Anrainer in Biberbach gegen Bauland. Gemeinde Biberbach will bei Siedlung Adersdorf neue Flächen erschließen. Bewohner wehren sich und äußeren Bedenken aus ökologischer und ökonomischer Sicht.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 18. Oktober 2020 (06:12)
Bürgermeister Fritz Hinterleitner präsentiert den Kompromissvorschlag der Gemeinde für das neue Bauland in Adersdorf.
Knapp

Die geplante Erschließung von neuem Bauland im Umfeld der Siedlung Adersdorf treibt dort Bürger auf die Barrikaden. Der Verein Umwelt, Kultur und Nachhaltigkeit mit Präsident Johann Gartlehner, aber auch einzelne Anrainer äußern starke Bedenken gegen die geplante Umwidmung. Auch Unterschriften dagegen wurden gesammelt.

Einwände gibt es vonseiten der Bürger aus ökologischer und ökonomischer Sicht. Durch die Widmung neuer Gründe würde eine Zersiedlung stattfinden und es würden unnötig Naturräume verbraucht, fürchten die Bürger. „Das neu geplante Wohngebiet soll rund um ein kleines Bauerndorf des 12. Jahrhunderts mit ursprünglich sieben Gehöften entstehen. Zwischenzeitlich wurden die meisten Grundstücke verpachtet oder verkauft und so wurde Stück für Stück erweitert, dabei entstand eine kleine Siedlung. Die nun geplante Erweiterung erreicht aber ein wesentliches Ausmaß und wäre ein Paradefall für falsche Klimapolitik“, heißt es in einem Schreiben an die Gemeinde. Die Bürger kritisieren, dass in Adersdorf die Versorgungsinfrastruktur für zusätzliche Bewohner fehle. So müsse das Trinkwasser zunächst energieintensiv auf den Berg hinaufgepumpt und die Abwässer müssten danach in die etwa 20 Kilometer entfernte Amstettner Kläranlage entsorgt werden.

Gegen eine Erweiterung der Siedlung spricht für die Anrainer aber vor allem das Angebot an öffentlichem Verkehr. „Je nach Ausmaß und Siedlungsentwicklung würden da (durch Autos der künftigen Bewohner) bis zu 420.000 Kilo zusätzliche CO2-Emissionen erzeugt. Das steht diametral zu den Klimazielen“, heißt es im Schreiben, an die Gemeinde.

Gemeinde hat einen Kompromissvorschlag

Bürgermeister Fritz Hinterleitner teilt die Einwände der Bürgerliste nicht. „Und es gibt auch in der Siedlung selbst unterschiedliche Standpunkte dazu“, sagt der Ortschef. Er möchte die Causa auf sachlicher Ebene abhandeln. Tatsache sei, dass im Hauptort kaum noch Bauparzellen zur Verfügung stünden, oder wenn, dann nicht verkauft würden. In Adersdorf hätten sich Grundbesitzer hingegen bereit erklärt, Flächen zur Verfügung zu stellen. Die Gemeinde plante ursprünglich, drei Hektar umzuwidmen – knapp einen Hektar in Bauland und zwei Hektar in Freihaltereserve (ein weiterer Hektar Baulandreserve existiert in Adersdorf schon).

Im September fand eine Bürgerversammlung statt, bei der es zum Teil sehr emotional zuging. „Es kamen sachliche Einwände bezüglich Umweltschutz und Bodenversiegelung, aber es gibt in Adersdorf natürlich auch Leute, die persönliche Interessen verfolgen und einfach nicht wollen, dass in der Nähe ihres Hauses noch jemand baut“, befindet der Bürgermeister.

Die Gemeinde hat aber beschlossen, auf die Bedenken der Anrainer einzugehen. „Um zu signalisieren, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen und auch um die Emotionen zu reduzieren haben wir das Areal, das wir umwidmen wollen, um die Hälfte reduziert“, berichtet der Bürgermeister. Es sollen also nur noch etwa 0,6 Hektar neues Bauland und ein Hektar Freihaltezone entstehen. Die Gemeinde gibt auch die Zusicherung ab, dass dieses neu gewidmete Gebiet auch in Zukunft nicht erweitert werden soll. In den kommenden Wochen wird zudem ein hydrologisches Gutachten für den Bereich erstellt. Dabei soll genau analysiert werden, wie sich die Versiegelung neuer Flächen auf die Wassersituation in Adersdorf auswirken wird. Viele Häuser werden noch durch einen Hausbrunnen versorgt.

„Ich bin optimistisch, dass wir letztendlich zu einem Kompromiss kommen werden“, sagt Hinterleitner. Im Dezember könnte der Gemeinderat die Umwidmung beschließen.