Amstetten: Aktion "StoP" gegen Gewalt. Projekt soll die Bevölkerung im Bezirk für die Problematik sensibilisieren.

Von Margit Brückner. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:16)

Jede fünfte Frau ab dem Alter von 15 Jahren ist von Gewalt betroffen – nicht nur von körperlicher oder sexueller Gewalt, sondern auch von soziale Einschränkungen im täglichen Leben wie Mobbing, Wegsperren oder das Fernhalten vom sozialen Umfeld.

„Es gibt elf Standorte in Österreich, in denen das Gewaltpräventionsprojekt ‚StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt’ realisiert wird. Amstetten ist einer davon“, berichtet Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Mittwoch der Vorwoche in einer Pressekonferenz.

Begonnen hat das „StoP“-Projekt, das vom Verein AÖF (Autonome Österreichische Frauenhäuser) gestartet wurde, vor zwei Jahren mit einem Versuch in Wien/Margareten. „Jede Stadt, jede Gemeinde und jeder Bezirk in Österreich soll künftig involviert werden, damit der Partnergewalt an Frauen und Kindern keine Chance gegeben wird“, sagt Königsberger-Ludwig.

Zur erfolgreichen Realisierung bedarf es einer langfristigen Finanzierung. Das Nachbarschaftsprojekt setzt sich zum Hauptziel, Partnergewalt und häusliche Gewalt durch die Sensibilisierung der benachbarten Bevölkerung zu erkennen und zu verhindern. „Ein wichtiger Punkt zur Identifizierung von Gewalt und auch zur Prävention ist die Stärkung der Zivilcourage in der Bevölkerung“, betont die Landesrätin.

Bewusstsein gegen Gewalt schaffen

Mit der Frage, „Wie können wir handeln, um diese Gewalt zu unterbrechen?“, wird die Bevölkerung aufgefordert, ein Bewusstsein zu schaffen und eine klare Haltung gegen jede Form von Gewalt einzunehmen. Diese Frage richtet sich an alle Altersgruppen, Schichten, Nationalitäten und Religionen. „Denn leider kommt es in allen Bevölkerungsgruppen immer wieder zu Gewalt“, berichtet Königsberger-Ludwig.

Auch die Gewalt gegenüber älteren Personen hat in Zeiten von Covid-19 deutlich zugenommen und gravierende Auswirkungen für die Betroffenen. Dabei handelt es sich im Allgemeinen um ein geschlechtsspezifisches Problem, ältere Frauen sind demnach stärker betroffen.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Oft kommt es jahrelang immer wieder zu Gewalt, dazu gesellen sich Probleme wie Isolation und Einsamkeit. Die Frauen sind dabei oft spezifischen Nachteilen ausgesetzt und meist wirtschaftlich sehr abhängig – besonders, wenn sie bereits pflegebedürftig sind. Ängste und Unsicherheiten verstärken die Anforderungen an das Pflegepersonal.

Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, konnten durch die Förderung zusätzlich 20 StoP-Koordinatoren in Wien ausgebildet werden. Neben Beratungsstellen, Telefonfürsorge und Männernotruf werden immer öfter Onlineberatungen als Hilfe-Maßnahme in Anspruch genommen.

Bei vielen Anzeigen keine Verurteilung

„Bei acht von zehn Anzeigen kommt es nicht zu einer Verurteilung, weil die Beweiskraft zu gering ist. Meistens fehlen die dazu notwendigen Dokumente“, schildert Ursula Kromoser-Schrammel vom Frauenhaus Amstetten die Probleme und Herausforderungen, die es gibt, wenn Gewalt gemeldet wird.

Für die bestmögliche Unterstützung des Projekts spricht Amstettens Bürgermeister Christian Haberhauer auch die notwendige Vernetzung und Zusammenarbeit der Bereiche Frauenhaus und der Initiative Gemeinsam.Sicher an. „Wir werden Zeichen setzen, um das Recht jeder Frau, jedes Kindes, jedes Menschen auf ein selbstbestimmtes, gewaltfreies Leben zu gewährleisten“, sagt der Bürgermeister.