Ratschenkinder geh?n um

Erstellt am 16. April 2014 | 00:00
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Web-Artikel 784 , Roman Guttenbrunner und Magdalena Theuerkauf sowie die Jung-Ratscher David Baumgartner, Viktoria Theuerkauf und Carolin Baumgartner.Doris Schleifer-Höderl
Foto: NOEN, zVg
Brauchtum / David und Carolin Baumgartner sowie Magdalena und Viktoria Theuerkauf von der Pfarre Herz Jesu ziehen lärmend durchs Pfarrgebiet und erinnern an die Gebetszeiten.
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AMSTETTEN / Der Überlieferung zufolge schweigen von Gründonnerstag nach dem Gloria den gesamten Karfreitag bis Ostern die Glocken bzw. deren Klöppel, da sie alle nach Rom geflogen sind. Dafür sind die Ratschenkinder unterwegs, um die Menschen mit unterschiedlichen Sprüchen an die Gebetszeiten und Andachten zu erinnern. Vier von ihnen, David und Carolin Baumgartner sowie Magdalena und Viktoria Theuerkauf, freuen sich schon heute auf diese Aufgabe. Gemeinsam mit 26 anderen Ministranten und Jungscharkindern der Pfarre Herz Jesu werden sie am Karfreitag und Karsamstag mit ihren Ratschen unterwegs sein. David (9) geht heuer zum dritten Mal ratschen, seine Schwester Carolin (7) zum zweiten Mal, Magdalena (13) bereits zum fünften Mal und Viktoria (9) zum dritten Mal. Damit alles ordentlich abläuft, dafür sorgt Roman Guttenbrunner (19), der heuer seinen zehnten Ratschen-Einsatz hat, zum fünften Mal nun schon als Betreuer und Organisator des Herz-Jesu-Ratschentrupps.

„Insgesamt sind dreißig Kinder in den Gebieten Eisenreichdornach, Preinsbach, Eggersdorf, Greimpersdorf, in Amstetten Ost Höhe Dornerwirt sowie in der Reitbauernsiedlung mit ihren Ratschen unterwegs. Am Karfreitag in der Zeit von 8 bis 10.30 Uhr sowie von 16.30 bis 18 Uhr und am Karsamstag von 8 bis 11.30 Uhr sind wir im Einsatz“, berichtet Roman. Wie David, Carolin, Magdalena und Viktoria verraten, sei man sich bewusst, welch‘ wichtige Aufgabe man als Ratschenbub und Ratschenmädchen zu erfüllen hat. „Viele Leute wissen gar nicht, dass Ostern das höchste Fest der katholischen Kirche ist und nicht Weihnachten.“ Natürlich macht es ihnen enormen Spaß, ordentlich lärmen zu dürfen. „Proben müssen wir nicht mehr, das funktioniert auch so“, meint Betreuer Roman lachend, was von Pfarrer Hans Schwarzl bestätigt wird. „Unsere Ratschenkinder wissen, was zu tun ist.“ Selbstverständlich freuen sie sich, wenn sie nach dem Ratschen und dem Spruchaufsagen eine kleine Spende bekommen. Von den meisten Leuten gibt es als Belohnung auch Süßes sowie Ostereier, die dann brüderlich geteilt werden. Pfarrer Schwarzl ist stolz auf die tüchtigen Ratschenkinder, war er doch selbst als Bub in seiner Heimat im Weinviertel Jahr für Jahr als Ratschenbub unterwegs. „Das war herrlich! Daher freue ich mich, dass dieser alte Brauch bis heute Bestand hat und in unserer Pfarre so viele Kinder begeistert beim Ratschen mit dabei sind!“ sagt er und lässt es sich nicht nehmen, eine ordentliche Ratschen-Kostprobe zu geben, in die Roman, David, Carolin, Magdalena und Viktoria sofort voller Eifer einfallen.

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