Prozess nach "Sex-Attacke": Afghane (17) vor Gericht. Minderjähriger Afghane stand nach Vorfall bei St. Georgen am Ybbsfelde im Bezirk Amstetten Anfang August am Mittwoch in Korneuburg vor Gericht. Er bekannte sich nur der sexuellen Belästigung schuldig.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 14. September 2016 (14:17)
NOEN, Erwin Wodicka (www.BilderBox.com)
Am Korneuburger Landesgericht wurde der Fall aus dem Bezirk Amstetten verhandelt.

Ein 17-jähriger afghanischer Asylwerber soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, am 2. August im Bezirk Amstetten eine Frau sexuell belästigt und eine weitere zu vergewaltigen versucht haben (NÖN.at hatte über die "Sex-Attacke" berichtet, siehe ganz unten).

Der Jugendliche musste sich dafür am Mittwoch (aufgrund seiner Unterkunft) am Landesgericht Korneuburg verantworten und bekannte sich nur der Belästigung schuldig.

Geburtsdatum falsch umgerechnet?

Der Vorfall hatte sich auf einem Spazierweg einer Gemeinde im Mostviertel ereignet. Zwei befreundete junge Mütter hatten ihre Kinderwagen geschoben, als der junge Mann einer Frau im Vorbeigehen aufs Gesäß griff.

Dann kehrte er laut Anklageschrift um, umschlang die andere von hinten mit beiden Armen und versuchte, ihr die Hose herunterzuziehen. Als sich die Angegriffene wehrte und ihre Freundin ihm auf den Kopf schlug, lief er davon, wurde aber kurz darauf im Zuge einer Fahndung von der Polizei gestellt.

Als Geburtsdatum nannte der Beschuldigte den 17. Juni 1999. Dazu merkte der Richter an, dass bisher im Akt der 1. Jänner zu finden war. Das sei falsch umgerechnet worden, meinte er via Dolmetscher. Ausweis habe er keinen. Seit Juli 2015 ist er in Österreich.

Angeklagter hatte keine Erklärung für Tat

An jenem Sommertag fuhr er mit dem Zug in den Bezirk Amstetten, um einen Freund zu besuchen, sagte der Angeklagte. Als er ankam und ihn anrief, hob dieser am Telefon nicht ab, weshalb er sich zu Fuß auf den Weg machte.

Er könne sich nicht erklären, warum er das gemacht habe, beteuerte der Angeklagte. Er habe überhaupt kein Problem mit Frauen und sei eigentlich zurückgegangen, um sich für seinen unangebrachten Griff zu entschuldigen.

Dass er die andere Frau umfasst habe, sei eine Lüge, erklärte der 17-Jährige. Für den Richter war es "undenkbar", dass es beim Entgegenkommen "versehentlich" - wie der junge Mann angegeben hatte - zu derartigen Berührungen kommen kann. Dass er dann mit Bewegungen einen Geschlechtsverkehr simulierte, bestritt der junge Mann ebenfalls.

Opfer schilderten schockierende Situation

Die - hinsichtlich des Geschehens übereinstimmenden - Aussagen der beiden Opfer (23 und 27) wurden den Schöffen per Video in den Gerichtssaal eingespielt. Die 23-Jährige schilderte, dass der Unbekannte, der ihnen entgegengekommen war, ihr auf das Gesäß gegriffen hatte. Während sie das - perplex - ihrer Freundin erzählte, kam er die paar Schritte wieder zurück und packte die 27-Jährige.

Die junge Frau rief dann ihre Mutter an, die ihr riet, den Vorfall sofort anzuzeigen. Ein unabsichtliches Streifen schloss die Zeugin aus. Von einer Entschuldigung oder auch nur der Absicht dazu bemerkte sie nichts: "Er hat gar nichts gesagt."

Der Afghane habe sie von hinten umklammert und fixiert, sodass sie sich nicht befreien konnte, sagte die zweite Zeugin. Dann ließ er die rechte Hand los und wollte ihr die Hose runterziehen. In dem Moment griff auch schon ihre Freundin ein, worauf der Mann flüchtete. Zuvor habe er noch eindeutig erkennen lassen, dass es ihm um Geschlechtsverkehr ging, meinte sie. Sie hätten beide geschrien, es sei alles sehr schnell gegangen, beschrieb sie die schockierende Situation. Andere Fußgänger waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu sehen.

Die Angaben der beiden Mütter von Kleinkindern widersprachen den Aussagen des Asylwerbers erheblich, hielt der Richter anschließend fest und verwies auch auf die beschriebenen eindeutigen Gesten. Er habe eine Freundin, er habe niemand vergewaltigen wollen, beteuerte der nicht unbescholtene 17-Jährige, "in diesem Verfahren" unschuldig zu sein.

Nachdem sich beide nach seiner "unabsichtlichen" Berührung so aufgeregt hatten, lief der 17-Jährige aus Angst vor der Polizei davon, weil er nach einer Haftstrafe seit Ende Juni auf Bewährung in Freiheit sei und Angst vor einer Abschiebung habe, verlas der Richter aus dessen Einvernahmen. Staatsanwalt Thomas Ernst sah in seinem Schlussvortrag die Vorstrafe des Angeklagten als erschwerend an, Pflichtverteidiger Michael Leibel verwies auf das teilweise Geständnis, ehe die Schöffen die Urteilsberatung aufnahmen.