Sepp Ehebruster aus Viehdorf nutzt die Fastenzeit. Sepp Ehebruster aus Viehdorf ist blind. Er nützt jährlich die Fastenzeit, um sich fit zu halten.

Von Heribert Hudler. Erstellt am 20. März 2021 (04:37)
Sepp Ehebruster arbeitet im Krankenhaus Amstetten.
Hudler, Hudler

„Ich habe schon vor mehr als 20 Jahren entdeckt, dass Fasten meinem Körper ein Wohlbefinden über das ganze Jahr hervorruft“, sagt Sepp Ehebruster, der seit seinem zweiten Lebensjahr wegen einer missglückten Augenoperation blind ist. Ehebruster ist mit einer Hornhautkrümmung geboren worden und 1955 im AKH Wien operiert worden. „Bei diesem Eingriff hat der Operateur beide Augen ruiniert“, erzählt der nunmehrige 67-jährige Ehebruster. Fasten hat für den Sepp nicht nur eine religiöse, sondern auch eine gesundheitliche Bedeutung. „Ich muss mich fit halten, sonst würde ich wahrscheinlich jedes Jahr an Körpergewicht zunehmen“, sagt Ehebruster.

Fastenzeit beginnt bereits mit Jahresanfang

Er hat aber seine eigenen Regeln beim Fasten. Ehebruster betont, dass er seit zehn Jahren schon am ersten Jänner beginnt und erst am Karfreitag aufhört. In dieser Zeit trinkt Ehebruster keinen Alkohol und reduziert das Essen. Weiters wandert er täglich alleine bis zu sechs Kilometer. Außer bei Schlechtwetter oder extremer Hitze. „Ich trinke gerne ein oder mehrere Achterl Wein oder ein kleines Bier. In der Fastenzeit allerdings nichts“, sagt Ehebruster.

Im Jahr 1960 kam Ehebruster in die Blindenschule in der Mittelsbachgasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk, wo er die Volks- und Hauptschule und die Handelsschule besuchte. Mit zwölf Jahren bewältigte Ehebruster die Fahrt von Amstetten nach Wien Westbahnhof, Stadtbahn und Straßenbahn schon alleine. Von 1971 bis 2014 war Ehebruster im Krankenhaus Amstetten und danach im Landesklinikum als Arztschreibkraft beschäftigt.

Ehebruster arbeitete für die Chirurgische und Gynäkologische Abteilung. Seit 1990 ist Sepp Ehebruster mit seiner Gattin Karin verheiratet und stolzer Vater von drei Kindern. Zu seinem Leidwesen leidet Karin an einer unheilbaren Krankheit, die ihm und der Familie schwer zu schaffen macht. Eltern, Bruder, Freunde und Kollegen vom Krankenhaus halfen ihm 1977 bei der Errichtung seines eigenen Hauses, bei dem Ehebruster selbst mit Hand anlegte. Tätigkeiten wie Zementsäcke tragen oder Ziegeln reichen, meisterte er mühelos.

In jungen Jahren war der Viehdorfer übrigens auch sportlich sehr aktiv. Seine Leidenschaft war das Skifahren. 1982 errang Ehebruster bei der Behindertensport-Weltmeisterschaft in den Berner Alpen in der Schweiz zwei Silbermedaillen. Sein Bruder Karl war der vor ihm fahrende Skifahrer.

Ehebruster freut sich immer wieder, wenn ihn seine Arbeitskollegen oder Freunde besuchen kommen. Ob Ärzte, Pflegepersonal- oder Klinikumsmitarbeiter, alle sagen: „Der Sepp ist ein echtes Unikat und wir bewundern ihn, wie er, trotz seiner Sehbehinderung, sein Leben hervorragend meistert.“