber auch bereits, dass der eine oder andere seine Projekte aufgrund der gestiegenen Kosten verschieben wird. Das betrifft auch Gemeinden, die verschieben oder auch zum Beispiel den Kindergarten kleiner bauen. Ich denke, der Bauboom wird sich durch die Preissituation verlangsamen.“

Glasfaserausbau und Hochwasserschäden

Neben der Wirtschaft berichtete Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer im Rahmen eines Sommergespräches auch über Neuigkeiten in der Gemeinde Oed-Öhling und Herausforderungen bei der Pflege: In Oed-Oehling laufe der Glasfaserausbau durch die nöGIG (Niederösterreichische Glasfaserinfrastrukturgesellschaft) auf Hochtouren. „Da werden momentan viele Straßen aufgegraben. Nicht immer zur Freude aller Anrainer. Daher müssen diese Straßen bald wieder hergestellt werden“, so die Bürgermeisterin.

Das Interesse an Glasfaser steige immer mehr an. So kommen auch jetzt immer wieder neue Anmeldungen dazu. Derzeit liegt man bei 900 Haushalten. „Bei dieser Gelegenheit werden auch viele andere Leitungen erneuert. Wir haben dann 80 Prozent ausgebaut. Die restlichen Haushalte versuchen wir durch Bundesförderung und Vorfinanzierung der Gemeinde zu finanzieren“, führt Hinterholzer aus. Es gebe übrigens auch eine Initiative, dass über die Wirtschaftsraum Amstetten GmbH mehrere Gemeinden gleichzeitig um Bundesförderung ansuchen.

Weitere große Themen der jüngeren Vergangenheit: der laufende Ausbau der B1 und die Eröffnung des Spar-Marktes sowie die Fertigstellung der Url-Erweiterung.

„Jeder Fünfte müsste Pflegeberuf ergreifen“

Großer Schwerpunkt des Pressegespräches war der Bereich Pflege. Als Hilfswerk NÖ-Präsidentin verwies Hinterholzer auf den gravierenden Personalmangel. „Wir haben Alarm geschlagen und einen Brief an den Minister geschrieben. Es braucht dringend mehr Ausbildung, wenn wir den aktuellen Standard halten wollen“, fordert Hinterholzer.

Nicht nur beim Hilfswerk, sondern auch bei weiteren Trägerorganisationen herrscht Personalbedarf. Die Digitalisierung könne zwar helfen, aber nicht die pflegenden Menschen ersetzen. Bei der Pflegereform gibt es zwar eine Ideensammlung, sonst fehle es allerdings an Maßnahmen. „Berechnungen zeigen, dass wir bis 2030 zusätzlich 75.000 Pflegekräfte brauchen. Das heißt, jeder fünfte Jugendliche müsste einen Pflegeberuf ergreifen. Daher wird es auch Hilfe aus dem Ausland brauchen und wir müssen nachdenken, aus welchen Ländern wir Kräfte holen“, analysiert Hinterholzer.

In Mauer ist ein Ausbildungscluster geplant, aber es brauche mehr Lehrgänge. Dazu gehöre auch, dass Personen, die in Niederösterreich ausgebildet werden, eine gewisse Zeit lang auch in Niederösterreich ihrer Tätigkeit nachgehen sollten. Auch nach dem Abschluss eines AMS-Kurses sollten Kursteilnehmer beruflich in der Pflege arbeiten.

Um ausreichend Interessenten begeistern zu können, sei es entscheidend, das Image aufzupolieren und den Beruf positiv darzustellen. „Das kann eine erfüllende Tätigkeit sein. Wichtig ist auch, die entsprechende Bezahlung zu bieten und dass Pflegeschulen aktiver werben“, sagt Hinterholzer.

Idee: 1.500 Euro für pflegende Angehörige

Neben der Ausbildung tritt Hinterholzer für eine gezielte Entlastung der pflegenden Angehörigen ein. 91.000 Niederösterreicher beziehen Pflegegeld, 62 Prozent davon werden von der Familie gepflegt, 20 Prozent nehmen mobile Dienste in Anspruch. Denkbar seien 1.500 Euro zusätzliche Entschädigung für pflegende Angehörige. Eine Anstellung, wie von der SPÖ gefordert, sei aufgrund vieler offener arbeitsrechtlicher Fragen nicht sinnvoll.

Außerdem fordert Michaela Hinterholzer eine kostenlose Pflegeberatung für Familien und mehr Fairness und eine Valorisierung beim Pflegegeld. „Die Menschen wollen daheim bleiben und da gilt es, das so gut wie möglich zu managen. Es ist Feuer am Dach und ich hoffe, dass im Herbst endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden“, schließt die Hilfswerk-Präsidentin.

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