Schweinefleisch im Kindergarten bleibt Polit-Zankapfel. VP sicher, dass auch andere Kindergärten kein Schweinefleisch anbieten. SP will es ihnen nicht vorschreiben.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 12. September 2017 (06:03)
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Symbolbild: Shutterstock-Slawomir-Fajer

Die Wogen gehen in der Stadt wieder einmal hoch. Der Zankapfel heißt Schweinefleisch im Kindergarten ( die NÖN hat ja schon in Woche 35 darüber berichtet, siehe hier und unten).

Diskussion in sozialen Netzwerken nahm Fahrt auf

Eltern hatten sich in einem anonymen Schreiben bei VP-Vizebürgermeister Dieter Funke darüber beschwert, dass in einem Kindergarten beim Mittagstisch für Kinder in der Nachmittagsbetreuung kein Schweinefleisch mehr angeboten würde. Begründung der Kindergartenleitung: Man verzichte darauf, weil dort auch Kinder anderer Kulturen essen würden.

Für Funke geht das gar nicht. „Ich will niemand zwingen Schweinefleisch zu essen, aber die Leute, die zu uns kommen, müssen sich schon an unsere Kultur anpassen und nicht umgekehrt“, forderte er eine Änderung der Regelung.

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Dieter Funke mit dem Schreiben der Kindergartenleitung an die Eltern. Foto: Knapp

In der Vorwoche nahm die Diskussion in den sozialen Netzwerken Fahrt auf und auch die Boulevardmedien stürzten sich auf das Thema.

Offener Brief von Bürgermeisterin Puchebner

Bürgermeisterin Ursula Puchebner sah sich schließlich genötigt, sich mit einem offenen Brief gegen Anschuldigungen zu wehren, sie habe ein Schweinefleischverbot in Kindergärten erlassen. „Ich weise derartige Aussagen auf das Schärfste zurück. Es gab weder von mir noch vom Sozialamt eine Weisung, dass kein

Schweinefleisch in Amstettner Kindergärten zur Ausspeisung gelangen darf“, erklärt die Stadtchefin. Das sei alleinige Entscheidung der Kindergartenleiterin gewesen, die eine Bedienstete des Landes sei. Für Puchebner „entbehrt die Diskussion jeglicher sachlicher Grundlage und ist längst in Populismus und Menschenverachtung übergegangen.“

Die Stadtchefin und Sozialstadtrat Gerhard Riegler (SP) haben inzwischen auch ein Gespräch mit der Kindergartenleitung, der Kindergarteninspektorin und Elternvertretern geführt. „Vor allem die Eltern verstehen die Aufregung überhaupt nicht. Es macht sie betroffen, dass diese Diskussion auf dem Rücken ihrer Kinder ausgetragen wird und plötzlich Fernsehteams versuchen, bei den Fenstern des Kindergartens hinein zu filmen“, erzählt Puchebner.

Sozialstadtrat Gerhard Riegler betont, er werde die Kindergärten weder anweisen Schweinefleisch anzubieten, noch es nicht zu tun. „Wir schreiben ihnen ja auch nicht vor, welche Lieder sie singen müssen. Die Pädagoginnen wissen am besten, was die Kinder gerne essen.“ Funke gehe es nur um politisches Kleingeld im Vorfeld der Nationalratswahl: „Das ist offenbar der neue Stil der Kurz-ÖVP!“

Falsches Zeichen in Sachen Integration

Der VP-Vizebürgermeister selbst legte am Freitag bei einer Pressekonferenz noch ein Schäufelchen nach: „Es handelt sich leider nicht um einen Einzelfall. Es haben mich inzwischen auch noch Eltern kontaktiert, deren Kinder in einem anderen Kindergarten oder einem Hort in der Nachmittagsbetreuung sind. Dort wird das genauso gehandhabt. Ich halte daher fest: Es ist in Amstetten fast normal, dass in Kindergärten und Horten beim Mittagessen kein Schweinefleisch angeboten wird.“

Funke hält das nicht nur für ein falsches Zeichen in Sachen Integration, sondern sieht auch einen wirtschaftlichen Aspekt: „Das geht auch gegen die Interessen unserer Schweinebauern.“

Für den VP-Politiker liegt es an Stadtrat Riegler, für einen ausgewogenen Speiseplan in den Kindergärten zu sorgen. Es müsse ja auch möglich sein, zwei Menüs anzubieten. „Im Übrigen sollten wir infrage stellen, warum wir tiefgekühltes Essen der Firma Gourmet beziehen, wenn wir zwei Landeskliniken mit gut funktionierenden Großküchen haben, die es frisch liefern könnten.“

Scharfe Kritik übt Funke am offenen Brief der Bürgermeisterin. „Mich erschüttert, dass sie darin den Kindergarten nennt und auch noch den Namen der Leiterin und die Verantwortung auf sie abwälzt. Ich selbst habe den Kindergarten nie genannt.“

Das Schreiben war eindeutig zuordenbar

Für Puchebner ist das lächerlich. „Das Schreiben der Kindergartenleitung, das Funke präsentiert hat, war für viele Leute eindeutig zuordenbar. Wenn es ihm nicht um Populismus ginge, hätte er ja direkt den Kontakt mit mir oder der Kindergartenleiterin suchen können, anstatt in die Medien zu gehen.“

Kritik am Krisenmanagement der SPÖ Amstetten übt aber auch VP-Nationalrat Andreas Hanger: „Die Bürgermeisterin hätte klarstellen sollen, dass künftig in den Kindergärten natürlich Schweinefleisch angeboten wird, dann hätten wir die Diskussion gar nicht.“

Für Stadtrat Riegler kommt das aber nicht infrage und die Kindergärten von den Landeskliniken beliefern zu lassen, sei derzeit logistisch nicht möglich. „Wir haben kein Auto dafür.“

Was die anderen Partein im Gemeinderat und die Kindergartenabteilung des Landes zur Schweinefleischdebatte sagen, lest ihr in eurer neuen NÖN-Ausgabe sowie im ePaper!